Bedingter Tötungsvorsatz

19. Februar 2016 | Strafrecht
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Bedingt vorsätzliches Handeln setzt voraus, dass der Täter den Eintritt des tatbestandlichen Erfolges als möglich und nicht ganz fernliegend erkennt, ferner, dass er ihn billigt oder sich des erstrebten Zieles willen mit der Tatbestandsverwirklichung zumindest abfindet.

Dabei genügt es für eine vorsätzliche Tatbegehung, dass der Täter den konkreten Erfolgseintritt akzeptiert und er sich innerlich mit ihm abgefunden hat, mag er auch seinen Wünschen nicht entsprochen haben1.

Im Rahmen der insoweit vorzunehmenden Gesamtschau aller objektiven und subjektiven Tatumstände können je nach der Eigenart des Falles auch für die Feststellung des Willenselements des bedingten Vorsatzes unterschiedliche Wertungsgesichtspunkte im Vordergrund stehen.

Soweit Rückschlüsse auf das Wollen des Täters möglich sind, kann auch sein Wissensstand in die Gesamtbetrachtung einbezogen werden2.

Ein Täter kann schon dadurch bedingt vorsätzlich ein Tötungsdelikt verwirklicht haben, dass er den Tod seines Opfers – mag er ihm auch unerwünscht oder von ihm nicht gewollt gewesen sein – lediglich als mögliche Folge der verletzungsursächlichen Verhaltensweise in Kauf nahm und sich mit ihm abfand, indem er das Überleben seines Opfers dem bloßen Zufall überließ, ihm dessen Überleben also gleichgültig war.

Zudem liegt die Annahme einer Billigung im Sinne bedingten Vorsatzes auch dann nahe, wenn dem Täter bewusst war, dass die dargestellte Verhaltensweise zum Tod des Opfers führen könnte.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 14. Januar 2016 – 4 StR 72/15

  1. BGH, Urteil vom 21.12 2011 – 1 StR 400/11, NStZ-RR 2012, 105
  2. vgl. BGH, Urteil vom 04.11.1988 – 1 StR 262/88, BGHSt 36, 1, 10 f.

 
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