Was ist die Finanztransaktionsteuer?

12. Januar 2016 | Einkommensteuer
Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Eine Finanztransaktionssteuer wird auf jede finanzielle Transaktion erhoben (börslich und außerbörslich), es gibt sie in unterschiedlicher Form schon in verschiedenen Staaten. Auch in Deutschland wäre sie nichts Neues, es gab ab 1881 immerhin bis 1992 eine Stempelsteuer, in Großbritannien gibt es diese heute noch. Im Zuge der Verwerfungen an den Finanzmärkten ab 2007 wurde in Europa über eine einheitliche Finanztransaktionssteuer für das Euro-Währungsgebiet diskutiert, doch die letzten Verhandlungen darüber sind im Dezember 2015 vorerst gescheitert.

Was würde eine Finanztransaktionssteuer bewirken?

So eine Steuer wird, wenn sie kommt, im Promillebereich erhoben. Man redet bislang von 0,1 % beim Aktienhandel und 0,01 % beim Derivatehandel. Damit wären beispielsweise CFDs, Binäre Optionen, Knock-outs und klassische Optionen gemeint. Der Forex-Spothandel soll nach den Intentionen der EU-Finanzminister befreit werden, was bedeuten würde, der Handel mit ganzen Lots (100.000 Deviseneinheiten) und auch mit Mini- und Mikrolots (10.000 und 1.000 Einheiten) bliebe steuerfrei. Wichtig zu wissen ist allerdings: Die Finanztransaktionssteuer betrifft nicht nur den börslichen Handel. CFDs und Binäre Optionen mit ihrem OTC-Handel (außerbörslich) wären voraussichtlich betroffen, wie das Brokervergleichsportal www.online-broker-vergleich.info spekuliert. Da gerade diese Derivate ohne Gebühren gehandelt werden, dürften die Broker Spreads erheben bzw. vergrößern. Beim börslichen Handel mit Knock-outs und klassischen Optionen hingegen könnten die Broker die Steuer auf die Gebühren umlegen. Wenn ein Broker also bislang beispielsweise für eine Order bis 1.500 Euro eine Grundgebühr von 5,90 Euro und eine Provision für den Emittenten von oft 20 Cent erhebt, könnten nun 0,01 % Finanztransaktionssteuer hinzukommen. Die Order würde sich bei einem Volumen von glatt 1.000 Euro um 10 Cent verteuern. Das wäre wohl auch bei CFDs und Binären Optionen zu erwarten, nur dass hier der Spread etwas breiter würde (CFDs) bzw. überhaupt erst einmal erhoben werden müsste (Binäre Optionen). Für die Anbieter von Binären Optionen, die als Market Maker auftreten und bislang mit dem spread- und gebührenfreien Handel werben, wäre das eine gewaltige Umstellung.

Europäische Verhandlungen über die Finanztransaktionssteuer

Die europäischen Verhandlungen wurden zuletzt zwischen den Finanzministern von zehn Eurostaaten geführt, darunter Deutschland, Österreich und Frankreich. Eigentlich hatten die Staaten, die zum “Kerneuropa” gerechnet werden, die europäische – einheitliche – Finanztransaktionssteuer ab 2016 einführen wollen, sich aber weder über die Durchführung noch über den Steuersatz einigen können. Die Durchführung ist technisch sehr kompliziert. Man stelle sich den aktiven Handel an den Börsen und außerbörslich vor: Täglich werden Milliarden von Transaktionen durchgeführt. Es gibt heute automatische Handelssysteme, die 20.000 Operationen pro Sekunde (!) für ein einziges Handelskonto durchführen. Jede dieser Transaktionen müsste besteuert, diese Besteuerung müsste dokumentiert und überwacht werden. Möglich ist das natürlich, die Stempelsteuer auf Aktiengeschäfte existiert immerhin in Großbritannien und wird dort auch technisch sauber erhoben. Wahrscheinlich sind die Verhandlungen eher mangels Teilnehmerzahl gescheitert, denn das Kapital

 
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