Das Verbot mentholhaltiger Raucherzeugnissen: Die Auswege der Shisha-Szene

Bereits seit Mai 2020 muss in der gesamten EU auf frischen Menthol-Geschmack beim Konsum von Tabakerzeugnissen verzichtet werden. Hieran konnte auch die Verfassungsbeschwerde eines Herstellers von Tabakerzeugnissen nichts ändern. Das Bundesverfassungsgericht verwarf seine Verfassungsbeschwerde als unzulässig. In der Folge scheinen nun insbesondere die Anbieter von Tabakerzeugnissen, die für den Konsum in Wasserpfeifen vorgesehen sind, einen Weg gefunden zu haben, um das Menthol-Verbot zu umgehen. 

Das Verbot mentholhaltiger Raucherzeugnissen: Die Auswege der Shisha-Szene

Das Menthol-Verbot als Teil der EU-Tabakrichtlinie

Obwohl sich der Bundesrat seinerzeit gegen ein Menthol Verbot aussprach, ist das Verbot bereits seit Mai 2020 Realität. Im Rahmen der EU-Tabakrichtlinie wurde es umgesetzt und soll den Tabakkonsum insbesondere jungen Rauchern weniger schmackhaft machen. Das von vielen Konsumenten als angenehm empfundene Menthol-Aroma soll Tabakkonsumenten, die eine herkömmliche Zigarette aufgrund ihres Geschmacks ablehnen würden, seither nicht mehr zum Tabakkonsum verleiten. 

Prinzipiell ging es bei der Ausarbeitung der Richtlinie insbesondere um ein Verbot von Menthol-Zigaretten. Dennoch von dem Verbot betroffen sind allerdings auch die Hersteller und Konsumenten von sogenanntem Shisha Tabak

Was genau ist Shisha Tabak?

Bei sogenanntem Shisha Tabak handelt es sich um eine aromatisierte Rauchtabakform, die ausschließlich in einer Wasserpfeife (der Shisha) geraucht wird. Shisha Tabak stellt dabei immer eine Tabakmischung dar, die aus Rauchtabak, Aromastoffen sowie Glycerin und Melasse besteht. 

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Um den Shisha Tabak rauchen zu können, wird er in den Tabakkopf der Wasserpfeife gefüllt. Dort wird er mithilfe spezieller Shishakohle erhitzt. Der dabei entstehende Dampf kann von den Rauchern inhaliert werden. 

Obwohl Shisha Tabak viel feuchter ist als gewöhnlicher Tabak und in Deutschland mit einem Feuchtigkeitsgehalt von bis zu 5 Prozent verkauft werden darf, handelt es sich dennoch um ein „gewöhnliches“ Tabakerzeugnis. Das hängt damit zusammen, dass auch Shisha Tabak auf Rauchtabak basiert. Dementsprechend handelt es sich unproblematisch um ein Tabakerzeugnis, auf welches die Vorschriften des TabakerzG anwendbar sind.

Menthol ist auch in Shisha Tabak verboten

Die einschlägige EU-Tabakrichtlinie (2014/40/EU) trifft Regelungen zum Verkauf, der Herstellung und der Aufmachung von Tabakerzeugnissen sowie verwandter Erzeugnisse. Das vorgesehene Verbot von Menthol-Zusätzen bezieht sich darum nicht allein auf Zigarette. Vielmehr werden Regelungen bezüglich Tabak- und verwandten Erzeugnissen getroffen. Dementsprechend ist auch Shisha Tabak als Tabakerzeugnis in den Regelungsbereich eingeschlossen.

Die in der EU-Richtlinie enthaltene Auflistung der Zusatzstoffe, die in Tabakerzeugnissen nicht verwendet werden dürfen, bezieht sich darum auch auf Shisha Tabak. Die Liste beinhaltet über 40 Stoffe. Menthol sowie Menthon, die Tabakerzeugnissen ein frisches Mentholaroma verleihen, zählen zu den verbotenen Stoffen. 

Warum ist Menthol in Tabakerzeugnissen verboten?

