Archi­tek­ten­ho­no­rar für die Brand­schutz­pla­nung

Zu den vom Preis­recht der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re erfass­ten Grund­leis­tun­gen der kon­struk­ti­ven Gebäu­de­pla­nung gehö­ren auch Leis­tun­gen der Brand­schutz­pla­nung. Im Zusam­men­hang mit die­ser Pla­nung in Auf­trag gege­be­ne Beson­de­re Leis­tun­gen des Brand­schut­zes sind nicht zu ver­gü­ten, wenn eine schrift­li­che Hono­rar­ver­ein­ba­rung nicht getrof­fen wor­den ist. Offen bleibt nach die­sem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs jedoch wei­ter­hin, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen im All­ge­mei­nen eine Qua­li­fi­zie­rung von Leis­tun­gen des Brand­schut­zes auch als iso­lier­te Beson­de­re Leis­tun­gen mög­lich ist.

Archi­tek­ten­ho­no­rar für die Brand­schutz­pla­nung

In dem hier vom bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall steht im Streit steht, ob die vom Archi­tek­ten erbrach­ten Leis­tun­gen der Brand­schutz­pla­nung Grund­leis­tun­gen, § 2 Abs. 2 HOAI, hin­zu­tre­ten­de Beson­de­re Leis­tun­gen, § 2 Abs. 3 Satz 1, 1. Alt. HOAI, oder so genann­te iso­lier­te Beson­de­re Leis­tun­gen sind. Auf die­sen Streit kommt es des­halb an, weil die gel­tend gemach­te Ver­gü­tung nur dann geschul­det sein kann, wenn es sich um iso­lier­te Beson­de­re Leis­tun­gen han­delt. Sol­che Leis­tun­gen sind vom Ver­gü­tungs­recht der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re nicht erfasst 1. Es ist denk­bar, dass der Bau­herr unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 632 BGB eine beson­de­re Ver­gü­tung schul­det. Dem­ge­gen­über schei­det der gel­tend gemach­te Anspruch aus, wenn die Leis­tun­gen zum Brand­schutz Grund­leis­tun­gen im Sin­ne des § 2 Abs. 2 HOAI sind, denn mit der getrof­fe­nen Hono­rar­ver­ein­ba­rung sind die­se Grund­leis­tun­gen abge­gol­ten, deren Ver­gü­tung nicht mehr im Streit steht. Han­delt es sich um eine zu den Grund­leis­tun­gen hin­zu­tre­ten­de Beson­de­re Leis­tung im Sin­ne des § 2 Abs. 3 Satz 1, 1. Alt. HOAI – eine ganz oder teil­wei­se an die Stel­le von Grund­leis­tun­gen tre­ten­de Beson­de­re Leis­tung schei­det nach Sach­la­ge aus , so ist die­se nach der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re nicht zu ver­gü­ten, weil ein Hono­rar nicht schrift­lich ver­ein­bart wor­den ist, § 5 Abs. 4 HOAI 2.

Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs sind die vom Bau­herrn beauf­trag­ten und vom Archi­tek­ten erbrach­ten Leis­tun­gen im Zusam­men­hang mit dem Brand­schutz für das zu errich­ten­de Stu­den­ten­wohn­heim jeden­falls kei­ne iso­lier­te Beson­de­re Leis­tun­gen, deren Ver­gü­tung sich nicht nach dem Preis­recht der HOAI rich­tet. Sol­che iso­lier­ten Beson­de­ren Leis­tun­gen kön­nen nur vor­lie­gen, wenn sie nicht im Zusam­men­hang mit Grund­leis­tun­gen nach den Leis­tungs­bil­dern der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re ver­ge­ben wer­den 3. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen nicht vor.

Uner­heb­lich für die­se Beur­tei­lung ist, wie die Par­tei­en die Leis­tun­gen selbst bewer­tet haben. Die hono­rar­recht­li­che Bewer­tung rich­tet sich allein nach den objek­ti­ven Umstän­den. Es unter­liegt nicht der Dis­po­si­ti­on der Par­tei­en, ob das zwin­gen­de Preis­recht der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re für die beauf­trag­te Leis­tung Anwen­dung fin­det oder nicht 4.

