Kindesmissbrauch und sexuelle Nötigung – unter Ausnutzung einer schutzlosen Lage

30. Mai 2016 | Strafrecht
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Für eine Anwendung des § 177 Abs. 1 Nr. 3 StGB reicht es nicht aus, dass der Täter die Abwesenheit schutzbereiter Dritter, also der Mutter des Kindes und deren Schwester, zur Verwirklichung der Tat ausnutzte.

Aus dem bloßen Alleinsein von Täter und kindlichem Opfer, das aufgrund seiner konstitutionellen Lage keinen Widerstand leisten kann, kann sich daher nicht schon eine schutzlose Lage im Sinne von § 177 Abs. 1 Nr. 3 StGB ergeben1.

Vielmehr ist zur Erfüllung dieses Tatbestands erforderlich, dass die sexuellen Handlungen gegen den Willen des Opfers geschehen und das Opfer keinen Widerstand leistet, weil es dies aufgrund seiner schutzlosen Lage für aussichtslos hält2.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 30. März 2016 – 2 StR 405/15

  1. vgl. Fischer, StGB § 177 Rn. 29; MünchKomm-BGB/Renzikowski, StGB, 2. Aufl., § 177 Rn. 50
  2. vgl. BGH, Urteil vom 25.01.2006 – 2 StR 345/05; BGHSt 50, 359, 366; Beschluss vom 24.02.2015 – 5 StR 12/15, BGHR StGB § 176a Abs. 3 Konkurrenzen 1; Fischer, StGB § 177 Rn. 40

 
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