Auf­klä­rung über alter­na­ti­ve Behand­lungs­me­tho­den

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist zwar die Wahl der Behand­lungs­me­tho­de pri­mär Sache des Arz­tes. Die Wah­rung des Selbst­be­stim­mungs­rechts des Pati­en­ten erfor­dert aber eine Unter­rich­tung über eine alter­na­ti­ve Behand­lungs­mög­lich­keit, wenn für eine medi­zi­nisch sinn­vol­le und indi­zier­te The­ra­pie meh­re­re gleich­wer­ti­ge Behand­lungs­mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung ste­hen, die zu jeweils unter­schied­li­chen Belas­tun­gen des Pati­en­ten füh­ren oder unter­schied­li­che Risi­ken und Erfolgs­chan­cen bie­ten 1.

Auf­klä­rung über alter­na­ti­ve Behand­lungs­me­tho­den

Einer der dabei in Betracht kom­men­den Fäl­le ist der, dass als Alter­na­ti­ve zu einer sofor­ti­gen Ope­ra­ti­on die Fort­set­zung einer kon­ser­va­ti­ven Behand­lung medi­zi­nisch zur Wahl steht 2.

So bestand in dem vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ledig­lich eine rela­ti­ve Indi­ka­ti­on zur Implan­ta­ti­on eines Spi­nal­ka­the­ters, weil es aus medi­zi­ni­scher Sicht mög­lich ist; und vom Pati­en­ten gewollt sein kann, die Schmerz­zu­stän­de wei­ter auf kon­ven­tio­nel­lem Wege zu bekämp­fen, da alle inva­si­ven Behand­lungs­for­men bei Rücken­schmer­zen umstrit­ten sind und die vor­lie­gen­den Daten aus kon­trol­lier­ten Stu­di­en nicht aus­rei­chen, um die rücken­marks­na­he Medi­ka­men­ten­ap­pli­ka­ti­on ein­deu­tig zu bewer­ten; es han­delt sich um einen Ver­such, der glü­cken kann, der aber auch ohne Erfolg blei­ben kann. Aus­ge­hend von die­ser grund­sätz­li­chen Ein­schät­zung ist der bei der Pati­en­tin durch­ge­führ­ten Ein­griff zwar auf Grund ihres lan­gen Lei­dens und der zuvor durch­ge­führ­ten kon­ser­va­ti­ven Schmerz­the­ra­pie letzt­lich ver­tret­bar, nicht aber alter­na­tiv­los. So hät­te an Stel­le eines inva­si­ven Ver­fah­rens zunächst die Medi­ka­men­ten­do­sie­rung wei­ter erhöht wer­den kön­nen, auch wenn dies höchst­wahr­schein­lich mit wei­te­ren star­ken Neben­wir­kun­gen ver­bun­den gewe­sen wäre. Des Wei­te­ren wäre – auf­grund der gro­ßen Rol­le psy­cho­so­zia­ler Fak­to­ren bei der Aus­prä­gung und dem Ver­lauf chro­ni­scher Schmer­zen – im vor­lie­gen­den Fall auch eine über eine blo­ße Gesprächs­the­ra­pie hin­aus­ge­hen­de regel­ge­rech­te Psy­cho­the­ra­pie ange­zeigt gewe­sen.

Neben die­sem inva­si­ven Vor­ge­hen stand damit aber eine Fort­set­zung der kon­ser­va­ti­ven The­ra­pie mit einer erneu­ten Ände­rung der Medi­ka­ti­on und einer regel­ge­rech­ten Psy­cho­the­ra­pie medi­zi­nisch zur Wahl. Da bei­de Behand­lungs­al­ter­na­ti­ven mit unter­schied­li­chen Belas­tun­gen – ins­be­son­de­re durch den ope­ra­ti­ven Ein­griff einer­seits und die zu erwar­ten­den Neben­wir­kun­gen ande­rer­seits – und – wie die ein­ge­tre­te­nen Behand­lungs­fol­gen zei­gen – auch mit unter­schied­li­chen Risi­ken für die Pati­en­tin ver­bun­den waren, hät­ten ihr bei­de Alter­na­ti­ven näher erläu­tert wer­den müs­sen. Dies gilt, wor­auf die Beschwer­de mit Recht hin­weist, erst recht in Anbe­tracht der vom Sach­ver­stän­di­gen als zwei­fel­haft ein­ge­schätz­ten Erfolgs­aus­sich­ten eines inva­si­ven Vor­ge­hens 3.

Dazu, ob die nach alle­dem gebo­te­ne Auf­klä­rung über Behand­lungs­al­ter­na­ti­ven tat­säch­lich erfolgt ist, liegt die Beweis­last bei den behan­deln­den Ärz­ten reps. dem Kran­ken­haus­trä­ger 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Dezem­ber 2013 – VI ZR 230/​12

  1. BGH, Urteil vom 13.06.2006 – VI ZR 323/​04, BGHZ 168, 103 Rn. 13 mwN; Beschluss vom 19.07.2011 – VI ZR 179/​10, VersR 2011, 1450 Rn. 6[]
  2. BGH, Urtei­le vom 24.11.1987 – VI ZR 65/​87, VersR 1988, 190, 191; und vom 22.02.2000 – VI ZR 100/​99, VersR 2000, 766, 767[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 22.12 1987 – VI ZR 32/​87, VersR 1988, 493, 494[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 14.09.2004 – VI ZR 186/​03, VersR 2005, 227, 228 mwN[]

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