Das „OP-Zen­trum“ eines Anäs­the­sis­ten

Über­lässt ein Anäs­the­sist, der ein „OP-Zen­trum“ betreibt, einem ande­ren Arzt Ope­ra­ti­ons­räu­me nebst Aus­stat­tung gegen Ent­gelt zur Durch­füh­rung von Ope­ra­tio­nen, an denen er selbst teil­nimmt, ist die Raum­über­las­sung durch den Anäs­the­sis­ten an den Ope­ra­teur nicht als Heil­be­hand­lung steu­er­frei. Es kann inso­weit aber eine ein­heit­li­che steu­er­freie Heil­be­hand­lungs­leis­tung i.S. von § 4 Abs. 14 UStG des Anäs­the­sis­ten gegen­über den Pati­en­ten oder ein steu­er­frei­er mit dem Betrieb einer ande­ren Ein­rich­tung eng ver­bun­de­ner Umsatz i.S. von § 4 Nr. 16 Buchst. c UStG vor­lie­gen.

Das „OP-Zen­trum“ eines Anäs­the­sis­ten

Nach § 4 Nr. 14 Satz 1 UStG sind steu­er­frei die Umsät­ze aus der Tätig­keit als Arzt, Zahn­arzt, Heil­prak­ti­ker, Phy­sio­the­ra­peut (Kran­ken­gym­nast), Heb­am­me oder aus einer ähn­li­chen heil­be­ruf­li­chen Tätig­keit (bis 19.12 2003: i.S. des § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG) und aus der Tätig­keit als kli­ni­scher Che­mi­ker. Die­se Vor­schrift beruht auf Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 77/​388/​EWG, nach der „Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin, die im Rah­men der Aus­übung der von dem betref­fen­den Mit­glied­staat defi­nier­ten ärzt­li­chen und arzt­ähn­li­chen Beru­fe erbracht wer­den“, steu­er­frei sind (nun­mehr Art. 132 Abs. 1 Buchst. cMwSt­Sys­tRL). § 4 Nr. 14 UStG ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung ent­spre­chend die­ser Bestim­mung aus­zu­le­gen [1].

Dabei sind die in Art. 13 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG genann­ten Steu­er­be­frei­un­gen zwar eng aus­zu­le­gen, da sie Aus­nah­men von dem all­ge­mei­nen Grund­satz dar­stel­len, dass jede Dienst­leis­tung, die ein Steu­er­pflich­ti­ger gegen Ent­gelt erbringt, der Mehr­wert­steu­er unter­liegt. Die Aus­le­gung der in die­ser Bestim­mung ver­wen­de­ten Begrif­fe muss aber auch mit den Zie­len im Ein­klang ste­hen, die mit den Befrei­un­gen ver­folgt wer­den, und den Erfor­der­nis­sen des Grund­sat­zes der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät ent­spre­chen, auf dem das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem beruht [2]. Die­se Regel einer engen Aus­le­gung bedeu­tet außer­dem nicht, dass die zur Defi­ni­ti­on der Steu­er­be­frei­un­gen i.S. von Art. 13 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG ver­wen­de­ten Begrif­fe in einer Wei­se aus­zu­le­gen sind, die den Befrei­un­gen ihre Wir­kung näh­me [3]. Dabei geht aus der Recht­spre­chung des EuGH her­vor, dass der Zweck, die Kos­ten von Heil­be­hand­lun­gen zu sen­ken und die­se für den Ein­zel­nen leich­ter zugäng­lich zu machen, der in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 77/​388/​EWG und der in Buchst. c die­ses Absat­zes vor­ge­se­he­nen Befrei­ung gemein­sam ist; fer­ner ver­bie­tet es der Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät ins­be­son­de­re, dass Wirt­schafts­teil­neh­mer, die gleich­ar­ti­ge Umsät­ze bewir­ken, bei der Mehr­wert­steu­er­erhe­bung unter­schied­lich behan­delt wer­den [4].

