Bestreiten mit Nichtwissen

2. Juni 2016 | Zivilrecht
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Ein Bestreiten mit Nichtwissen – also die Einlassung, die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Behauptungen des Klägers nicht zu kennen1 – ist nach § 138 Abs. 4 ZPO nur zulässig, wenn die betroffenen Tatsachen weder eigene Handlungen der Partei noch Gegenstand ihrer eigenen Wahrnehmung gewesen sind.

Andernfalls tritt wiederum die Geständniswirkung des § 138 Abs. 3 ZPO ein2.

Vorgänge im eigenen Geschäfts- oder Verantwortungsbereich werden den eigenen Handlungen oder Wahrnehmungen im Sinne des § 138 Abs. 4 ZPO gleichgestellt, weil andernfalls eine Partei sich durch arbeitsteilige Organisation ihren prozessualen Erklärungspflichten entziehen könnte3. Die Partei hat eine Erkundigungspflicht, sofern die maßgebenden Tatsachen Personen bekannt sind, die unter ihrer Anleitung, Aufsicht oder Verantwortung tätig geworden sind4.

Die Anforderungen an die Erkundigungspflicht dürfen allerdings nicht überspannt werden5. Einer Partei darf nur eine zumutbare Informationspflicht auferlegt werden6.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 12. November 2015 – I ZR 167/14

  1. vgl. Hk-ZPO/Woestmann, 6. Aufl. § 138 Rn. 7
  2. vgl. Leipold in Stein/Jonas, ZPO, 22. Aufl., § 138 Rn. 49
  3. Zöller/Greger aaO § 138 Rn. 16
  4. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 19.04.2001 – I ZR 238/98, GRUR 2002, 190, 191 = WRP 2001, 1328 – DIE PROFIS; Urteil vom 02.07.2009 – III ZR 333/08, NJW-RR 2009, 1666 Rn. 16
  5. vgl. BGH, Urteil vom 21.03.1996 – IX ZR 240/95, NJW 1996, 1954, 1957 [insoweit nicht in BGHZ 132, 229 abgedruckt]; Urteil vom 15.11.1989 – VIII ZR 46/89, BGHZ 109, 205, 209 f.
  6. vgl. [zu den Anforderungen an substantiiertes Bestreiten im Sinne des § 138 Abs. 2 ZPO] BGH, Urteil vom 07.12 1998 – II ZR 266/97, NJW 1999, 579, 580; Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann, ZPO, 74. Aufl., § 138 Rn. 53; Zimmermann, ZPO, 9. Auf., § 138 Rn. 10

 
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