Heimtücke – und die Frage der Wehrlosigkeit

21. März 2016 | Strafrecht
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Heimtückisch handelt, wer in feindlicher Willensrichtung die Arg- und Wehrlosigkeit des Tatopfers bewusst zur Tötung ausnutzt. Wesentlich ist, dass der Mörder sein Opfer, das keinen Angriff erwartet, also arglos ist, in einer hilflosen Lage überrascht und dadurch daran hindert, dem Anschlag auf sein Leben zu begegnen oder ihn wenigstens zu erschweren.

Das Opfer muss gerade auf Grund seiner Arglosigkeit wehrlos sein.

Maßgebend für die Beurteilung ist die Lage bei Beginn des ersten mit Tötungsvorsatz geführten Angriffs1.

Kann das Opfer in diesem Moment dem Täter nichts Wirkungsvolles entgegensetzen, ist von dessen Wehrlosigkeit selbst dann auszugehen, wenn es im weiteren Verlauf des Kampfgeschehens Abwehrmaßnahmen zu entfalten vermag2.

Beim versuchten Delikt ist zu prüfen, ob der Täter die genannten Kriterien des Heimtückemerkmals in seinen Vorsatz aufgenommen hat.

Soweit ein versuchtes Tötungsdelikt nach §§ 211, 22, 23 StGB zu prüfen ist, muss bezüglich des Tatentschlusses der Angeklagten darauf abgestellt werden, ob die Täter bei Eintritt des Tötungsdelikts in das Versuchsstadium davon ausgingen, gegen ein arglosigkeitsbedingt wehrloses Opfer vorzugehen.

Darüber hinaus wird für die Frage einer objektiv bestehenden arglosigkeitsbedingten Wehrlosigkeit ein falscher rechtlicher Maßstab angelegt, wenn darauf abgestellt wird, dass das Opfer im weiteren Verlauf der Tat noch zu Gegenwehr imstande war.

Daher muss bei einem versuchten Tötungsdelikt der Zeitpunkt des Entstehens des Tötungsvorsatzes unter Erörterung der oben genannten Umstände klar festgelegt werden, um darauf aufbauend die Frage eines heimtückischen Handelns in dem festgestellten Zeitpunkt zu beantworten.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 16. Februar 2016 – 5 StR 465/15

  1. vgl. BGH, Urteile vom 04.07.1984 – 3 StR 199/84, BGHSt 32, 382, 383 f.; vom 09.01.1991 – 3 StR 205/90, NJW 1991, 1963; vom 29.04.2009 – 2 StR 470/08, NStZ 2009, 569
  2. vgl. BGH, Urteil vom 11.10.2005 – 1 StR 250/05, NStZ 2006, 96; MünchKomm-StGB/Schneider, 2. Aufl., § 211 Rn. 174 mwN

 
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