Anfech­tung einer gemisch­ten Kos­ten­ent­schei­dung

Mit der Revi­si­on oder Anschluss­re­vi­si­on kann eine gemisch­te Kos­ten­ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts nach § 91a ZPO nicht mit der Begrün­dung ange­foch­ten wer­den, das Beru­fungs­ge­richt habe die Kos­ten­re­ge­lung eines zwi­schen den Par­tei­en abge­schlos­se­nen Ver­gleichs ver­kannt.

Anfech­tung einer gemisch­ten Kos­ten­ent­schei­dung

Bei einer unbe­schränkt zuge­las­se­nen Revi­si­on ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs neben der Anfech­tung der Haupt­sa­che­ent­schei­dung die Anfech­tung einer gemisch­ten Kos­ten­ent­schei­dung nach § 91a ZPO in der Revi­si­ons­in­stanz zwar nicht grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen. Sie kann hin­sicht­lich des auf § 91a ZPO beru­hen­den Teils der Kos­ten­ent­schei­dung aber nur dar­auf gestützt wer­den, dass das Beru­fungs­ge­richt die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Bestim­mung ver­kannt hat [1]. Dadurch soll aus­ge­schlos­sen wer­den, dass im Rah­men der Über­prü­fung der Kos­ten­ent­schei­dung nach § 91a ZPO über Rechts­fra­gen von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung ent­schie­den wird. Aus mate­ri­ell­recht­li­chen Grün­den darf des­halb eine Rechts­be­schwer­de gegen eine iso­lier­te Kos­ten­ent­schei­dung nach § 91a ZPO nicht zuge­las­sen wer­den [2]. Ent­spre­chend kön­nen mate­ri­ell­recht­li­che Fra­gen auch nicht mit der unbe­schränkt zuge­las­se­nen Revi­si­on im Rah­men der gemisch­ten Kos­ten­ent­schei­dung nach § 91a ZPO zur Über­prü­fung gestellt wer­den. Glei­ches gilt für die Anschluss­re­vi­si­on, mit der der Par­tei kei­ne wei­ter­ge­hen­de Anfech­tungs­mög­lich­keit eröff­net wird als mit einer zuge­las­se­nen Revi­si­on.

Die Anschluss­re­vi­si­on macht gel­tend, das Beru­fungs­ge­richt habe die Kos­ten­re­ge­lung des zwi­schen den Par­tei­en abge­schlos­se­nen Ver­gleichs ver­kannt. Mit die­ser Rüge ist die Anschluss­re­vi­si­on aus­ge­schlos­sen, weil sie eine fal­sche Aus­le­gung des Ver­gleichs durch das Beru­fungs­ge­richt gel­tend macht. Dies betrifft nicht die Vor­aus­set­zun­gen des § 91a ZPO, son­dern eine mate­ri­ell­recht­li­che Fra­ge, die der Über­prü­fung durch das Revi­si­ons­ge­richt ent­zo­gen ist. Dass im vor­lie­gen­den Fall die Aus­le­gung des Ver­gleichs der Par­tei­en kei­ne Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung betrifft, ist ohne Belang.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Mai 2011 – I ZR 20/​10

  1. vgl. BGH, Urteil vom 22.11.2007 – I ZR 12/​05, GRUR 2008, 357 Rn. 16 = WRP 2008, 499 – Plan­frei­ga­be­sys­tem; Urteil vom 25.11.2009 – VIII ZR 323/​08 Rn. 9, juris[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 21.12.2006 – IX ZR 66/​05, NJW 2007, 1591 Rn. 22[]