Die Auswahl eines Rechtanwalts

29. April 2016 | Kanzlei und Beruf
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Kommt es zu einem Gerichtsverfahren, wird in der Regel auf die Hilfe und Unterstützung eines Rechtsanwalts zurückgegriffen. Dabei bleibt es dem Betroffenen überlassen, nach welchen Gesichtspunkten er seine Wahl trifft. Die räumliche Nähe der Kanzlei zum Wohnort des Mandanten kann zwar immer noch ein Auswahlkriterium sein, muss es aber nicht. Besonders mit der Allgegenwärtigkeit des Internets entscheiden sich die Mandanten häufig aufgrund von im Internet veröffentlichten Erfahrungen und Fachwissen.

Gerade mit der steigenden Zahl der Juristen ist es besonders attraktiv, als Rechtsanwalt eine Fachanwaltsbezeichnung führen zu dürfen. Mit dem Fachanwalt werden beim Mandanten Kompetenz und Erfahrung auf diesem Rechtsgebiet verbunden. So hat auch der Anwaltsgerichtshof des Landes Nordrhein-Westfalen in einem Fall betont, dass ein Rechtsanwalt für die Verleihung einer Fachanwaltsbezeichnung den Erwerb besonderer theoretischer Kenntnisse im gesamten in der Fachanwaltsordnung genannten Bereich des Fachgebiet nachweisen muss. Kann er nicht belegen, über besondere theoretische Kenntnisse in allen Bereichen des betreffenden Fachgebietes zu verfügen, ist das nicht ausreichend1.

Allerdings lässt die besondere Qualifizierung zum Führen eines “Fachanwaltstitels” nicht den Umkehrschluss zu, jeder Rechtsanwalt ohne diese Zusatzbezeichnung sei weniger gut. Zu einem unzufriedenen Mandanten kann es aus diversen Gründen immer wieder kommen. Sucht sich der Mandant dann einen neuen Rechtsbeistand, zählen wiederum seine subjektiven Auswahlkriterien, nach denen er z. B. einen Rechtsanwalt in Hessen oder eine Rechtsanwältin in Düsseldorf beauftragen wird. Hat sich die Kanzlei auf bestimmte Themen und Fachgebiete spezialisiert, aber der dort tätige Jurist führt keinen “Fachanwaltstitel”, heißt das nicht unbedingt, er ist weniger kompetent als ein Rechtsanwalt und Fachanwalt.

Genauso subjektiv ist die Entscheidung zu Gunsten einer großen Anwaltssozietät oder einer Kanzlei mit einem Einzelanwalt. So wie sich jeder Jurist ganz individuell entscheidet, ob er in einer Sozietät – womöglich mit Niederlassungen im In- und Ausland – oder als Einzelanwalt tätig sein möchte, so trifft ein Mandant die Auswahl nach seinem persönlichen Vorlieben und Überlegungen. Wechselt ein Mandant seinen Rechtsanwalt, ist es nicht einmal sicher, dass er seine Auswahlkriterien ändert.

Ist ein Mandat beendet, ist der Rechtsanwalt zur Herausgabe der von ihm geführten Handakte verpflichtet. So hat der Anwaltsgerichtshof für das Land Nordrhein-Westfalen2 in Vollzug des Revisionsurteils des Senats für Anwaltssachen beim Bundesgerichtshof3 entschieden. Nach dessen Auffassung besteht nicht nur eine zivilrechtliche sondern auch eine berufsrechtliche Pflicht, eine Handakte herauszugeben. In dem hier vorliegenden Fall haben die Mandanten, ein Ehepaar, alle dem Anwalt zustehenden Gebühren und Auslagen bezahlt und sich einen neuen Rechtsanwalt gesucht. Dieser hat über einen längeren Zeitraum erfolglos versucht, von seinem Kollegen die Mandanten-Handakten zur Weiterführung des Mandats zu erhalten. Der Anwaltsgerichtshof sah in diesem anlasslosen Zurückhalten ein gravierendes Fehlverhalten. Wenn ein Mandat vorzeitig beendet wird und ein anderer Rechtsanwalt mit der Rechtsangelegenheit betraut wird, kann der Mandant laut dem Anwaltsgerichtshof mit Fug und Recht erwarten, dass er die seinem früheren Bevollmächtigten ausgehändigten Unterlagen zurückerhält.

  1. AnwGH NRW, Urteil vom 21.08.2015 – 1 AGH 11/14
  2. AnwGH NRW, Urteil vom 29.05.2015 – 1 AGH 1/15
  3. BGH, Urteil vom 03.11.2014 – AnwSt (R) 5/14

 
Weiterlesen auf der Rechtslupe

Weiterlesen auf der Rechtslupe:

Themenseiten zu diesem Artikel: , ,
Weitere Beiträge aus diesem Rechtsgebiet: Kanzlei und Beruf

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar zu diesem Artikel:

 
Zum Seitenanfang
Do NOT follow this link or you will be banned from the site!