Besonderes Kirchgeld in glaubensverschiedenen Ehen

29. Januar 2016 | Einkommensteuer (privat)
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Die landesrechtlichen und kirchenrechtlichen Vorschriften über die Erhebung des besonderen Kirchgelds in glaubensverschiedener Ehe verstoßen nach Ansicht des Finanzgerichts Hamburg nicht gegen die Verfassung, insbesondere nicht gegen Art. 3, Art. 4 oder Art. 6 GG.

Nach ständiger Rechtsprechung wird die Verfassungsmäßigkeit des besonderen, gestaffelten Kirchgelds für zusammenveranlagte Kirchenangehörige in glaubensverschiedener Ehe ausdrücklich bejaht1.

Insbesondere kann im Rahmen des Kirchgelds an den Lebensführungsaufwand angeknüpft werden2.

Dafür kann nach ständiger Rechtsprechung auf das – im Rahmen der gewählten Zusammenveranlagung – gemeinsam zu versteuernde Einkommen als Indikator oder Hilfsmaßstab zurückgegriffen werden3.

Entsprechendes gilt für das in Hamburg geltende Kirchensteuerrecht4.

Entsprechendes gilt bei der Kirchgeld-Erhebung5.

Finanzgericht Hamburg, Urteil vom 1. September 2015 – 3 K 167/15

  1. BFH, Beschlüsse vom 12.10.2011 – I B 64/11, BFH/NV 2012, 452; vom 29.01.2010 – I B 98/09, BFH/NV 2010, 1123, KirchE 55, 40; vom 20.12.2006 – I B 43/06, Juris; vom 21.12.2005 – I R 44/05, Juris; vom 20.12.2005 – I B 197/04, BFH/NV 2006, 822; ferner BVerfG, Beschluss vom 19.08.2002 2 BvR 443/01, NVwZ 2002, 1496, HFR 2002, 1129; jeweils m. w. N.
  2. BFH, Beschluss vom 08.10.2013 – I B 109/12, BFH/NV 2014, 182, Juris Rz. 8; BVerfG, Urteil vom 14.12.1965 1 BvR 606/60, BVerfGE 19, 268, BStBl I 1966, 196, 200 a. E.; jeweils m. w. N.
  3. BVerfG, Beschluss vom 28.10.2010 2 BvR 591/06 u. a., NJW 2011, 365, HFR 2011, 98, KirchE 56, 346; BFH, Urteile vom 25.01.2006 – I R 62/05; vom 21.12.2005 – I R 64/05; vom 19.10.2005 – I R 76/04, BFHE 211, 90, BStBl II 2006, 274; und – I R 91/04; Beschlüsse vom 19.10.2005 – I R 57/05, BFH/NV 2006, 821; vom 22.01.2002 – I B 18/01, BFH/NV 2002, 674, KirchE 40, 39; vom 27.04.2000 – I B 92/99, KirchE 38, 184; jeweils m. w. N.
  4. FG Hamburg, Urteil vom 07.02.1996 – II 44/93, EFG 1996, 492, KirchE 34, 35, FamRZ 1997, 1155, MDR 1996, 852, nachgehend BFH, Beschluss vom 16.12.1996 – I B 43/96, BFH/NV 1997, 529, KirchE 34, 475; FG Hamburg, Urteil vom 15.12.1995 – II 116/94, EFG 1996, 496, KirchE 33, 578, nachgehend BFH, Beschluss vom 27.09.1996 – I B 23/96, BFH/NV 1997, 299; FG Hamburg, Urteil vom 15.12.1995 – II 15/93, EFG 1996, 498, KirchE 33, 569; jeweils m. w. N.
  5. vgl. EGMR, Urteil vom 17.02.2011 – 12884/03, NVwZ 2011, 1503, KirchE 57, 118; FG Köln, Urteil vom 11.05.2005 – 11 K 385/03; FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 11.03.1999 – 2 K 2339/98, KirchE 37, 56; FG München, Urteil vom 31.05.1988 – XIII 277/87 EA, EFG 1988, 580, KirchE 26, 156, nachgehend BFH, Beschluss vom 27.09.1988 – VII B 123/88, BFH/NV 1989, 313; ferner Finanzgericht München, Urteil vom 31.10.2007 – 9 K 174/07, KirchE 50, 295, nachgehend BFH, Beschluss vom 15.07.2008 – I B 217/07; FG Düsseldorf, Beschluss vom 08.11.2006 – 1 K 4358/06 Ki, EFG 2007, 656

 
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Bisher 1 Kommentar zu diesem Artikel:
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  • Anonymous sagt:

    Das o.a. Urteil betraf ein besonderes Kirchgeld bei eigenem Einkommen des kirchenangehörigen Ehegatten. Es weist entscheidungserhebliche Fehler auf. So beruft sich das FG u.a. darauf (RN 79), dass lt. BFH-Beschluss vom 8.10.2013 – I B 109/12 die Besteuerung nach Lebensführungsaufwand zulässig ist. So steht das nach der Einleitung “Die Rechtslage ist eindeutig” im ersten Absatz der Ziffer 2 b dieses Beschlusses. Das FG HH verschweigt aber den zweiten Absatz dieser Ziffer 2b. Und darin wird klar eingegrenzt, dass “diese Ausführungen” sich auf das besondere Kirchgeld beziehen, das sich “nur für diese Fallkonstellation” “mangels eigenen Einkommens kirchensteuerfrei” am Lebensführungsaufwand des kirchenangehörigen Ehegatten orientiert. Dabei beruft der BFH sich zweimal direkt auf das Urteil des BVerfG vom 14.12.1965 – 1 BvR 606/60, in dem das BVerfG die Besteuerung des Lebensführungsaufwandes mit genau dieser einschränkten Maßgabe ermöglicht hatte (Ziffer C II 2). Daher missachtet das Urteil des FG HH gegen die tragenden Gründe von 1 BvR 606/60, die u.a. besagen, dass bei eigenem Einkommen des kirchenangehörigen Ehegatten dieses besteuert werden “muss” (Ziffer C I 2), was KiESt bedeutet, und dass die Einkommen eine steuerpflichtigen und eines nicht-steuerpflichtigen Ehegatten nicht zusammengerechnet werden dürfen (Ziffer C I 2 a und d), was bedeutet, dass die “hilfsweise Bemessung am gemeinsam zu versteuernden Einkommen” bei eigenem Einkommen des Kirchenmitglieds nicht zulässig ist. Bei Beachtung der Rechtslage hätte das FG HH diese Frage gegenteilig entscheiden müssen. Ein genauere Analyse dieses Urteils des FG HH findet sich bei http://kirchgeld-klage.info/3-urteile/6-erstinstanzliche-urteile/#III%205.11

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