Bushi­do – und die Jugend­ge­fähr­dung

Vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müs­n­ter war jetzt ein Eil­an­trag des Rap­pers Bushi­do gegen Ent­schei­dun­gen der Bun­des­prüf­stel­le erfolg­reich:

Bushi­do – und die Jugend­ge­fähr­dung

Das OVG Müns­ter hat der Beschwer­de des Rap­pers Bushi­do in einem Eil­ver­fah­ren statt­ge­ge­ben. Bushi­do hat­te sich gegen Ent­schei­dun­gen der Bun­des­prüf­stel­le für jugend­ge­fähr­den­de Medi­en vom 5. Sep­tem­ber 2013 gewandt. Mit die­sen Ent­schei­dun­gen hat­te die Bun­des­prüf­stel­le den Ton­trä­ger "NWA" und das Musik­vi­deo "Stress ohne Grund" gestützt auf das Jugend­schutz­ge­setz in die Lis­te jugend­ge­fähr­den­der Medi­en auf­ge­nom­men. Haupt­in­ter­pret des Ton­trä­gers und auch des Vide­os ist der Rap­per Shin­dy; Bushi­do ist für einen Teil der für indi­zie­rungs­re­le­vant gehal­te­nen Titel auf der CD sowie für das Video als "fea­tured artist" ange­ge­ben. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat­te Bushi­dos Eil­an­trag abge­lehnt 1.

Vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter war der Rap­per nun­mehr erfolg­reich. Nach des­sen Ansicht sind die Indi­zie­rungs­ent­schei­dun­gen rechts­wid­rig, weil die Bun­des­prüf­stel­le den Kunst­ge­halt des Ton­trä­gers und des Vide­os nicht hin­rei­chend ermit­telt habe. Nach § 18 Abs. 3 Nr. 2 Jugend­schutz­ge­setz darf ein Medi­um nicht in die Lis­te jugend­ge­fähr­den­der Medi­en auf­ge­nom­men wer­den, wenn es der Kunst dient. Die­ses Merk­mal schlie­ße, so der Senat unter Bezug­nah­me auf das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, eine Indi­zie­rung zwar nicht von vorn­her­ein aus, erfor­de­re aber eine Abwä­gung zwi­schen den Belan­gen des Jugend­schut­zes und der Kunst­frei­heit. Zu der erfor­der­li­chen umfas­sen­den Ermitt­lung der wider­strei­ten­den Belan­ge Jugend­schutz und Kunst­frei­heit gehö­re im Grund­satz die Anhö­rung der­je­ni­gen Per­so­nen, die schöp­fe­risch an dem Kunst­werk mit­ge­wirkt hät­ten und typi­scher­wei­se in der Lage sei­en, etwas über die im den Kunst­werk umge­setz­ten Belan­ge der K unst­frei­heit aus­zu­sa­gen. Die Bun­des­prüf­stel­le habe hier aber ins­be­son­de­re den Haupt­in­ter­pre­ten Shin­dy über­haupt nicht ange­hört.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein ‑West­fa­len, Beschluss vom 3. Juni 2015 – 19 B 463/​14

  1. VG Köln – 19 L 1963/​13[]