Binäre Optionsgeschäfte in der Steuererklärung

3. März 2016 | Steuerrecht
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Der Handel mit binären Optionen ist kein Glücksspiel, sondern zählt zu den Termingeschäften. Der Anleger spekuliert auf ein vorher genau festgelegtes Ereignis. Tritt es ein, erzielt er einen Gewinn, geht die Spekulation negativ aus, verliert der Anleger das eingesetzte Kapital.

Werden beim Handel mit binären Optionen Gewinne erwirtschaftet, erfolgt die Abführung der Steuern nicht automatisch durch den Broker, sondern der Anleger muss sich selbst um die Versteuerung kümmern. In Deutschland existiert keine “Binäre-Optionen-Steuer”. Vielmehr ist hier eine Gewinn-Versteuerung nach § 20 EStG vorzunehmen, wenn der involvierte Broker nicht in der Bundesrepublik sitzt, sondern sein Geschäft aus dem Ausland betreibt. Arbeitet der Broker aus dem Inland, kann er die anfallende Steuer für den jeweiligen Anleger direkt an das zuständige Finanzamt anweisen im Rahmen der Abgeltungssteuer.

Darüberhinaus kann der Anleger auch in den Genuss gelangen, keine oder geringe Steuern auf Binäre Optionen beziehungsweise erzielte Gewinne zahlen zu müssen: Voraussetzung hierfür ist, dass der Broker seinen Sitz in Deutschland hat und der Anleger ihm einen Freistellungsauftrag erteilt hat. Da eine Vielzahl von Brokern aber international tätig ist, arbeiten die meisten Broker aus dem Ausland und die Versteuerung der Gewinne liegt allein bei dem jeweiligen Anleger.

Beim Handel mit binären Optionen sind zwar große Gewinne zu erzielen – aber genauso können die Verluste hoch sein. So können sie die Einlage übersteigen. Gerade bei Einsteigern ist der Handel mit binären Optionen besonders attraktiv, weil das Prinzip schnell zu verstehen ist und die Hemmschwelle dementsprechend niedrig, in den Handel mit einzusteigen. Einfach erklärt, setzt man auf nur zwei mögliche Varianten: Entweder man liegt richtig oder man liegt falsch – oder anders: der Anleger erzielt einen Gewinn oder die Option verfällt ohne Wert.

So wie der Anleger seinen Gewinn zu versteuern hat, besteht auch die Möglichkeit, den erlittenen Verlust in der Steuererklärung geltend zu machen. Wie der Bundesfinanzhof in mehreren kürzlich entschiedenen Urteilen ausgeführt hat, sind optionsbedingte  Verluste bei der Ermittlung der Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. a des Einkommensteuergesetzes zu berücksichtigen. Begründet hat das der Bundesfinanzhof damit, dass diese Regelung aus dem Wortlaut des Gesetzes folge. Desweiteren spreche die systematische Stellung und der Sinn und Zweck der Regelung dieser Auslegung. In den drei entschiedenen Fällen hatten Privatanleger jeweils Aktien- und Indexoptionen erworben. Die Kursentwicklung der Wertpapiere und Aktienindizes entsprach nicht den Erwartungen der Anleger und die Optionen mussten nach dem Ende der Laufzeit als wertlos aus den Wertpapierdepots ausgebucht werden. Sie “liefen aus dem Geld”. Diesen Wertverlust haben die Anleger im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung als Werbungskosten bei ihren Einkünften aus Kapitalvermögen geltend gemacht.  Entgegen der Rechtsauffassung des Bundesministeriums der Finanzen können Verluste aus dem Verfall von Optionen die Einkünfte aus Kapitalvermögen mindern. Laut Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 9. Oktober 20121 und vom 27. März 20132 sind bisher diese Verluste nicht steuerlich berücksichtigt worden. Aber nach den Urteilen des Bundesfinanzhofs vom 12. Januar 2016 (Aktenzeichen: X R 48/14, IX R 49/14 und IX R 50/14) ist es ohne Belang, ob der Anleger aufgrund der Option auch den zugrundeliegenden Basiswert erwirbt oder ob er einen sich aus dem Optionsgeschäft ergebenen Unterschiedsbetrag in bar ausgleicht. Also werden Verluste aus dem Verfall der wertlos gewordenen Optionen steuerlich anerkannt.

  1. BStBl I 2012, 953, Rz. 27
  2. BStBl I 2013, 403

 
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