SchlichtungsÂstelÂle der RechtsÂanÂwaltÂschaft
BunÂdesÂtag macht Weg frei für neue „OmÂbudsÂstelÂle“ der RechtsÂanÂwaltÂschaft
BerÂlin, 19. Juni 2009
Der DeutÂsche BunÂdesÂtag hat gesÂtern naÂheÂzu einÂstimÂmig (548 von 549 StimÂmen) den EinÂspruch des BunÂdesÂraÂtes gegen das GeÂsetz zur MoÂderÂniÂsieÂrung von VerÂfahÂren im anÂwaltÂliÂchen und noÂtaÂriÂelÂlen BeÂrufsÂrecht überÂstimmt. Damit ist endÂgülÂtig der Weg frei für die ErÂrichÂtung einer unÂabÂhänÂgiÂgen, bunÂdesÂweit täÂtiÂgen “SchlichÂtungsÂstelÂle der RechtsÂanÂwaltÂschaft”.
Die NeuÂreÂgeÂlung oriÂenÂtiert sich an dem VorÂbild anÂdeÂrer erÂfolgÂreiÂcher “OmÂbudsÂstelÂlen” wie etwa bei BanÂken oder VerÂsiÂcheÂrunÂgen. Die SchlichÂtungsÂstelÂle der RechtsÂanÂwaltÂschaft wird bei der BunÂdesÂrechtsÂanÂwaltsÂkamÂmer anÂgeÂsieÂdelt werÂden. Ihre UnÂabÂhänÂgigÂkeit von der AnÂwaltÂschaft wird durch die geÂsetzÂliÂchen AnÂforÂdeÂrunÂgen an die PerÂson des SchlichÂters und durch die vorÂgeÂschrieÂbeÂne BeÂteiÂliÂgung eines BeiÂrats siÂcherÂgeÂstellt. Dem BeiÂrat, der bei der ErÂnenÂnung des SchlichÂters und dem ErÂlass der SchlichÂtungsÂordÂnung mitÂwirkt, müsÂsen neben VerÂtreÂtern der RechtsÂanÂwaltÂschaft minÂdesÂtens paÂriÂtäÂtisch auch VerÂtreÂter der VerÂbrauÂcherÂverÂbänÂde und anÂdeÂrer EinÂrichÂtunÂgen (VerÂbänÂde der WirtÂschaft, des HandÂwerks oder der VerÂsiÂcheÂrunÂgen) anÂgeÂhöÂren.
Der TäÂtigÂkeitsÂbeÂreich der SchlichÂtungsÂstelÂle der RechtsÂanÂwaltÂschaft wird sich auf alle ziÂvil-?rechtÂliÂchen StreiÂtigÂkeiÂten wie beiÂspielsÂweiÂse über die Höhe der AnÂwaltsÂverÂgüÂtung (HoÂnoÂrarÂstreiÂtigÂkeiÂten) oder über HafÂtungsÂanÂsprüÂche des ManÂdanÂten gegen den AnÂwalt (AnÂwaltsÂhafÂtung) erÂstreÂcken.
Die TeilÂnahÂme am SchlichÂtungsÂverÂfahÂren, desÂsen DurchÂfühÂrung soÂwohl der RechtsÂanÂwalt als auch der ManÂdant beÂanÂtraÂgen könÂnen, ist für beide SeiÂten freiÂwilÂlig.
Der BunÂdesÂrat hatte EinÂspruch einÂgeÂlegt, weil er mit einer anÂdeÂren ReÂgeÂlung des GeÂsetÂzesÂvorÂhaÂbens nicht einÂverÂstanÂden war. Dabei geht es um eine ErÂgänÂzung der VerÂgüÂtung des VerÂfahÂrensÂbeiÂstands in KindÂschaftsÂsaÂchen. AufÂgaÂbe des VerÂfahÂrensÂbeiÂstands ist es, die InÂterÂesÂsen des KinÂdes im geÂrichtÂliÂchen VerÂfahÂren zu verÂtreÂten und das Kind über den AbÂlauf des VerÂfahÂrens und die MögÂlichÂkeiÂten der EinÂflussÂnahÂme zu inÂforÂmieÂren. Auf AnÂordÂnung des GeÂrichts kann der VerÂfahÂrensÂbeiÂstand eine akÂtiÂve Rolle überÂnehÂmen und zu einer einÂverÂnehmÂliÂchen BeiÂleÂgung des KonÂflikts – etwa durch GeÂspräÂche mit den ElÂtern – beiÂtraÂgen. Nach der nun beÂschlosÂseÂnen ÄnÂdeÂrung erÂhält der VerÂfahÂrensÂbeiÂstand seine als FallÂpauÂschaÂle ausÂgeÂstalÂteÂte VerÂgüÂtung nochÂmals, wenn er nach EinÂleÂgung eines RechtsÂmitÂtels seine AufÂgaÂben erÂneut wahrÂnimmt.