Der Begriff der „Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin“ i.S. von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 77/​388/​EWG umfasst Leis­tun­gen, die der Dia­gno­se, Behand­lung und, soweit wie mög­lich, Hei­lung von Krank­hei­ten oder Gesund­heits­stö­run­gen die­nen [5]. Dar­aus folgt, dass ärzt­li­chen Leis­tun­gen, die zu dem Zweck erbracht wer­den, die mensch­li­che Gesund­heit zu schüt­zen, auf­recht­zu­er­hal­ten oder wie­der­her­zu­stel­len, die in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. b und c der Richt­li­nie 77/​388/​EWG vor­ge­se­he­ne Steu­er­be­frei­ung zugu­te­kommt [6].

Der BFH hat sich die­ser Recht­spre­chung des EuGH ange­schlos­sen. Steu­er­be­frei­te Heil­be­hand­lun­gen sind danach Tätig­kei­ten, die zum Zweck der Vor­beu­gung, Dia­gno­se, der Behand­lung und, soweit mög­lich, der Hei­lung von Krank­hei­ten oder Gesund­heits­stö­run­gen bei Men­schen vor­ge­nom­men wer­den. Die befrei­ten Leis­tun­gen müs­sen der medi­zi­ni­schen Behand­lung einer Krank­heit oder einer ande­ren Gesund­heits­stö­rung die­nen [7].

Ein Arzt kann ‑wie z.B. ein Labor­arzt- auch gegen­über ande­ren Ärz­ten steu­er­freie Heil­be­hand­lungs­leis­tun­gen erbrin­gen. Für die Steu­er­frei­heit kommt es nicht auf die Per­son des Leis­tungs­emp­fän­gers an, da sich die per­so­nen­be­zo­ge­ne Vor­aus­set­zung der Steu­er­frei­heit auf den Leis­ten­den bezieht, der Trä­ger eines ärzt­li­chen oder arzt­ähn­li­chen Berufs sein muss [8].

Bei der blo­ßen Über­las­sung von Pra­xis­räu­men nebst Aus­stat­tung durch einen Arzt an ande­re Ärz­te han­delt es sich jedoch weder um eine ärzt­li­che noch um eine arzt­ähn­li­che Leis­tung [9]. Eine sol­che Über­las­sung kann zwar einer Heil­be­hand­lung die­nen, stellt aber selbst kei­ne sol­che dar.

Der Begriff „ärzt­li­che Heil­be­hand­lung“ kann nicht auf sämt­li­che Leis­tun­gen, die mit der Behand­lung des Pati­en­ten zusam­men­hän­gen, aus­ge­dehnt wer­den. Denn die ‑wie dar­ge­legt- bei der Aus­le­gung des § 4 Nr. 14 Satz 1 UStG zu berück­sich­ti­gen­de Bestim­mung des Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 77/​388/​EWG ent­hält ‑im Gegen­satz zu Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 77/388/EWG- kei­ne Bezug­nah­me auf Umsät­ze, die „mit ärzt­li­chen Heil­be­hand­lun­gen eng ver­bun­den“ sind. Des­halb erfasst Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 77/​388/​EWG „mit ärzt­li­chen Heil­be­hand­lun­gen eng ver­bun­de­ne Umsät­ze“ grund­sätz­lich nicht, wes­halb die­ser Zusatz für die Aus­le­gung der Vor­schrift kei­ne Bedeu­tung hat [10].

Bei Anwen­dung die­ser Rechts­grund­sät­ze auf den Streit­fall kann auf­grund der bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen noch nicht ent­schie­den wer­den, ob die streit­be­fan­ge­nen Leis­tun­gen der Anäs­the­sis­tin nach § 4 Nr. 14 Satz 1 UStG steu­er­be­freit sind, etwa ob eine Steu­er­be­frei­ung der ent­gelt­li­chen „Über­las­sung“ der Ope­ra­ti­ons­räu­me nebst Aus­stat­tung durch die Anäs­the­sis­tin unter dem Gesichts­punkt einer ein­heit­li­chen Leis­tung in Betracht kommt [11].

