Die Lücken in der Beweiswürdigung

25. Juli 2016 | Strafrecht
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Auf die Sachrüge hin prüft das Revisionsgericht, ob die tatrichterliche Beweiswürdigung so, wie sie sich aus den Urteilsgründen ergibt, den Beweisstoff lückenlos ausgeschöpft hat1. Lückenhaft ist die Beweiswürdigung namentlich dann, wenn sie wesentliche Feststellungen nicht erörtert2.

Im Übrigen liegt ein Erörterungsmangel und damit eine Lücke nur dann vor, wenn sich das Tatgericht mit tatsächlich vorhandenen Anhaltspunkten für nahe liegende andere Möglichkeiten nicht auseinandergesetzt hat3. Es ist aber weder im Hinblick auf den Zweifelssatz noch sonst geboten, zu Gunsten des Angeklagten Tatvarianten zu unterstellen, für deren Vorliegen keine konkreten Anhaltspunkte erbracht sind4. Deshalb braucht das tatrichterliche Urteil bloß theoretische Möglichkeiten auch nicht zu erörtern5, sondern muss sich nur mit nach der Sachlage naheliegenden Möglichkeiten auseinandersetzen6.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 16. Juni 2016 – 1 StR 49/16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 10.12 1986 – 3 StR 500/86; Ott in KK-StPO, 7. Aufl., § 261 Rn. 81
  2. vgl. BGH, Urteile vom 03.12 2015 – 4 StR 387/15, Rn. 13, StraFo 2016, 110; vom 22.05.2007 – 1 StR 582/06; und vom 05.12 2013 – 4 StR 371/13, NStZ-RR 2014, 87; Beschluss vom 12.11.2015 – 2 StR 197/15, Rn. 14, NStZ 2016, 338
  3. vgl. BGH, Beschlüsse vom 12.11.2015 – 2 StR 197/15, Rn. 14, NStZ 2016, 338; vom 30.04.1987 – 4 StR 164/87, BGHR StPO § 261 Beweiswürdigung, unzureichende 6; Urteil vom 05.12 1986 – 2 StR 566/86, BGHR StPO § 261 Beweiswürdigung, unzureichende 4
  4. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteile vom 27.04.2010 – 1 StR 454/09, wistra 2010, 310, 312 mwN; und vom 23.03.1995 – 4 StR 746/94, BGHR BtMG § 29 Bewertungseinheit 4; Beschluss vom 23.08.2011 – 1 StR 153/11, Rn. 24, in BGHSt 57, 1 nicht abgedruckt
  5. BGH, Beschlüsse vom 12.11.2015 – 2 StR 197/15, Rn. 14, NStZ 2016, 338; vom 23.05.2012 – 1 StR 208/12, Rn. 7, wistra 2012, 355 [in NStZ 2012, 584 nicht abgedruckt]; vom 23.08.2011 – 1 StR 153/11, Rn. 24, in BGHSt 57, 1 nicht abgedruckt; Urteil vom 26.05.2011 – 1 StR 20/11, NStZ 2011, 688
  6. vgl. BGH, Urteil vom 11.01.2005 – 1 StR 478/04, NStZ-RR 2005, 147; Beschlüsse vom 12.11.2015 – 2 StR 197/15, Rn. 14, NStZ 2016, 338; und vom 29.08.1974 – 4 StR 171/74, BGHSt 25, 365, 367; Ott in KK-StPO, 7. Aufl., § 261 Rn. 49 mwN

 
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