Mehrere Körperverletzungshandlungen – und die natürliche Handlungseinheit

29. August 2016 | Strafrecht
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Eine natürliche Handlungseinheit setzt voraus, dass zwischen mehreren strafrechtlich erheblichen Verhaltensweisen, die von einem einheitlichen Willen getragen werden, ein unmittelbarer räumlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht und das gesamte Tätigwerden bei natürlicher Betrachtungsweise auch für einen “objektiven” Dritten als ein einheitliches Tun erscheint1.

Bei wiederholter (iterativer) Verwirklichung des gleichen Tatbestandes und damit einhergehender Steigerung der Intensität der Rechtsgutsverletzung liegt eine natürliche Handlungseinheit auch dann vor, wenn die verschiedenen Handlungen im natürlichen Sinne auf die Verwirklichung desselben Tatbestandstypus, also unter Einschluss von Qualifikationen, gerichtet sind2.

Die Verwirklichung des Qualifikationsmerkmals aus § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB erst durch die (letzten) Tritte gegen den Kopf des am Boden liegenden Nebenklägers steht der Verurteilung wegen einer einheitlichen Tat der gefährlichen Körperverletzung gemäß § 224 Abs. 1 Nr. 2 und Nr. 5 StGB damit nicht entgegen.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 13. Juli 2016 – 1 StR 128/16

  1. st. Rspr.; siehe nur BGH, Urteile vom 28.02.2012 – 1 StR 427/11, NStZ-RR 2012, 241, 242 f.; vom 30.01.1991 – 2 StR 321/90, BGHR StGB § 1 Entschluss, einheitlicher 4; und vom 25.09.1997 – 1 StR 481/97, NStZ-RR 1998, 68, 69
  2. v. Heintschel-Heinegg in Münchener Kommentar zum StGB, 2. Aufl., § 52 Rn. 56 mwN

 
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