Eine ein­heit­li­che Leis­tung liegt nicht nur dann vor, wenn eine Leis­tung als Haupt­leis­tung und ande­re Leis­tun­gen als Neben­leis­tun­gen zu beur­tei­len sind, son­dern auch dann, wenn zwei oder mehr Hand­lun­gen oder Ein­zel­leis­tun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen für den Leis­tungs­emp­fän­ger so eng mit­ein­an­der ver­bun­den sind, dass sie objek­tiv einen ein­zi­gen untrenn­ba­ren wirt­schaft­li­chen Vor­gang bil­den, des­sen Auf­spal­tung ‑aus der maß­geb­li­chen Sicht eines Durch­schnitts­ver­brau­chers- wirk­lich­keits­fremd wäre [12]. Aller­dings kön­nen meh­re­re Leis­tun­gen unter dem Gesichts­punkt von Haupt- und Neben­leis­tung nur dann zu einer ein­heit­li­chen Leis­tung „ver­schmol­zen“ wer­den, wenn die Leis­tun­gen gegen­über ein und dem­sel­ben Leis­tungs­emp­fän­ger erbracht wer­den; Neben­leis­tun­gen Drit­ter oder an Drit­te gibt es nicht [13].

Im Streit­fall ist ein Zusam­men­hang zwi­schen der Anäs­the­sie­leis­tung der Anäs­the­sis­tin, der chir­ur­gi­schen Leis­tung des Ope­ra­teurs und somit der (gemein­schaft­li­chen) Nut­zung der Ope­ra­ti­ons­räu­me nicht zu ver­ken­nen.

Vor wel­chem ver­trag­li­chen Hin­ter­grund die Anäs­the­sis­tin dem (jewei­li­gen) Ope­ra­teur die Räu­me und die Aus­stat­tung zur Durch­füh­rung einer Ope­ra­ti­on, an der die Anäs­the­sis­tin als Anäs­the­sis­tin teil­nahm, „über­ließ“, hat das Finanz­ge­richt indes nicht fest­ge­stellt. Ins­be­son­de­re feh­len Fest­stel­lun­gen zu den Ver­trags­ver­hält­nis­sen zwi­schen der Anäs­the­sis­tin sowie des Ope­ra­teurs zu dem jewei­li­gen Pati­en­ten. Danach steht nicht fest, ob ‑wie die Anäs­the­sis­tin vor­ge­tra­gen hat- der Behand­lungs­ver­trag zwi­schen ihr und dem Pati­en­ten alle Leis­tun­gen des „OP-Zen­trums“ umfass­te, der Ope­ra­teur die Leis­tun­gen des „OP-Zen­trums“ gar nicht erbrin­gen woll­te und mit dem Über­las­sen der Infra­struk­tur durch die Anäs­the­sis­tin im Fal­le eines Kas­sen­pa­ti­en­ten ledig­lich eine frem­de Leis­tung abrech­ne­te.

Das Finanz­ge­richt wird die­se Fest­stel­lun­gen im zwei­ten Rechts­gang nach­zu­ho­len haben.

Nach § 4 Nr. 16 Buchst. c UStG sind steu­er­frei die mit dem Betrieb der Kran­ken­häu­ser, Dia­gno­se­kli­ni­ken und ande­ren Ein­rich­tun­gen ärzt­li­cher Heil­be­hand­lung, Dia­gnos­tik oder Befund­er­he­bung … eng ver­bun­de­nen Umsät­ze, wenn bei Dia­gno­se­kli­ni­ken und ande­ren Ein­rich­tun­gen ärzt­li­cher Heil­be­hand­lung, Dia­gnos­tik oder Befund­er­he­bung die Leis­tun­gen unter ärzt­li­cher Auf­sicht erbracht wer­den und im vor­an­ge­gan­ge­nen Kalen­der­jahr min­des­tens 40 vom Hun­dert der Leis­tun­gen den in § 4 Nr. 15 Buchst. b UStG genann­ten Per­so­nen zugu­te gekom­men sind. Bei die­sen Per­so­nen han­delt es sich um die Ver­si­cher­ten der gesetz­li­chen Trä­ger der Sozi­al­ver­si­che­rung, die Emp­fän­ger von Sozi­al­hil­fe und die Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten.

