Vergewaltigung – und die womöglich verminderten „Hemmschwelle“

20. Mai 2016 | Strafrecht
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Die Nichtanwendung des Strafrahmens des § 177 Abs. 2 Satz 1 StGB trotz Erfüllung eines Regelbeispiels nach § 177 Abs. 2 Satz 2 StGB begegnet nur dann keinen rechtlichen Bedenken, wenn nach einer Gesamtwürdigung der relevanten Strafzumessungstatsachen gewichtige Milderungsgründe hierfür streiten1.

Dies hat das Landgericht verkannt, indem es der durch die Verwirklichung des § 177 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 StGB begründeten Regelwirkung lediglich die Erwägung zu einer womöglich verminderten “Hemmschwelle” des Angeklagten gegenübergestellt hat. Es bestehen schon Bedenken, ob dieser Gesichtspunkt für sich genommen eine ausschlaggebende Entlastung des Angeklagten begründen könnte. Das bedarf jedoch keiner Entscheidung, weil die Tat ausweislich der Äußerung des Angeklagten, die Nebenklägerin “verdiene” die Vergewaltigung, Bestrafungscharakter aufweist. Bereits dies schließt es aus, früher gepflogene, von der Nebenklägerin überdies stets abgelehnte Sexualpraktiken strafmildernd in Ansatz zu bringen2.

Darüber hinaus hat das Landgericht die weiteren den Angeklagten schwer belastenden Umstände (gewichtige Gewaltausübung, besondere Demütigung der Nebenklägerin, Durchführung des Analverkehrs bis zum Samenerguss, Traumatisierung der Nebenklägerin) nicht wie geboten im Rahmen einer Gesamtbetrachtung gewürdigt.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 20. April 2016 – 5 StR 37/16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 25.03.1998 – 1 StR 116/98, NStZ-RR 1998, 299; Urteil vom 25.02.2009 – 2 StR 554/08, NStZ-RR 2009, 203
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 10.07.2007 – 3 StR 242/07, BGHR StGB § 177 Abs. 2 Strafrahmenwahl 19

 
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