Abfall im Wald

Wald­ei­gen­tü­mer und Wald­be­sit­zer sind, wie sich aus einem Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter ergibt, für die Ent­sor­gung von Abfall, den ande­re im Wald able­gen, nicht ver­ant­wort­lich.

Abfall im Wald

Im März 2002 wur­den in einem Wald im Mär­ki­schen Kreis Schlacht­ab­fäl­le und 35 Kör­per­vier­tel von Hüh­nern gefun­den. Unbe­kann­te hat­ten die­se Tier­ab­fäl­le in einem Plas­tik­sack ver­packt dort abge­legt. Der Land­rat des Mär­ki­schen Krei­ses (Beklag­ter) for­der­te den Eigen­tü­mer des Wal­des (Klä­ger) auf, eine Ent­sor­gungs­fir­ma mit der Besei­ti­gung der Tier­kör­per­tei­le zu beauf­tra­gen und die Tier­kör­per­tei­le bis zur Abho­lung durch die Ent­sor­gungs­fir­ma sach­ge­recht zu ver­wah­ren. Weil der Klä­ger die­ser Ord­nungs­ver­fü­gung nicht nach­kam, ließ der Beklag­te die Tier­ab­fäl­le im Wege der Ersatz­vor­nah­me zunächst durch die Stadt Lüden­scheid ver­wah­ren und sodann von einer Besei­ti­gungs­fir­ma besei­ti­gen. Dafür for­der­te er spä­ter vom Klä­ger Ersatz der ent­stan­de­nen Kos­ten von 200,24 EUR. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren erhob der Klä­ger Kla­ge beim Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, das sei­ner Kla­ge im Wesent­li­chen statt­gab. Dage­gen leg­te der Beklag­te Beru­fung ein, die das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nun­mehr mit dem o. g. Urteil zurück­ge­wie­sen hat.

Zur Begrün­dung hat es aus­ge­führt: Nach dem Tier­kör­per­be­sei­ti­gungs­recht habe der Besit­zer eines Grund­stücks, auf dem frem­de oder her­ren­lo­se Tier­kör­per anfal­len, ledig­lich die Pflicht, dies der zustän­di­gen Tier­kör­per­be­sei­ti­gungs­an­stalt oder dem Besei­ti­gungs­pflich­ti­gen zu mel­den. Dar­über hin­aus sei jeden­falls der Wald­ei­gen­tü­mer und Wald­be­sit­zer nicht ver­pflich­tet, die Tier­kör­per zu ver­wah­ren und für ihre Besei­ti­gung zu sor­gen. Der Wald­ei­gen­tü­mer und Wald­be­sit­zer habe näm­lich nicht die erfor­der­li­che tat­säch­li­che Gewalt über die im Wald lagern­den Abfäl­le. Denn er kön­ne mit Rück­sicht auf das Wald­be­tre­tungs­recht der All­ge­mein­heit sein Grund­stück weder recht­lich noch tat­säch­lich dem Zutritt der All­ge­mein­heit ent­zie­hen. Wenn die Rechts­ord­nung einem Grundstückseigentümer/​Grundstücksbesitzer im All­ge­mein­in­ter­es­se die Last der frei­en Zugäng­lich­keit sei­nes Grund­stücks auf­er­le­ge, müs­se die All­ge­mein­heit auch für die Besei­ti­gung des Abfalls sor­gen, der infol­ge des Wald­be­tre­tungs­rechts im Wald anfal­le. Dem­entspre­chend sehe das Lan­des­forst­ge­setz vor, dass Abfäl­le im Wald auf Kos­ten des Lan­des durch die Forst­be­hör­de oder auf deren Ver­an­las­sung ein­ge­sam­melt und den ein­samm­lungs­pflich­ti­gen Ent­sor­gungs­trä­gern über­ge­ben wer­den.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht zuge­las­sen. Dage­gen ist die Beschwer­de zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mög­lich.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 13. Juni 2006 – 13 A 632/​04