Die Steu­er­be­frei­ung beruht uni­ons­recht­lich auf Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 77/​388/​EWG, nach der „die Kran­ken­haus­be­hand­lung und die ärzt­li­che Heil­be­hand­lung sowie die mit ihnen eng ver­bun­de­nen Umsät­ze, die von Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder unter Bedin­gun­gen, wel­che mit den Bedin­gun­gen für die­se Ein­rich­tun­gen in sozia­ler Hin­sicht ver­gleich­bar sind, von Kran­ken­an­stal­ten, Zen­tren für ärzt­li­che Heil­be­hand­lung und Dia­gnos­tik und ande­ren ord­nungs­ge­mäß aner­kann­ten Ein­rich­tun­gen glei­cher Art durch­ge­führt bezie­hungs­wei­se bewirkt wer­den“, steu­er­frei sind (nun­mehr Art. 132 Abs. 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL). Bei der gebo­te­nen richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung ent­spre­chend die­ser Vor­schrift [14] sind „als mit dem Betrieb der Kran­ken­häu­ser, … und ande­ren Ein­rich­tun­gen ärzt­li­cher Heil­be­hand­lung … eng verbundene(n) Umsät­ze“ i.S. von § 4 Nr. 16 Buchst. c UStG „die Kran­ken­haus­be­hand­lung und die ärzt­li­che Heil­be­hand­lung sowie die mit ihnen eng ver­bun­de­nen Umsät­ze“ anzu­se­hen.

Ob die Anäs­the­sis­tin eine „ande­re Ein­rich­tung ärzt­li­cher Heil­be­hand­lung“ i.S. von § 4 Nr. 16 Buchst. c UStG unter­hal­ten und ent­spre­chen­de Leis­tun­gen erbracht hat, hat das Finanz­ge­richt nicht geprüft. Die Anäs­the­sis­tin hat sich dar­auf im Revi­si­ons­ver­fah­ren ergän­zend beru­fen.

Die Anäs­the­sis­tin sieht ihre Pra­xis als OP-Zen­trum bzw. als Zen­trum für ärzt­li­che Heil­be­hand­lung i.S. von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 77/​388/​EWG an, für das (allein) sie ‑im Gegen­satz zu den Ope­ra­teu­ren- die vor­ge­schrie­be­ne Zulas­sung inne­ha­be.

Der Begriff der „Ein­rich­tung“ i.S. von § 4 Nr. 16 Buchst. c UStG ist grund­sätz­lich weit genug, um auch pri­va­te Ein­hei­ten mit Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht zu erfas­sen [15].

Ob die Anäs­the­sis­tin als Anäs­the­sis­tin mit ihrem OP-Zen­trum als „Ein­rich­tung ärzt­li­cher Heil­be­hand­lung“ i.S. von § 4 Nr. 16 Buchst. c UStG anzu­er­ken­nen ist, hat das Finanz­ge­richt ‑aus­ge­hend von sei­ner Rechts­auf­fas­sung- bis­her nicht fest­ge­stellt.

Da sich der mit der Kran­ken­haus- oder Heil­be­hand­lung eng ver­bun­de­ne Umsatz ent­spre­chend der EuGH-Recht­spre­chung danach defi­niert, ob er zur Errei­chung der damit ver­folg­ten the­ra­peu­ti­schen Zie­le unent­behr­lich ist [16], trifft die­ses Merk­mal auf das Bereit­stel­len eines geeig­net aus­ge­stat­te­ten Rau­mes zum Zwe­cke der Durch­füh­rung einer ambu­lan­ten Ope­ra­ti­on ‑wie im Streit­fall- zu.

Ob das wei­te­re Erfor­der­nis der Steu­er­be­frei­ung des § 4 Nr. 16 Buchst. c UStG, dass „im vor­an­ge­gan­ge­nen Kalen­der­jahr min­des­tens 40 vom Hun­dert der betref­fen­den Leis­tun­gen den in Num­mer 15 Buch­sta­be b genann­ten Per­so­nen zugu­te gekom­men sind“, erfüllt ist, muss das Finanz­ge­richt ggf. eben­falls fest­stel­len.

