Andy, der Hairsty­list und der Mobil­funk-Anbie­ter

Das Land­ge­richt Ham­burg hat die Kla­ge eines bekann­ten Sty­lis­ten abge­wie­sen, der einem Mobil­funk­un­ter­neh­men gericht­lich ver­bie­ten las­sen woll­te, sei­ne Per­son für Wer­be­zwe­cke zu ver­ein­nah­men.

Andy, der Hairsty­list und der Mobil­funk-Anbie­ter

Der Klä­ger arbei­tet als Sty­list in der Kos­me­tik­bran­che und beglei­te­te meh­re­re Staf­feln des Fern­seh­for­mats „Germany’s next Top­mo­del“ als „Hair & Make­up Artist“.

Die Beklag­te betreibt ein Mobil­funk­un­ter­neh­men. Sie führ­te 2010 eine Wer­be­kam­pa­gne durch, deren zen­tra­les Ele­ment die Kunst­fi­gur „Andy“ war, die von einem Schau­spie­ler ver­kör­pert wur­de. Die Wer­be­fil­me der Beklag­ten waren über­wie­gend so struk­tu­riert, dass „Andy“ zunächst in einem bestimm­ten „Style“ auf­trat, z.B. als „Rap­per“, „Hip­pie“, „Emo“ oder „Fun­ken­ma­rie­chen“. Im Ver­lauf des Spots leg­te er Tei­le sei­ner Ver­klei­dung ab und teil­te dem Zuschau­er mit, er wol­le sei­nen „Style“ wech­seln. Auch dem Zuschau­er schlug „Andy“ einen Wech­sel vor, näm­lich zum Mobil­funk­an­ge­bot der Beklag­ten.

Der Klä­ger meint, er sei von der Beklag­ten in unzu­läs­si­ger Wei­se zu Wer­be­zwe­cken ver­ein­nahmt wor­den, da ihm die Kunst­fi­gur „Andy“ zum Ver­wech­seln ähn­lich sehe. Nicht nur sei­ne äuße­ren Merk­ma­le, son­dern auch Stim­me, Arti­ku­la­ti­on, Ges­tik und Kör­per­be­we­gung wür­den durch „Andy“ kopiert. Selbst sei­ne Eltern hät­ten „Andy“ nicht von ihrem Sohn unter­schei­den kön­nen. Mit sei­ner Kla­ge woll­te der Klä­ger zum einen errei­chen, dass der Beklag­ten ver­bo­ten wird, ihre Pro­duk­te auf die dar­ge­stell­te Wei­se zu bewer­ben. Außer­dem ging es ihm dar­um, von der Beklag­ten Lizenz­zah­lun­gen dafür zu erhal­ten, dass sie sei­ne Bekannt­heit für Wer­be­zwe­cke genutzt habe.

Die Pres­se­kam­mer des Land­ge­richts wies die Kla­ge jedoch mit der Begrün­dung ab, die Beklag­te habe nicht den Ein­druck erweckt, bei dem Dar­stel­ler in der Wer­bung han­de­le es sich um den Klä­ger. Die Beklag­te habe sich ledig­lich eines „Typus“, näm­lich des­je­ni­gen eines gut­aus­se­hen­den jun­gen Man­nes mit dunk­len Locken und „Drei­ta­ge­bart“ bedient, der aber nicht allein vom Klä­ger ver­kör­pert wer­de und an dem die­ser kei­ne Rech­te inne­ha­be.

Zwar bestehe zwi­schen dem Klä­ger und der Kunst­fi­gur „Andy“ eine deut­li­che Ähn­lich­keit. Die­se sei aber nicht der­art prä­gnant aus­ge­prägt, dass von einem ech­ten Dop­pel­gän­ger die Rede sein kön­ne. Auch wenn das The­ma „(Um-)Stylen“ zur Kern­kom­pe­tenz des Klä­gers gehö­re, füh­re dies nicht dazu, dass der Zuschau­er den­ken müs­se, der Klä­ger tre­te in der Wer­bung der Beklag­ten auf.

In den Wer­be­spots wer­de „Andy“ nicht als Sty­list vor­ge­stellt. Viel­mehr gehe es bei sei­nen „Styles“ eher um Ver­klei­dun­gen, denen ein humo­ris­ti­sches Ele­ment inne­woh­ne, von dem der Klä­ger nicht vor­ge­tra­gen habe, dass dies mit ihm asso­zi­iert wer­de. Es sei aus­ge­schlos­sen, dass ein Zuschau­er die Wer­bung in der Wei­se ver­ste­he, dass der Klä­ger, des­sen Name in der Wer­bung an kei­ner Stel­le auf­tau­che, das Pro­dukt der Beklag­ten emp­feh­le. Aus die­sem Grund kön­ne der Klä­ger auch kei­ne Lizenz­zah­lun­gen ver­lan­gen.

Land­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 11. August 2011 – 324 O 134/​11