Aus­gangs­punkt der Über­le­gun­gen ist die Rege­lung des § 2 Abs. 2 HOAI, wonach die mit dem Hono­rar abge­gol­te­nen Grund­leis­tun­gen die Leis­tun­gen umfas­sen, die zur ord­nungs­ge­mä­ßen Erfül­lung eines Auf­trags im All­ge­mei­nen erfor­der­lich sind. Ob und inwie­weit Pla­nungs­leis­tun­gen für den Brand­schutz hono­rar­recht­lich zu den Leis­tun­gen gehö­ren, die für die Erfül­lung des Auf­trags zur Erstel­lung einer Gebäu­de­pla­nung im All­ge­mei­nen erfor­der­lich sind, ist umstrit­ten. In der öffent­li­chen Dis­kus­si­on ist seit lan­gem, ob und inwie­weit sich die Anfor­de­run­gen an die Pla­nung des Brand­schut­zes so gewan­delt haben, dass sich ein neu­es Leis­tungs­bild der Brand­schutz­pla­nung ent­wi­ckelt hat 5.

Inso­weit wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Anfor­de­run­gen an die kon­struk­ti­ve Gebäu­de­pla­nung und die Pla­nung der tech­ni­schen Anla­gen im Bereich des Brand­schut­zes (gege­be­nen­falls durch Drit­te) mit­tels beson­de­rer Exper­ti­sen aus­ge­ar­bei­tet wer­den, auf die eine wei­te­re Pla­nung auf­bau­en müs­se und eine Über­prü­fung der fach­ge­rech­ten Ein­hal­tung die­ser Vor­ga­ben bei der Pla­nung und Aus­füh­rung einen beson­de­ren Sach­ver­stand erfor­de­re. Es han­de­le sich um eine Inge­nieur­leis­tung, also um die Leis­tung eines Fach­pla­ners, die der Archi­tekt nicht erbrin­gen kön­ne, son­dern ledig­lich – wie auch die Pla­nung ande­rer Fach­leu­te – bei sei­ner Pla­nung berück­sich­ti­gen müs­se. Die­se müs­se, auch wenn der Archi­tekt sie erbrin­ge, als iso­lier­te Beson­de­re Leis­tung ange­se­hen wer­den, so dass das Hono­rar frei ver­ein­bart wer­den kön­ne 6. Dar­an ände­re sich auch nichts, wenn es um ver­gleichs­wei­se "ein­fa­che" Leis­tun­gen für den Brand­schutz gehe 7. Spe­zi­el­le Brand­schutz­pla­nun­gen könn­ten des­halb nicht unter die Leis­tungs­be­schrei­bun­gen der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re fal­len. Von die­ser sei­en nur Stan­dard- und Nor­mal­fäl­le erfasst. Die­se sei­en empi­ri­sche Grund­la­ge der kon­kre­ten Rege­lung 8.

Dem­ge­gen­über wird ver­tre­ten, Leis­tun­gen des Brand­schut­zes bei der Gebäu­de­pla­nung sei­en grund­sätz­lich von dem Grund­leis­tungs­ka­ta­log des § 15 Abs. 2 HOAI erfasst. Die­se müss­ten auch die ver­schärf­ten Anfor­de­run­gen erfül­len, die das öffent­li­che Recht mitt­ler­wei­le in beson­de­ren Fäl­len for­de­re. Pla­nungs­leis­tun­gen für den Brand­schutz sei­en selbst in der neu­en Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re nicht einer Fach­pla­nung zuge­ord­net, es han­de­le sich um den Kern­be­reich der Kon­struk­ti­ons­pla­nung 9.

Der Bun­des­ge­richts­hof muss die­sen Streit nicht voll­stän­dig ent­schei­den. Jeden­falls die dem Archi­tek­ten in Auf­trag gege­be­nen Leis­tun­gen sind kei­ne Leis­tun­gen, die von der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re nicht erfasst sind.

Die Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re regelt das Preis­recht in pau­scha­lier­ter Form. Es erfasst jeden­falls die Stan­dard­fäl­le der­je­ni­gen Leis­tun­gen der Objekt­pla­nung für Gebäu­de, die zur ord­nungs­ge­mä­ßen Erfül­lung die­ses Auf­trags all­ge­mein erfor­der­lich sind 10. Dazu gehö­ren auch Leis­tun­gen der Brand­schutz­pla­nung. Dar­auf, dass die­se in der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re nicht erwähnt sind, kommt es ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts nicht an. Die Hono­rar­ord­nung beschreibt die im Ein­zel­nen zu erbrin­gen­den Pla­nungs­leis­tun­gen nicht. Die­se erge­ben sich unter Berück­sich­ti­gung des jewei­li­gen Pla­nungs­auf­tra­ges und wer­den in den Leis­tungs­bil­dern nur all­ge­mein beschrie­ben, wie etwa in § 15 Abs. 2 Nr. 3 HOAI, wonach zur Ent­wurfs­pla­nung das Durch­ar­bei­ten des Pla­nungs­kon­zepts unter Berück­sich­ti­gung städ­te­bau­li­cher, gestal­te­ri­scher, funk­tio­na­ler, tech­ni­scher, bau­phy­si­ka­li­scher, wirt­schaft­li­cher, ener­gie­wirt­schaft­li­cher und land­schafts­öko­lo­gi­scher Anfor­de­run­gen unter Ver­wen­dung der Bei­trä­ge ande­rer an der Pla­nung fach­lich Betei­lig­ter bis zum voll­stän­di­gen Ent­wurf gehört.

