Sukzessive Mittäterschaft – und das Einverständnis mit der Gesamttat

25. Mai 2016 | Strafrecht
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Zwar kann einem Mittäter das Handeln eines anderen Mittäters, das über das gemeinsam Gewollte hinausgeht, nicht zugerechnet werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Zurechnung keine ins Einzelne gehende Vorstellung von den Handlungen des anderen Tatbeteiligten erfordert.

Regelmäßig werden die Handlungen des anderen Tatbeteiligten, mit denen nach den Umständen des Falles gerechnet werden musste; vom Willen des Mittäters umfasst, auch wenn er sie sich nicht besonders vorgestellt hat. Ebenso ist er für jede Ausführungsart einer von ihm gebilligten Straftat verantwortlich, wenn er mit der Handlungsweise seines Tatgenossen einverstanden oder sie ihm zumindest gleichgültig war1.

Sukzessive Mittäterschaft kommt in Betracht, wenn ein Täter in Kenntnis und mit Billigung des bisher Geschehenen – selbst bei Abweichungen vom ursprünglichen Tatplan in wesentlichen Punkten – in eine bereits begonnene Ausführungshandlung eintritt und er sich mit dem anderen vor Beendigung der Tat zu gemeinschaftlicher weiterer Ausführung verbindet.

Sein Einverständnis bezieht sich dann auf die Gesamttat mit der Folge, dass ihm die gesamte Tat zugerechnet werden kann2.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 28. April 2016 – 4 StR 563/15

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteile vom 05.08.2010 – 3 StR 210/10; vom 26.04.2012 – 4 StR 51/12, NStZ 2012, 563; vom 19.03.2013 – 5 StR 575/12, NStZ 2013, 400
  2. vgl. BGH, Beschlüsse vom 18.12 2007 – 1 StR 301/07, NStZ 2008, 280, 281; vom 14.02.2012 – 3 StR 446/11, NStZ 2012, 379, 380; vom 22.05.2013 – 2 StR 14/13, NStZ-RR 2014, 73; Urteil vom 14.01.2016 – 4 StR 72/15, NStZ 2016, 211, 214 Rn.20

 
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