Menthol sowie Menthon dürfen in Tabakerzeugnissen nicht mehr verwendet werden, da die Aromastoffe den typischen, oft als unangenehm empfundenen Tabakgeschmack von Tabakerzeugnissen überdecken. Die bei der Inhalation von Tabakrauch einsetzende kühlende Wirkung des Menthols macht den Rauch von Tabakerzeugnissen außerdem leichter zu inhalieren. Daher wird angenommen, dass der Mentholgeschmack insbesondere Jugendliche oder Personen, die eigentlich nicht rauchen, dazu animiert, Tabakerzeugnisse zu konsumieren. Es wird davon ausgegangen, dass auch diejenigen, die eigentlich vom kratzig-herben Tabakgeschmack abgeschreckt werden würden, durch frische Menthol-Zusätze zum Rauchen „verführt“ würden. 

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Nicht nur Menthol-Zusätze sind verboten

Sinn und Zweck des Menthol-Verbots ist es, Geschmackszusätze in Tabakerzeugnissen, die insbesondere Jugendliche zum Rauchen verleiten können, aus dem legalen Verkauf auszuschließen. Dementsprechend können auch Aromazusätze, die nicht allein nach Menthol schmecken, teilweise nicht mehr erhältlich sein. Besonders oft ist das bei Shisha Tabak, der oft viele Aromen oder Aromamischungen enthält, der Fall.

Hierzu ein Beispiel: Auch Wasserpfeifentabak, der beispielsweise als „Zitronen-Tabak“ angeboten wurde, kann nicht erlaubte Menthol-Zusätze enthalten. Obwohl es sich nicht explizit um „Menthol-Tabak“ handelt, kann der Hersteller bisher kleine Mengen Menthol beigemischt haben, um dem Tabakgemisch einen frischen Geschmack zu verleihen. Auch solche Tabakmischungen, in denen Menthol nicht als „Hauptaroma“ verwendet wird, dürfen nicht mehr verkauft werden. 

Wie die Hersteller von Shisha Tabak das Menthol-Verbot umgehen wollen

Viele Hersteller von Shisha Tabak haben sich insbesondere aufgrund der vielfältigen Geschmacksvarianten, in denen sie ihre Tabakerzeugnisse anbieten, einen Namen gemacht. Entsprechend groß ist der Druck unter den Herstellern, bekannte und beliebte Geschmacksvarianten auch weiterhin anbieten zu können – selbst dann, wenn die Geschmacksrichtung Menthol-Zusätze enthält. 

Um ihre beliebtesten aromatisierten und ursprünglich mentholhaltigen Tabakerzeugnisse auch weiterhin anbieten zu können, greifen die Hersteller vermehrt auf Zwei-Komponenten-Systeme zurück. Im Falle von „Zitronen Tabak“, der eigentlich eine kleine Menge an Menthol enthält, bedeutet das: Dem Kunden wird eine Mischung des „Zitronen Tabaks“ angeboten, die bis auf den Menthol-Zusatz der ursprünglichen Zusammensetzung entspricht. Zusätzlich zu diesem Tabakerzeugnis erhält der Kunde jedoch eine kleine Menge eines separat gelieferten Aroma-Melasse-Gemischs, das Menthol enthält. Das Aroma-Melasse-Gemisch fügt der Käufer dann seinem „Zitrone Tabak“ selbst hinzu und erhält so ein Tabakerzeugnis, das das altbekannte Geschmackserlebnis garantiert.

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Einwände gegen diese Zwei-Komponenten-Lösung gibt es bisher nicht. Schließlich ist Menthol in dieser Angebotsform kein Bestandteil des Tabakerzeugnisses. Vielmehr wird es lediglich als „Zusatzprodukt“ angeboten. Eine weitere Alternative ist außerdem der Konsum mentholhaltiger Aromen in Wasserpfeifen ohne Tabak. Schließlich kommt bei der Verwendung von Wasserpfeifen mit Shiazo-Steinen oder getrockneten Früchten ohnehin kein Tabak zum Einsatz. Dementsprechend steht auch der Verwendung von Menthol in diesem Zusammenhang nichts entgegen.

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