Das Urlaubsbild im Internet

27. Juni 2016 | Im Blickpunkt, Wirtschaftsrecht
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Es ist Sommer geworden und die Reisewelle hat begonnen. Innerhalb der nächsten 3 Monate werden viele Bürger ihren wohlverdienten Urlaub antreten. Je nach Vorliebe wird die Zeit am Meer oder in den Bergen verbracht und Aktivurlaub oder Städtetouren bevorzugt. Ein Teil genießt die freie Zeit im eigenen Land, andere reisen ins Ausland. Doch alle fertigen zur Erinnerung eine Unmenge von Fotos: Sehenswürdigkeiten, berühmte Persönlichkeiten, Landschaftsaufnahmen oder auch die typischen Strandfotos. Aber darf man alle Objekte und jede Person fotografieren und die Bilder veröffentlichen?

Oftmals kann das Persönlichkeitsrecht und das Recht am eigenen Bild dem entgegenstehen. Schnell ist mit dem Handy z. B. der Promi am Strand festgehalten und in einem sozialen Netzwerk gepostet. Bezüglich der Veröffentlichung ist weder der Promi noch die im Hintergrund befindliche Person gefragt worden. Handelt es sich um eine Urheberrechtsverletzung, kann es mit der Urlaubserholung dahin sein, wenn ein Anspruch auf Entschädigung geltend gemacht wird. So hat das Oberlandesgericht Karlsruhe im Fall einer Presseveröffentlichung entschieden, dass die zufällig neben einem Promi abgebildete Frau im Bikini in ihrem Recht am eigenen Bild nach § 22 KunstUrhG verletzt worden ist und die beklagte Verlegerin die Veröffentlichung des Bildes zu unterlassen hat. Allerdings wurde der Anspruch auf Entschädigung vom Oberlandesgericht verneint. Auch wenn die Veröffentlichung einer Abbildung des Promis zulässig ist, lässt sich das öffentliche Interesse an der unbeteiligten Frau nicht begründen, da sie in keinerlei Beziehung zu dem Promi gestanden hat1.

Ebenso kann das Einstellen eines im Internet entdeckten Videos auf der eigenen Homepage schnell zu einer Urheberrechtsverletzung führen, wie der Bundesgerichtshof in seiner “Framing”-Entscheidung2 bestätigt hat. Auch wenn das Youtube-Video noch so süß ist: auf ihre eigene Seite sollten Sie es nicht ohne Erlaubnis des Urhebers einstellen – auch nicht auf Ihrer Facebook-Seite!

Ein weiteres Urheberrechtsproblem stellt sich, wenn öffentliche Gebäude und Sehenswürdigkeiten fotografiert und im Internet veröffentlicht werden. In der Bundesrepublik schützt die sogenannte Panoramafreiheit in diesen Fällen vor eventuellen Schadensersatzansprüchen. Nach § 59 UrhG ist es zulässig, u.a. durch Lichtbild oder Film Werke zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden. Das gilt bei Bauwerken nur für die äußere Ansicht. So macht das Selfi mit dem Kölner Dom oder der Hamburger Michel mit Familie im Internet keine Schwierigkeiten.

Problematischer könnte es allerdings werden, wenn der Fußballfan aktuell zur Europameisterschaft nach Frankreich reist und stolz ein Selfi im Trikot der deutschen Mannschaft mit dem Eiffelturm im Hintergrund postet. In Frankreich schränkt keine Panoramafreiheit das Urheberrecht ein. Vielmehr wird hier das Urheberrecht zeitlich begrenzt. Ist der Erfinder bzw. Erbauer gestorben, erlischt 70 Jahre später das Urheberrecht. Da Herr Eiffel im Jahr 1923 starb, existiert heute kein Urheberrecht mehr. Die wesentlich jüngere (1980er Jahre) Beleuchtung am Eiffelturm gilt als eigenständiges Kunstwerk. Hier kommt das Urheberrecht noch zum Tragen. Der beleuchtete nächtliche Eiffelturm ist daher – anders als dies in Deutschland der Fall wäre – urheberrechtlich geschützt.

  1. OLG Karlsruhe, Urteil vom 14.05.2014 – 6 U 55/13
  2. BGH, Urteil vom 09.07.2015 – I ZR 46/12

 
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