Jeder ein Gebäu­de pla­nen­de Archi­tekt muss in der kon­struk­ti­ven Gebäu­de­pla­nung die Anfor­de­run­gen an den Brand­schutz berück­sich­ti­gen, damit hier­aus eine geneh­mi­gungs­fä­hi­ge Vor­la­ge für die Bau­ge­neh­mi­gungs­be­hör­de erar­bei­tet wer­den kann und sei­ne Pla­nung eine geeig­ne­te Grund­la­ge für die man­gel­freie Errich­tung des Gebäu­des ist. Dazu gehö­ren auch grund­le­gen­de eige­ne Über­le­gun­gen und Pla­nungs­leis­tun­gen, die von dem von einem Archi­tek­ten zu erwar­ten­den Fach­wis­sen abge­deckt sind. Des­halb kann nicht die Rede davon sein, dass "ver­gleichs­wei­se ein­fa­che" Pla­nungs­leis­tun­gen für den Brand­schutz nicht von den Grund­leis­tun­gen des § 15 Abs. 2 HOAI erfasst wären. Sol­che Pla­nungs­leis­tun­gen gehö­ren seit je her zu dem Berufs­bild des Archi­tek­ten. Sie sind ohne wei­te­res von der in den Grund­leis­tungs­ka­ta­lo­gen genann­ten Berück­sich­ti­gung bau­tech­ni­scher und bau­phy­si­ka­li­scher Anfor­de­run­gen umfasst (vgl. aber § 64 Abs. 3 Nr. 4 HOAI, wonach bau­phy­si­ka­li­sche Nach­wei­se zum Brand­schutz als Beson­de­re Leis­tung der Geneh­mi­gungs­pla­nung des Trag­werk­pla­ners ein­ge­ord­net sind). Davon geht auch die Ver­öf­fent­li­chung in der AHO Schrif­ten­rei­he Heft 17 "Leis­tungs­bild und Hono­rie­rung Leis­tun­gen für Brand­schutz – 2003" ohne Wei­te­res aus, wenn dort auf "zusätz­lich" erfor­der­li­che Leis­tun­gen hin­ge­wie­sen wird, die durch erhöh­te Anfor­de­run­gen an prüf­fä­hi­ge Nach­wei­se zur Brand­si­cher­heit in Bau­vor­ha­ben und das Ver­lan­gen nach Brand­schutz­kon­zep­ten erfor­der­lich gewor­den sei­en 11. Auch Quack/​Seifert 12 wol­len letzt­lich nur spe­zi­el­le Brand­schutz­pla­nun­gen nicht als von der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re erfasst anse­hen 13.

Es kann viel­mehr im Kern allein dar­um gehen, ob bestimm­te Leis­tun­gen zum Brand­schutz, zu denen zum Bei­spiel das Erar­bei­ten und Erstel­len von beson­de­ren bau­ord­nungs­recht­li­chen Nach­wei­sen für den vor­beu­gen­den und orga­ni­sa­to­ri­schen Brand­schutz bei bau­li­chen Anla­gen beson­de­rer Art und Nut­zung gehö­ren, sol­ches Spe­zi­al­wis­sen erfor­dern, dass sie nicht in das Leis­tungs­bild der Objekt­pla­nung oder ande­rer Leis­tungs­bil­der der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re ein­ge­ord­net wer­den könn­ten. Dabei han­delt es sich um Leis­tun­gen, deren Erbrin­gung beson­de­re fach­über­grei­fen­de Kennt­nis­se des bau­li­chen, anla­gen­tech­ni­schen und betrieb­li­ch­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Brand­schut­zes und zum Teil auch eine beson­de­re Qua­li­fi­ka­ti­on oder Nach­weis­be­rech­ti­gung erfor­dern. Nur inso­weit dürf­te sich die Fra­ge stel­len, ob sich ein eigen­stän­di­ges Leis­tungs­bild eines Fach­pla­ners ent­wi­ckelt hat und wie das hono­rar­recht­lich zu beur­tei­len ist, etwa als Beson­de­re Leis­tung, vgl. auch § 64 Abs. 3 Nr. 4 HOAI, oder als iso­lier­te Beson­de­re Leis­tung.

