Das Krebs­ge­schwür des inter­na­tio­na­len Fuß­balls

Das Land­ge­richt Düs­sel­dorf hat eine Unter­las­sungs­kla­ge der Qatar Foot­ball Asso­cia­ti­on gegen den ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten des Deut­schen Fuß­ball­bun­des, Dr. Theo Zwan­zi­ger, erst­in­stanz­lich abge­wie­sen.

Das Krebs­ge­schwür des inter­na­tio­na­len Fuß­balls

Die Qatar Foot­ball Asso­cia­ti­on kann damit von Zwan­zi­ger nicht die Unter­las­sung der Äuße­rung "Ich habe immer klar gesagt, dass Katar ein Krebs­ge­schwür des Welt­fuß­balls ist.“ ver­lan­gen. Die­se Aus­sa­ge ist nach Auf­fas­sung des Gerichts durch die im Grund­ge­setz in Art. 5 Abs. 1 Satz 1 gewähr­te all­ge­mei­ne Mei­nungs­frei­heit gerecht­fer­tigt.

Mit der Unter­las­sungs­kla­ge hat­te der offi­zi­el­le Fuß­ball­ver­band des Staa­tes Katar sich gegen die ent­spre­chen­de Äuße­rung von Zwan­zi­ger in einem Inter­view gegen­über dem Hes­si­schen Rund­funk am 02.06.2015 gewandt.

Das Land­ge­richt Düs­sel­dorf befand jedoch, dass die Bezeich­nung „Krebs­ge­schwür“ eine Belei­di­gung im Sin­ne von § 185 StGB sei. Die Aus­sa­ge „Krebs­ge­schwür Krebs­ge­schwür“ sei ein Wert­ur­teil, das der Qatar Foot­ball Asso­cia­ti­on Eigen­schaf­ten zuspre­che, die in höchs­tem Maße nega­tiv und schäd­lich sei­en. Es sei mas­siv her­ab­wür­di­gend, weil die Qatar Foot­ball Asso­cia­ti­on damit den Sta­tus einer töd­li­chen Krank­heit erhal­te, die mit aller Macht zu bekämp­fen sei. „Krebs­ge­schwür“ ste­he für einen bös­ar­ti­gen Tumor, der sich im mensch­li­chen Kör­per aus­brei­te und schlimms­ten­falls zum Tode füh­re.

Die Qatar Foot­ball Asso­cia­ti­on kann jedoch nicht Unter­las­sung der belei­di­gen­den Äuße­rung, Katar sei ein „Krebs­ge­schwür des Welt­fuß­balls“, ver­lan­gen. Denn die Aus­sa­ge sei, so das Gericht, durch die grund­recht­lich geschütz­te Frei­heit der Mei­nungs­äu­ße­rung in Art. 5 Abs. 1 Satz 1 Grund­ge­setz gerecht­fer­tigt.

Dr. Theo Zwan­zi­ger habe die Aus­sa­ge in Wahr­neh­mung des berech­tig­ten Inter­es­ses getä­tigt, die öffent­li­che Debat­te über die Ver­ga­be der Fuß­ball-WM nach Katar anzu­re­gen und die Ver­ga­be­ent­schei­dung zu kri­ti­sie­ren. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Qua­tar Foot­ball Asso­cia­ti­on spre­che nichts dafür, dass Zwan­zi­ger das Inter­view insze­niert habe, um von eige­nem Fehl­ver­hal­ten abzu­len­ken. Der Ver­gleich der Qua­tar Foot­ball Asso­cia­ti­on mit einem Krebs­ge­schwür über­stei­ge (noch) nicht die Gren­ze der Erfor­der­lich­keit und Ange­mes­sen­heit und sei kei­ne Schmäh­kri­tik. Es habe nicht die öffent­li­che Dif­fa­mie­rung der Qatar Foot­ball Asso­cia­ti­on, son­dern die Recht­mä­ßig­keit und Über­prü­fung der Ver­ga­be­ent­schei­dung für die Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft 2022 in Katar im Vor­der­grund gestan­den.

Wer Kri­tik an öffent­li­chen Miss­stän­den übe, sei nicht auf das mil­des­te Mit­tel zur Ver­deut­li­chung sei­nes Stand­punk­tes beschränkt. Im Hin­blick auf die sport­li­che, wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Bedeu­tung des Aus­tra­gungs­orts einer Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft sei der Zweck der Äuße­rung, die Augen der Öffent­lich­keit kri­tisch auf die Arbeits­wei­se und Ent­schei­dungs­fin­dung der FIFA zu len­ken, höher anzu­set­zen, als der Ehren­schutz der Qatar Foot­ball Asso­cia­ti­on.

Land­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 19. April 2016 – 6 O 226/​15