Teil A Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 77/​388/​EWG legt die Vor­aus­set­zun­gen und Moda­li­tä­ten der Aner­ken­nung nicht fest. Es ist daher grund­sätz­lich Sache des inner­staat­li­chen Rechts jedes Mit­glied­staats, die Regeln auf­zu­stel­len, nach denen die­sen Ein­rich­tun­gen eine sol­che Aner­ken­nung gewährt wer­den kann. Die Mit­glied­staa­ten ver­fü­gen inso­weit über ein Ermes­sen [17].

Die zustän­di­gen Behör­den haben bei der Aus­übung des ihnen zuste­hen­den Ermes­sens die uni­ons­recht­li­chen Grund­sät­ze, ins­be­son­de­re den Grund­satz der Gleich­be­hand­lung, zu beach­ten, der im Mehr­wert­steu­er­be­reich im Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät zum Aus­druck kommt [18]. Die natio­na­len Gerich­te haben zu prü­fen, ob die zustän­di­gen Behör­den die Gren­zen des ihnen ein­ge­räum­ten Ermes­sens ein­ge­hal­ten haben [19].

Zu der in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 77/​388/​EWG vor­ge­se­he­nen Befrei­ung hat der EuGH -§ 4 Nr. 16 Buchst. c UStG betref­fend- ent­schie­den, dass der Mit­glied­staat das ihm nach die­ser Bestim­mung zuste­hen­de Ermes­sen nicht schon dadurch über­schrei­tet, dass er für die Aner­ken­nung als in pri­vat­recht­li­cher Form orga­ni­sier­te Labors im Rah­men der Anwen­dung die­ser Bestim­mung ver­langt, dass min­des­tens 40 % der medi­zi­ni­schen Ana­ly­sen der betref­fen­den Labors Per­so­nen zugu­te­kom­men, die bei einem Trä­ger der Sozi­al­ver­si­che­rung ver­si­chert sind [20].

Ob der Streit­fall davon betrof­fen ist, dass der natio­na­le Gesetz­ge­ber in § 4 Nr. 16 Buchst. c UStG auf die Ver­hält­nis­se des vor­an­ge­gan­ge­nen Kalen­der­jahrs abstellt, wofür Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 77/​388/​EWG kei­ne Grund­la­ge bie­tet [21] und das der Anäs­the­sis­tin inso­weit ein Beru­fen auf das güns­ti­ge­re Uni­ons­recht ermög­lich­te, ist eben­falls nicht fest­ge­stellt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. März 2015 – XI R 15/​11

