Der Abi­ball – und das Job­cen­ter

Kos­ten für einen Abi­ball begrün­den kei­nen Mehr­be­darf.

Der Abi­ball – und das Job­cen­ter

In dem hier vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len ent­schie­de­nen Fall bean­trag­ten die Schü­le­rin­nen beim Job­cen­ter die zuschuss­wei­se Über­nah­me der Kos­ten für ihren Abi­ball in Höhe von jeweils 100,00 € für die Anmie­tung einer Loka­li­tät, 27,00 € für den Ein­tritt sowie etwa 90,00 € für neue Klei­der und Schu­he. Nach­dem das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf die Ableh­nung des Job­cen­ters bestä­tigt hat­te 1, bean­trag­ten sie beim Lan­des­so­zi­al­ge­richt die Zulas­sung der Beru­fung. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt lehn­te dies ab: Die Aus­le­gung des Geset­zes erge­be unzwei­fel­haft, dass die Aus­ga­ben für die Teil­nah­me an der Schul­ab­schluss­fei­er kei­nen Anspruch begrün­de­ten.

Die Anwen­dung von § 21 Abs. 6 SGB II schei­te­re bereits dar­an, dass es sich bei den Kos­ten nicht um davon erfass­te lau­fen­de, son­dern ein­ma­lig auf­tre­ten­de Bedar­fe han­de­le. Eine plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke, die zur Ver­mei­dung von Grund­rechts­ver­stö­ßen durch eine ana­lo­ge Anwen­dung geschlos­sen wer­den müss­te, lie­ge nicht vor. Denn Bedarfs­spit­zen bei durch grund­sätz­lich vom Regel­be­darf umfass­ten Aus­ga­ben wür­den in Form von Dar­le­hen nach § 24 Abs. 1 SGB II abge­fan­gen.

Zudem habe es sich bei dem Abi­ball nicht um eine schu­li­sche Ver­an­stal­tung gehan­delt, deren – wenn auch wün­schens­wer­ter – Besuch ver­pflich­tend gewe­sen wäre.

Über­dies kön­ne auch nicht erkannt wer­den, dass sämt­li­che ande­ren Mög­lich­kei­ten (z.B. eine Unter­stüt­zung durch den För­der­ver­ein) aus­ge­schöpft wor­den sei­en, um eine Inan­spruch­nah­me öffent­li­cher Mit­tel zu ver­mei­den. Allein unter die­sem Aspekt sei­en ver­fas­sungs­recht­li­che Argu­men­te für eine Aus­deh­nung der Norm gegen den ein­deu­ti­gen Wort­laut auch auf die hier gel­tend gemach­ten ein­ma­lig auf­tre­ten­den Aus­ga­ben nicht über­zeu­gend.

Das Glei­che gel­te für eine über die abschlie­ßen­de Auf­zäh­lung in § 28 Abs. 2 bis 7 SGB II hin­aus­ge­hen­de Aus­le­gung als Bedarf für Bil­dung und Teil­ha­be.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein ‑West­fa­len, Beschluss vom 19. August 2019 – L 6 AS 1953/​18 NZB

  1. SG Düs­sel­dorf, Urteil vom 22.10.2018 – S 43 AS 2221/​18[]