Betei­li­gung der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten an Wehr­dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren

Eine Betei­li­gung der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten an Wehr­dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren fin­det nicht statt.

Betei­li­gung der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten an Wehr­dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren

Es stellt kei­nen Ver­stoß gegen Rechts­vor­schrif­ten dar, dass die Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te bei Erlass der Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung nicht betei­ligt wor­den ist. Ins­be­son­de­re folgt das Betei­li­gungs­recht nicht aus § 19 Abs. 1 Satz 3 SGleiG (Sol­da­tin­nen- und Sol­da­ten­gleich­stel­lungs­ge­setz). Nach die­ser Vor­schrift ist die Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te früh­zei­tig zu betei­li­gen, ins­be­son­de­re bei Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten wie der Ein­stel­lung, Maß­nah­men des beruf­li­chen Auf­stiegs und der vor­zei­ti­gen Ent­las­sung aus dem Dienst­ver­hält­nis. Zwar sind die in der Vor­schrift genann­ten Per­so­nal­maß­nah­men nicht abschlie­ßend, den­noch kann der Begriff „Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten“ nicht in dem von der Beschwer­de gemein­ten umfas­sen­den Sin­ne ver­stan­den wer­den. Zu Recht weist der Bun­des­wehr­dis­zi­pli­nar­an­walt dar­auf hin, dass es sich bei Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren um spe­zi­el­le Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten han­delt, die sowohl im Beam­ten­recht als auch im Sol­da­ten­recht durch geson­der­te Geset­ze mit Spe­zi­al­vor­schrif­ten auch zum Ver­fah­ren und den zu Betei­li­gen­den gere­gelt sind. In den Geset­zen über die Betei­li­gung von Per­so­nal­rä­ten bzw. Ver­trau­ens­per­so­nen ist dem­entspre­chend neben den all­ge­mei­nen Betei­li­gungs­rech­ten in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren jeweils geson­dert erwähnt (§ 27 SBG, § 78 Abs. 1 Nr. 3 BPers­VG). Es kommt hin­zu, dass es sich ins­be­son­de­re bei einem gericht­li­chen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren um ein eben­so kom­ple­xes wie grund­rechts­in­ten­si­ves Ver­fah­ren han­delt. Der Ein­griff in die Grund­rech­te des betrof­fe­nen Sol­da­ten durch die Betei­li­gung der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten bedarf daher zum einen einer aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Grund­la­ge. Zum ande­ren müss­te der Gesetz­ge­ber regeln, in wel­cher Form und in wel­chem Ver­fah­rens­sta­di­um die Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te zu betei­li­gen ist. Der­ar­ti­ge Bestim­mun­gen sind weder dem Sol­da­tin­nen- und Sol­da­ten­gleich­stel­lungs­ge­setz noch der Wehr­dis­zi­pli­nar­ord­nung zu ent­neh­men. Die Rege­lung des § 20 SGleiG, ins­be­son­de­re des­sen Abs. 2 Satz 3, gibt dafür nichts Aus­rei­chen­des her. Das Feh­len einer dif­fe­ren­zier­ten Rege­lung zum Aus­gleich kol­li­die­ren­der Inter­es­sen des betrof­fe­nen Sol­da­ten, wie sie etwa im Wider­spruchs­recht nach § 27 Abs. 1 und 2 SBG für die Betei­li­gung der Ver­trau­ens­per­son vor­ge­se­hen ist, spricht eben­falls dage­gen, dass der Gesetz­ge­ber das gericht­li­che Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren in den Anwen­dungs­be­reich des Sol­da­tin­nen- und Sol­da­ten­gleich­stel­lungs­ge­set­zes auf­neh­men woll­te.

Schließ­lich zeigt auch die Rege­lung des § 18 Abs. 3 Satz 1 SGleiG, dass der Gesetz­ge­ber des Sol­da­tin­nen- und Sol­da­ten­gleich­ge­stel­lungs­ge­set­zes die Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren nicht in die Auf­ga­ben der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten ein­be­zie­hen woll­te. Nach die­ser Vor­schrift ist der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten und ihrer Stell­ver­tre­te­rin Gele­gen­heit zu geben zur Fort­bil­dung ins­be­son­de­re im Gleich­stel­lungs­recht und in Fra­gen des Sol­da­ten, Sol­da­ten­be­tei­li­gungs, Per­so­nal­ver­tre­tungs- sowie Orga­ni­sa­ti­ons- und Haus­halts­rechts. Die Auf­zäh­lung ist zwar nicht abschlie­ßend, aber doch so dif­fe­ren­ziert, dass es nahe­ge­le­gen hät­te, auch das Sol­da­ten­dis­zi­pli­nar­recht anzu­füh­ren, zumal einer­seits Kennt­nis­se gera­de auf die­sem sehr spe­zi­el­len Rechts­ge­biet nicht vor­aus­ge­setzt wer­den kön­nen, ande­rer­seits aber die Betei­li­gung an allen, auch ein­fa­chen Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men einen nicht uner­heb­li­chen Teil der Tätig­keit aus­ma­chen wür­de, wenn es sich dabei nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers um einen Auf­ga­ben­be­reich der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten hät­te han­deln sol­len. Eine Betei­li­gung der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten an Wehr­dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren fin­det daher nicht statt 1.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 30. Novem­ber 2011 – 2 WRB 1.11

  1. so auch Nr.19 der Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen zum Sol­da­tin­nen- und Sol­da­ten­gleich­stel­lungs­ge­setz – VMBl 2008 S. 171, 179; vgl. zum § 19 BGleiG auch OVG NRW, Beschluss vom 15.03.2011 – 1 A 634/​09, NVwZ-RR 2011, 735[]