Bei­hil­fe­fä­hig­keit von Medi­zin­pro­duk­ten

Die Ber­li­ner Bei­hil­fe­ver­ord­nung ist nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts recht­mä­ßig, soweit sie durch einen Ver­weis auf das Recht der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung die Bei­hil­fe­fä­hig­keit von Auf­wen­dun­gen für Medi­zin­pro­duk­te (hier für Hyaluron­säu­re­prä­pa­ra­te) grund­sätz­lich aus­schließt und nur aus­nahms­wei­se für bestimm­te Pro­duk­te aner­kennt.

Bei­hil­fe­fä­hig­keit von Medi­zin­pro­duk­ten

In den bei­den vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fäl­len war den bei­hil­fe­be­rech­tig­ten Beam­ten ein phy­si­ka­lisch wir­ken­des Prä­pa­rat zur Behand­lung eines Knor­pel­scha­dens bzw. einer Knie­ge­lenks­ar­thro­se ärzt­lich ver­ord­net wor­den. Die Bei­hil­fe­stel­le lehn­te die Erstat­tung der jewei­li­gen Auf­wen­dun­gen (225 € in dem einen und 437 € in dem ande­ren Fall für "HYA Ject"- bzw. "Ostenil-Fer­tig­sprit­zen") mit der Begrün­dung ab, die­se Hyaluron­säu­re­prä­pa­ra­te sei­en als Medi­zin­pro­duk­te nicht bei­hil­fe­fä­hig. Bei­de Kla­gen auf Bei­hil­fe­ge­wäh­rung, die von ver­schie­de­nen Kam­mern des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin unter­schied­lich ent­schie­den wor­den waren 1, hat­ten in zwei­ter Instanz vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg Erfolg 2. Nach Ansicht des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg sind die­se Medi­zin­pro­duk­te als Arz­nei­mit­tel bei­hil­fe­fä­hig. Die Vor­schrift der Ber­li­ner Bei­hil­fe­ver­ord­nung, die dies aus­schlie­ße, sei unwirk­sam. Die dor­ti­ge Ver­wei­sung auf die Rege­lung im Recht der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (Fünf­tes Buch Sozi­al­ge­setz­buch – SGB V) und die davon wie­der­um in Bezug genom­me­ne abschlie­ßen­de Über­sicht in der Arz­nei­mit­tel-Richt­li­nie des Gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses über die ver­ord­nungs­fä­hi­gen Medi­zin­pro­duk­te, zu denen Hyaluron­säu­re­prä­pa­ra­te nicht zähl­ten, sei ver­fas­sungs­wid­rig.

Die dage­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen des beklag­ten Lan­des Ber­lin hat­ten nun vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Erfolg, das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die strei­ti­ge Rege­lung in der Ber­li­ner Bei­hil­fe­ver­ord­nung zu Medi­zin­pro­duk­ten als recht­mä­ßig erach­tet:

Obgleich es sich um eine soge­nann­te dyna­mi­sche Ver­wei­sung auf die jeweils gel­ten­de Fas­sung des Rechts der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung han­delt, ist die­se mit den spe­zi­fi­schen Anfor­de­run­gen des Rechts­staats- und Demo­kra­tie­prin­zips, mit der ver­fas­sungs­recht­li­chen Für­sor­ge­pflicht und dem Bestimmt­heits­ge­bot ver­ein­bar. Weil die Ver­wei­sungs­norm im Zusam­men­hang mit einer ande­ren Ver­ord­nungs­re­ge­lung aus­zu­le­gen ist, ist ihre Wir­kung begrenzt. Danach ist nur die grund­sätz­li­che Anwen­dung der Rege­lun­gen in den in Bezug genom­me­nen Richt­li­ni­en des Gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses ange­ord­net. Die Bei­hil­fe­stel­len des Dienst­herrn haben noch einen Ent­schei­dungs­spiel­raum und kön­nen unter Berück­sich­ti­gung des beam­ten­recht­li­chen Für­sor­ge­grund­sat­zes im Ein­zel­fall Aus­nah­men zulas­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 26. März 2015 – 5 C 8.2014 – und 5 C 9.2014

  1. VG Ber­lin, Urtei­le vom 13.07.2012 – 5 K 51/​11; und vom 09.01.2013 – 7 K 337/​10[]
  2. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, urtei­le vom 07.05.2014 – 7 B 5.14 und 7 B 10.14[]