Mit der ZuÂrückÂweiÂsung des EinÂspruchs des BunÂdesÂraÂtes kann die NeuÂreÂgeÂlung nunÂmehr zum 1. SepÂtemÂber 2009 in Kraft treÂten.
AuÂßerÂdem kann nunÂmehr beÂreits am Tag nach der VerÂkünÂdung des GeÂsetÂzes auch die für RechtsÂanÂwälÂte und GeÂrichÂte beÂdeutÂsaÂme ÄnÂdeÂrung des anÂwaltÂliÂchen VerÂgüÂtungsÂrechts in Kraft treÂten. Mit dem neuen § 15a RechtsÂanÂwaltsÂverÂgüÂtungsÂgeÂsetz beÂseiÂtigt der GeÂsetzÂgeÂber die ProÂbleÂme, die in der PraÂxis aufÂgrund von EntÂscheiÂdunÂgen des BunÂdesÂgeÂrichtsÂhofs zur AnÂrechÂnung der anÂwaltÂliÂchen GeÂschäftsÂgeÂbühr auf die VerÂfahÂrensÂgeÂbühr aufÂgeÂtreÂten sind. Zur ErÂläuÂteÂrung: Die GeÂschäftsÂgeÂbühr entÂsteht für die auÂßerÂgeÂrichtÂliÂche VerÂtreÂtung des ManÂdanÂten, die VerÂfahÂrensÂgeÂbühr für die VerÂtreÂtung des ManÂdanÂten im ProÂzess. Hat der RechtsÂanÂwalt den ManÂdanÂten in einem StreitÂfall beÂreits auÂßerÂgeÂrichtÂlich verÂtreÂten, muss er sich einen Teil der GeÂschäftsÂgeÂbühr auf die VerÂfahÂrensÂgeÂbühr anÂrechÂnen lasÂsen. Der Grund: Er hat sich durch die vorÂgeÂrichtÂliÂche TäÂtigÂkeit beÂreits in den Fall einÂgeÂarÂbeiÂtet. GeÂwinnt der ManÂdant den ProÂzess, kann er von seiÂnem GegÂner stets volle ErÂstatÂtung der ProÂzessÂkosÂten, aber nur unter beÂsonÂdeÂren VorÂausÂsetÂzunÂgen ErÂstatÂtung der auÂßerÂgeÂrichtÂliÂchen KosÂten verÂlanÂgen.
In mehÂreÂren vielÂbeÂachÂteÂten EntÂscheiÂdunÂgen hat der BunÂdesÂgeÂrichtsÂhof die AufÂfasÂsung verÂtreÂten, dass die VerÂfahÂrensÂgeÂbühr nur zu den ProÂzessÂkosÂten zählt, soÂweit sie nicht durch die AnÂrechÂnung einer vorÂgeÂrichtÂliÂchen GeÂschäftsÂgeÂbühr geÂtilgt worÂden ist. Damit steht der ManÂdant schlechÂter, wenn er vorÂgeÂrichtÂlich einen RechtsÂanÂwalt einÂgeÂschalÂtet hat, als wenn er ihn soÂgleich mit der ProÂzessÂverÂtreÂtung beÂaufÂtragt hätte. Das VerÂgüÂtungsÂrecht beÂhinÂdert daher die vorÂgeÂrichtÂliÂche StreiÂterÂleÂdiÂgung durch RechtsÂanÂwälÂte. Durch das neue GeÂsetz wird die WirÂkung der AnÂrechÂnung soÂwohl im InÂnenÂverÂhältÂnis zwiÂschen AnÂwalt und ManÂdant als auch geÂgenÂüber DritÂten, also insÂbeÂsonÂdeÂre im geÂrichtÂliÂchen KosÂtenÂfestÂsetÂzungsÂverÂfahÂren, nunÂmehr ausÂdrückÂlich geÂreÂgelt. InsÂbeÂsonÂdeÂre ist klarÂgeÂstellt, dass sich die AnÂrechÂnung im VerÂhältÂnis zu DritÂten grundÂsätzÂlich nicht ausÂwirkt. In der KosÂtenÂfestÂsetÂzung muss also etwa eine VerÂfahÂrensÂgeÂbühr auch dann in volÂler Höhe festÂgeÂsetzt werÂden, wenn eine GeÂschäftsÂgeÂbühr entÂstanÂden ist, die auf sie anÂgeÂrechÂnet wird. SiÂcherÂgeÂstellt wird jeÂdoch, dass ein DritÂter nicht über den BeÂtrag hinÂaus auf ErÂsatz oder ErÂstatÂtung in AnÂspruch geÂnomÂmen werÂden kann, den der RechtsÂanÂwalt von seiÂnem ManÂdanÂten verÂlanÂgen kann.




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