  1. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 30.03.2011 – XI R 30/​09, BFHE 233, 18, BStBl II 2011, 613, Rz 25, m.w.N.; vom 07.02.2013 – V R 22/​12, BFHE 240, 428, BStBl II 2014, 126, Rz 14, m.w.N.[]
  2. vgl. z.B. EuGH, Urteil Kli­ni­kum Dort­mund vom 13.03.2014 – C‑366/​12, EU:C:2014:143, UR 2014, 271, Rz 26, m.w.N.[]
  3. vgl. z.B. EuGH, Urteil Kli­ni­kum Dort­mund, EU:C:2014:143, UR 2014, 271, Rz 27, m.w.N.[]
  4. vgl. z.B. EuGH, Urteil Kli­ni­kum Dort­mund, EU:C:2014:143, UR 2014, 271, Rz 28, m.w.N.[]
  5. vgl. z.B. EuGH, Urteil Kli­ni­kum Dort­mund, EU:C:2014:143, UR 2014, 271, Rz 29, m.w.N.[]
  6. vgl. z.B. EuGH, Urteil Kli­ni­kum Dort­mund, EU:C:2014:143, UR 2014, 271, Rz 30, m.w.N.[]
  7. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 08.03.2012 – V R 30/​09, BFHE 237, 263, BStBl II 2012, 623, Rz 39, m.w.N.; vom 26.08.2014 – XI R 19/​12, BFHE 247, 246, BStBl II 2015, 310, Rz 22, 23, m.w.N.; vom 05.11.2014 – XI R 11/​13, zur amt­li­chen Ver­öf­fent­li­chung bestimmt, BFH/​NV 2015, 297, Rz 19 bis 23, m.w.N.[]
  8. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 18.08.2011 – V R 27/​10, BFHE 235, 58, BFH/​NV 2011, 2214, Rz 24; vom 08.08.2013 – V R 8/​12, BFHE 242, 548, BFH/​NV 2014, 119, Rz 18[]
  9. vgl. BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2005, 258, unter II. 1.b; vom 29.10.2013 – V B 58/​13, BFH/​NV 2014, 192, Rz 9[]
  10. vgl. EuGH, Urteil Kli­ni­kum Dort­mund, EU:C:2014:143, UR 2014, 271, Rz 32, m.w.N.[]
  11. vgl. dazu BFH, Beschluss in BFH/​NV 2014, 192, Rz 12[]
  12. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 29.09.2011 – V B 23/​10, BFH/​NV 2012, 75, m.w.N.; in BFH/​NV 2014, 192, Rz 12[]
  13. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 24.04.2013 – XI R 7/​11, BFHE 241, 459, BStBl II 2013, 648, Rz 62; vom 14.05.2014 – XI R 13/​11, BFHE 245, 424, BStBl II 2014, 734, Rz 37; Lan­ge, UR 2009, 289 ff.; Klenk in Rau/​Dürrwächter, Umsatz­steu­er­ge­setz, § 4 Nr. 10 Rz 66[]
  14. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 24.09.2014 – V R 19/​11, BFHE 247, 369, UR 2015, 57, Mehr­wert­steu­er­recht ‑MwStR- 2015, 213, Rz 20[]
  15. EuGH, Urtei­le Gregg vom 07.09.1999 – C‑216/​97, EU:C:1999:390, UR 1999, 419, Rz 18; Kingscrest Asso­cia­tes und Mon­te­cel­lo vom 26.05.2005 – C‑498/​03, EU:C:2005:322, UR 2005, 453, Rz 35[]
  16. vgl. EuGH, Urtei­le Ygeia vom 01.12 2005 – C‑394/​04, EU:C:2005:734, UR 2006, 171, Rz 25; Copy­Ge­ne vom 10.06.2010 – C‑262/​08, EU:C:2010:328, UR 2010, 526, Rz 40; BFH, Urteil in BFHE 247, 369, UR 2015, 57, MwStR 2015, 213, Rz 25[]
  17. vgl. dazu EuGH, Urtei­le Kingscrest Asso­cia­tes und Mon­te­cel­lo, EU:C:2005:322, UR 2005, 453, Rz 49, 51; Copy­Ge­ne, EU:C:2010:328, UR 2010, 526, Rz 63; Zim­mer­mann vom 15.11.2012 – C‑174/​11, EU:C:2012:716, UR 2013, 35, Rz 26[]
  18. vgl. dazu EuGH, Urteil Copy­Ge­ne, EU:C:2010:328, UR 2010, 526, Rz 64, m.w.N.[]
  19. vgl. ent­spre­chend zu Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG EuGH, Urteil Zim­mer­mann, EU:C:2012:716, UR 2013, 35, Rz 33, m.w.N.[]
  20. vgl. dazu EuGH, Urtei­le L.u.P. vom 08.06.2006 – C‑106/​05, EU:C:2006:380, UR 2006, 464, Rz 53 f.; Zim­mer­mann, EU:C:2012:716, UR 2013, 35, Rz 36; s. dazu auch BFH, Urteil vom 18.05.2015 – XI R 8/​13[]
  21. vgl. ent­spre­chend zu Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG EuGH, Urteil Zim­mer­mann, EU:C:2012:716, UR 2013, 35, Rz 40 f.; BFH, Urteil vom 19.03.2013 – XI R 47/​07, BFHE 240, 439, UR 2013, 555, MwStR 2013, 312, Rz 37[]