Die­se Fra­ge stellt sich in die­sem Rechts­streit nicht. Denn der Archi­tekt hat nicht vor­ge­tra­gen, mit sol­chen Leis­tun­gen beauf­tragt wor­den zu sein.

Nach den Fest­stel­lun­gen lag im hier ent­schie­de­nen Fall zum Zeit­punkt der münd­li­chen Beauf­tra­gung mit der Brand­schutz­pla­nung am 24.07.2001 bereits eine vom Archi­tek­ten erstell­te Pla­nung der Wohn­an­la­ge vor, die von der Bau­be­hör­de in die­ser Bespre­chung vor­läu­fig beur­teilt wur­de. In der Pla­nung waren die nach der Lan­des­bau­ord­nung erfor­der­li­chen Abstän­de für den Brand­über­schlag von Gebäu­de zu Gebäu­de nicht ein­ge­hal­ten. Damit war die Pla­nung in die­ser Form nicht geneh­mi­gungs­fä­hig und des­halb noch nicht man­gel­frei. Im Wesent­li­chen ging es bei dem den Archi­tek­ten erteil­ten Auf­trag um die Behe­bung von Män­geln der bereits vor­lie­gen­den Pla­nung. Dazu wur­den in der Bespre­chung kon­kre­te Wege auf­ge­zeigt, die die feh­len­den Abstän­de in aus­rei­chen­dem Maße kom­pen­sie­ren konn­ten (u.a. Rauch­mel­der, bestimm­te Anfor­de­run­gen an Türen). Sodann beauf­trag­te der Bau­herr der Archi­tekt mit der Pla­nung die­ser not­wen­di­gen Brand­schutz­maß­nah­men und der Anfer­ti­gung von näher bezeich­ne­ten Plä­nen in Abstim­mung mit Bau­rechts­amt, Bau­ord­nungs­amt und Feu­er­wehr.

Es bestehen bereits Zwei­fel, ob die so ver­lang­ten Pla­nungs­maß­nah­men über die Grund­leis­tun­gen der Gebäu­de­pla­nung hin­aus­gin­gen. Denn es ist nichts dazu fest­ge­stellt und auch vom Archi­tek­ten nicht sub­stan­ti­iert vor­ge­tra­gen wor­den, wel­che beson­de­ren Anfor­de­run­gen die­se Pla­nung an der Archi­tekt stell­te. Selbst wenn etwa auf­grund des Cha­rak­ters der Wohn­an­la­ge als Stu­den­ten­wohn­heim oder beson­de­rer Anfor­de­run­gen an den Brand­schutz aus ande­ren Grün­den eine wei­ter­ge­hen­de Pla­nung als im All­ge­mei­nen erfor­der­lich in Auf­trag gege­ben war, käme jeden­falls eine Ein­ord­nung als iso­lier­te Beson­de­re Leis­tung nicht in Betracht. Es ist nichts dafür ersicht­lich und auch vom Archi­tek­ten nicht im Ansatz dar­ge­legt, dass sie mit Leis­tun­gen beauf­tragt wor­den wäre, deren Erbrin­gung beson­de­re fach­über­grei­fen­de Kennt­nis­se des bau­li­chen, anla­gen­tech­ni­schen und betrieb­li­ch­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Brand­schut­zes oder eine beson­de­re Qua­li­fi­ka­ti­on oder Nach­weis­be­rech­ti­gung erfor­dern. Ihre Leis­tung war viel­mehr ein­ge­bun­den in die Män­gel­rü­gen der Bau­herrn und die im Zusam­men­wir­ken mit ihr, dem Bau­rechts­amt, dem Bau­ord­nungs­amt und der Feu­er­wehr ent­wi­ckel­ten Anfor­de­run­gen an den Brand­schutz, wobei denk­bar ist, dass des Archi­tek­ten etwa not­wen­di­ges Fach­wis­sen durch die Behör­den ver­mit­telt wor­den ist.

