Verträge mit öffentlich-rechtlichen Körperschaften – und der Leistungsaustausch

16. Juni 2016 | Allgemeines
Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Die maßgeblichen Grundsätze zur Abgrenzung von steuerbaren Leistungen gegen Entgelt und nicht steuerbaren Zuschüssen bei Zahlungen aus öffentlichen Kassen sind durch die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs bereits geklärt1.

Ob die Voraussetzungen einer entgeltlichen Leistung i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG vorliegen, ist unabhängig von der Bezeichnung durch die Parteien allein nach umsatzsteuerrechtlichen Maßstäben zu beurteilen2. Nach ständiger Rechtsprechung erbringt ein Unternehmer Leistungen gegen Entgelt i.S. von § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG, wenn zwischen ihm und dem Leistungsempfänger ein Rechtsverhältnis besteht, das einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Leistung und Entgelt begründet, so dass das Entgelt als Gegenwert für die Leistung anzusehen ist3.

Für Leistungen an eine Körperschaft des öffentlichen Rechts gelten keine Besonderheiten. Bei Zahlungen aus öffentlichen Kassen kann es zwar an dem für die Steuerbarkeit einer Leistung erforderlichen Leistungsaustausch fehlen, wenn die Zahlung lediglich der Förderung der Tätigkeit des Zahlungsempfängers allgemein -aus strukturpolitischen, volkswirtschaftlichen oder allgemeinpolitischen Gründen- dient und deshalb nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit einer Leistung an den Zahlenden steht4. Erbringt jedoch ein Unternehmer -wie im vorliegenden Fall- in Erfüllung eines gegenseitigen Vertrages mit einer juristischen Person des öffentlichen Rechts Leistungen gegen Entgelt, ist grundsätzlich von einem steuerbaren Leistungsaustausch auszugehen5.

Dabei st es ohne Bedeutung, ob es sich bei der übernommenen Tätigkeit um eine grundsätzlich der betreffenden Körperschaften des öffentlichen Rechts obliegende Pflichtaufgabe handelt6.

Bundesfinanzhof, Beschluss vom 12. April 2016 – V B 3/15

  1. vgl. dazu z.B. BFH, Beschluss vom 06.05.2014 – XI B 4/14, BFH/NV 2014, 1406, Rz 17; BFH, Urteile vom 28.05.2013 – XI R 32/11, BFHE 243, 419, BStBl II 2014, 411, Rz 41 ff.; vom 26.09.2012 – V R 22/11, BFHE 239, 369, BFH/NV 2013, 486, Rz 14 f.; vom 02.09.2010 – V R 23/09, BFH/NV 2011, 458, Rz 19
  2. BFH, Urteile in BFH/NV 2011, 458, Rz 20; vom 07.07.2005 – V R 34/03, BFHE 211, 59, BStBl II 2007, 66, Rz 17
  3. vgl. z.B. BFH, Urteil in BFHE 243, 419, BStBl II 2014, 411, Rz 41
  4. z.B. BFH, Urteile in BFH/NV 2011, 458, Rz 18 f.; vom 19.11.2009 – V R 29/08, BFH/NV 2010, 701, Rz 11; und vom 27.11.2008 – V R 8/07, BFHE 223, 520, BStBl II 2009, 397, Rz 21
  5. vgl. BFH, Urteile vom 18.06.2009 – V R 4/08, BFHE 226, 382, BStBl II 2010, 310, Rz 21; vom 08.11.2007 – V R 20/05, BFHE 219, 403, BStBl II 2009, 483, 2. Leitsatz sowie Rz 31; vom 05.12 2007 – V R 63/05, BFH/NV 2008, 996, Rz 37; vom 18.12 2008 – V R 38/06, BFHE 225, 155, BStBl II 2009, 749, 2. Leitsatz sowie Rz 34
  6. z.B. BFH, Urteile in BFHE 243, 419, BStBl II 2014, 411, Rz 43; in BFH/NV 2010, 701, Rz 12; in BFH/NV 2011, 458, Rz 33

 
Weiterlesen auf der Rechtslupe

Weiterlesen auf der Rechtslupe:

Themenseiten zu diesem Artikel: , ,
Weitere Beiträge aus diesem Rechtsgebiet: Allgemeines

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar zu diesem Artikel:

 
Zum Seitenanfang
Do NOT follow this link or you will be banned from the site!