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Routenänderung auf der Kreuzfahrt

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29. März 2010 | Zivilrecht

Routenänderungen einer geplanten Seereise sind nur dann zulässig, wenn die Gründe hierfür nach Vertragsschluss eintreten. Entfallen bei einer Kreuzfahrt von acht vorgesehenen Anlaufhäfen drei ist hierfür nach einem rechtskräftigen Urteil des Amtsgerichts München eine Minderungsquote von 25% angemessen.

In dem jetzt vom Amtsgericht München buchte ein Ehepaar zu einem Reisepreis von 5.271 € für Anfang März 2009 eine dreiwöchige Kreuzfahrt, die von Durban in Südafrika über Sansibar, Mombasa, Port Victoria, Safaga, Soukhna und durch den Suezkanal nach Messina, Neapel und Genua führen sollte.

Nachdem die Reisenden in Durban eingetroffen und bereits eingeschifft waren, wurde ihnen eröffnet, dass wegen möglicher Piratenattacken im Bereich der somalischen Küste im Golf von Aden die Route verändert würde. Es entfielen die Anlaufstationen Sansibar mit dem sechsstündigen Aufenthalt, Safaga und Soukhna mit jeweils geplanten elfstündigen Aufenthalten. Hinzu kam dafür ein zusätzlicher fünfstündiger Aufenthalt im Hafen von Sharm El Sheik.

Das Ehepaar war hiermit nicht einverstanden und verlangte vom Reiseveranstalter eine fünfzigprozentige Minderung des Reisepreises. Der Reiseveranstalter verweigerte dies jedoch mit der Begründung, dass die Änderung nicht wesentlich und auf Grund der Gefahrenlage auch notwendig gewesen sei. Routenänderungen seien nach ihren Geschäftsbedingungen auch zulässig. Beim Amtsgericht München erhielt das reisende Ehepaar nur teilweise Recht:

Die Routenänderung stelle einen Mangel dar, so das Amtsgericht München, da eine wesentliche Änderung an dem Reiseverlauf vorgenommen worden sei. Von den vorgesehenen acht Häfen seien drei entfallen. Der Ersatzhafen habe eine wesentlich kürzere Anlaufzeit gehabt. Diese Änderung sei von den Klägern auch nicht deswegen hinzunehmen, weil der Reiseveranstalter sich eine solche in den Geschäftsbedingungen vorbehalten habe. Eine solche Umstellung sei nämlich nur zulässig, wenn die Gründe dafür nach Vertragsabschluss einträten. Bei der Buchungsbestätigung im Februar sei die Gefahr durch Piratenangriffe aber bereits bekannt gewesen. Verkaufe ein Reiseunternehmen eine Reise trotz bereits bestehendem Sicherheitsrisiko, müsse sie das Anfahren entweder trotzdem ermöglichen, etwa durch bewaffnete Patrouillenboote, oder es hinnehmen, dass die Reisenden Minderungsrechte wahrnehmen.

Als Minderungsquote sind nach Ansicht des Amtsgerichts München allerdings nur 25% angemessen. Hierbei sei zum einen zu berücksichtigen, dass wesentliche Teile der Reise nicht betroffen waren, da die meisten Reisetage sowieso auf See stattfänden. Auch die Verpflegung und die Unterbringung an Bord seien nicht beeinträchtigt gewesen. Andererseits seien gerade Häfen die Höhepunkte einer Kreuzfahrt. Das Reiseunternehmen selbst beschreibe die Reise als Entdeckungsreise zu drei Kontinenten, auf welcher man Afrika erkunde, auf die alten Ägypter treffe und traumhafte Inselparadiese erlebe. Durch die Routenänderung reduziere sich das Treffen mit den alten Ägyptern von zwei elfstündigen Aufenthalten auf einen fünfstündigen Aufenthalt. Durch den Wegfall von Sansibar entfalle ein Land ganz. Zwar seien rein rechnerisch nur 28 Stunden der Reisezeit entfallen, aber auch gerade die Stunden, welche das Wesen der Transatlantikkreuzfahrt als Entdeckungsreise bestimmen. In der Gesamtschau sei daher eine Minderung um 25% angemessen, wobei dafür der Gesamtreisepreis maßgebend sei.

Amtsgericht München, Urteil vom 14. Januar 2010 – 281 C 31292/09 (rechtskräftig)

 

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