Jeden­falls unter Berück­sich­ti­gung die­ser Umstän­de könn­te allen­falls eine Beson­de­re Leis­tung im Sin­ne des § 2 Abs. 3 Satz 1, 1. Alt. HOAI vor­lie­gen. Beson­de­re Leis­tun­gen kön­nen zu den Grund­leis­tun­gen hin­zu­tre­ten, wenn beson­de­re Anfor­de­run­gen an die Aus­füh­rung des Auf­trags gestellt wer­den, die über die all­ge­mei­nen Leis­tun­gen hin­aus­ge­hen. Deren Auf­zäh­lung in den Leis­tungs­bil­dern ist nicht abschlie­ßend, § 2 Abs. 3 Satz 2 HOAI. Des­halb kom­men auch Leis­tun­gen im Zusam­men­hang mit dem Brand­schutz, die – wie bei den Grund­leis­tun­gen – nicht aus­drück­lich erwähnt sind, hier­für grund­sätz­lich in Betracht. Wie bereits erwähnt, kann nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die unter­stell­ten beson­de­ren Anfor­de­run­gen der­art sind, dass sie nicht mehr in einem Zusam­men­hang mit den ohne­hin beauf­trag­ten Grund­leis­tun­gen zur Objekt­pla­nung ste­hen. Das Gegen­teil ist der Fall. Die Leis­tun­gen stan­den in engem Zusam­men­hang mit der für die kon­struk­ti­ve Gebäu­de­pla­nung beauf­trag­ten und bereits durch­ge­führ­ten Leis­tung.

Der Archi­tekt kann daher im vor­lie­gen­den Fall kei­ne zusätz­li­che Ver­gü­tung für ihre Brand­schutz­pla­nung neben der bereits zuge­spro­che­nen Ver­gü­tung für die Grund­leis­tun­gen nach der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re ver­lan­gen. Ent­we­der war die Brand­schutz­pla­nung Bestand­teil die­ser Grund­leis­tung oder sie war eine Beson­de­re hin­zu­tre­ten­de Leis­tung, für die der Archi­tekt nach § 5 Abs. 4 Satz 1 HOAI man­gels schrift­li­cher Hono­rar­ver­ein­ba­rung kein Hono­rar berech­nen darf. Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob – wofür aller­dings nichts spricht – die Leis­tung beauf­tragt war, bevor die sons­ti­gen Pla­nungs­leis­tun­gen in Auf­trag gege­ben wor­den waren. Denn die in der Pro­jekt­be­spre­chung in Auf­trag gege­be­ne Leis­tung stand in einem engen Zusam­men­hang mit der bereits erbrach­ten und dann – unter­stellt – wenig spä­ter auch beauf­trag­ten Leis­tung. Sie soll­te von Anfang an nicht iso­liert beauf­tragt wer­den, son­dern war ihrer Natur nach nur als Ergän­zung der bereits erbrach­ten Pla­nungs­leis­tung und damit (allen­falls) als Beson­de­re Leis­tung, die zu den Grund­leis­tun­gen hin­zu­tritt, gewollt und beauf­tragt. Wird die Grund­leis­tung sodann wie vor­ge­se­hen beauf­tragt, ist auch in einem sol­chen Fall eine schrift­li­che Hono­rar­ver­ein­ba­rung über die Beson­de­re Leis­tung erfor­der­lich.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Janu­ar 2012 – VII ZR 128/​11

  1. BGH, Urtei­le vom 22.05.1997 VII ZR 290/​95, BGHZ 136, 1; vom 04.12.1997 – VII ZR 177/​96, BauR 1998, 193 = ZfBR 1998, 94[]
  2. BGH, Urteil vom 24.11.1988 – VII ZR 313/​87, BauR 1989, 222, 223 = ZfBR 1989, 104[]
  3. BGH, Urteil vom 30.09.2004 VII ZR 456/​01, BGHZ 160, 267[]
  4. BGH, Urteil vom 30.09.2004 – VII ZR 456/​01, BGHZ 160, 267[]
  5. vgl. AHO Schrif­ten­rei­he Heft 17 "Leis­tungs­bild und Hono­rie­rung Leis­tun­gen für Brand­schutz“[]
  6. vgl. auch Vygen in Korbion/​Mantscheff/​Vygen, HOAI, 7. Aufl., § 1 Rn. 4, der aber vor Gel­tung der Tei­le X und XI Leis­tun­gen für Schall- und Wär­me­schutz als Beson­de­re Leis­tun­gen ein­ord­net, aaO, § 5 Rn. 54[]
  7. Quack/​Seifert, BauR 2011, 915, 917[]
  8. aaO, S. 920[]
  9. Rohr­mül­ler, BauR 2011, 1078, 1080[]
  10. vgl. Quack, Deut­sches Archi­tek­ten­blatt 2011, 32, 34[]
  11. AHO, aaO, S. 5[]
  12. Quack/​Seifert, aaO, S. 920[]
  13. vgl. auch Quack, Deut­sches Archi­tek­ten­blatt 2011, 32 ff.[]