Der fehlgeschlagene Versuch – und die subjektive Sicht des Täters

5. Juli 2016 | Strafrecht
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Ein Versuch ist fehlgeschlagen, wenn der Täter nach der letzten von ihm vorgenommenen Tathandlung erkennt, dass mit den bereits eingesetzten oder den ihm sonst zur Hand liegenden Mitteln der erstrebte Taterfolg nicht mehr herbeigeführt werden kann, ohne dass er eine neue Handlungs- und Kausalkette in Gang setzt1.

Die subjektive Sicht des Täters ist auch dann maßgeblich, wenn der Versuch zwar objektiv fehlgeschlagen ist, der Täter dies aber nicht erkennt; zumindest soll ein freiwilliger Verzicht auf weitere Tathandlungen zur Straffreiheit nach § 24 Abs. 1 Satz 2 StGB führen2.

Auch für die Prüfung, ob ein Versuch unbeendet oder beendet ist, kommt es maßgeblich darauf an, welche Vorstellung der Täter nach seiner letzten Ausführungshandlung von der Tat hat (sog. Rücktrittshorizont)3. Danach liegt ein unbeendeter Versuch vor, wenn der Täter nach seiner Vorstellung noch nicht alles getan hat, was zur Tatbestandsverwirklichung erforderlich ist; in diesem Fall kann er allein durch das freiwillige Unterlassen weiterer auf den Taterfolg abzielender Handlungen strafbefreiend vom Versuch zurücktreten (§ 24 Abs. 1 Satz 1 Alternative 1 StGB). Hält er dagegen den Eintritt des Taterfolgs für möglich, so ist der Versuch beendet; der strafbefreiende Rücktritt setzt dann voraus, dass der Täter den Taterfolg freiwillig durch aktives Tun verhindert (§ 24 Abs. 1 Satz 1 Alternative 2 StGB) oder zumindest entsprechende ernsthafte Bemühungen entfaltet, wenn der Erfolg ohne sein Zutun ausbleibt (§ 24 Abs. 1 Satz 2 StGB)4. Lässt sich das Vorstellungsbild des Täters, das auch für die Beurteilung der Freiwilligkeit eines Rücktritts von Bedeutung ist, im maßgeblichen Zeitpunkt den Feststellungen nicht entnehmen, so hält das Urteil insoweit sachlichrechtlicher Prüfung regelmäßig nicht stand, weil es die revisionsrechtliche Prüfung des Vorliegens eines freiwilligen Rücktritts nicht ermöglicht5.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 31. Mai 2016 – 3 StR 135/16

  1. st. Rspr.; s. etwa nur BGH, Urteil vom 30.11.1995 – 5 StR 465/95, BGHSt 41, 368, 369; Urteil vom 19.05.2010 – 2 StR 278/09, NStZ 2010, 690, 691 mwN
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 24.11.2004 – 5 StR 239/04, NStZ-RR 2005, 70, 71
  3. s. nur BGH, Urteil vom 19.03.2013 – 1 StR 647/12, NStZ-RR 2013, 273, 274 mwN
  4. s. BGH, Beschluss vom 19.05.1993 – GSSt 1/93, BGHSt 39, 221, 227 mwN
  5. BGH, Urteil vom 19.03.2013 – 1 StR 647/12, aaO, vgl. auch BGH, Beschlüsse vom 13.11.2012 – 3 StR 411/12 3 ff.; und vom 29.09.2011 – 3 StR 298/11, NStZ 2012, 263, sowie Urteil vom 12.06.2014 – 3 StR 154/14, NStZ 2014, 507, 509 mwN

 
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