Der dop­pel­te Anstif­ter­vor­satz – und die Vor­stel­lung von der Haupt­tat

Der so genann­te dop­pel­te Anstif­ter­vor­satz muss sich auf das Her­vor­ru­fen des Tatent­schlus­ses sowie auf die Voll­endung der in ihren wesent­li­chen Grund­zü­gen bestimm­ten Haupt­tat bezie­hen 1.

Der dop­pel­te Anstif­ter­vor­satz – und die Vor­stel­lung von der Haupt­tat

Der Anstif­ter hat für die Haupt­tat eben­so ein­zu­ste­hen wie der Ange­stif­te­te selbst. Sein Vor­satz muss daher auch auf die Aus­füh­rung der in ihren wesent­li­chen Merk­ma­len oder Grund­zü­gen kon­kre­ti­sier­ten (Haupt)Tat bezo­gen sein 2.

Der Anstif­ter­vor­satz muss die frem­de Haupt­tat jedoch nicht in allen Ein­zel­hei­ten, son­dern nur in ihren Haupt­merk­ma­len erfas­sen 3. Aus­rei­chend kon­kre­ti­siert ist er zumin­dest dann, wenn er die­je­ni­gen Umstän­de umfasst, aus denen sich die durch die eige­ne Anstif­tungs­hand­lung ver­ur­sach­te frem­de rechts­wid­ri­ge Tat soweit erken­nen lässt, dass sie dem Tat­be­stand einer Straf­norm zuge­ord­net wer­den kann.

Das tat­be­stand­li­che Gesche­hen muss in der Vor­stel­lung des Anstif­ten­den als wenigs­tens umriss­haft indi­vi­dua­li­sier­tes Gesche­hen erschei­nen 4. Inso­weit genügt beding­ter Vor­satz. Die­ser liegt auch dann vor, wenn der Täter aus Gleich­gül­tig­keit mit jeder ein­tre­ten­den Mög­lich­keit ein­ver­stan­den ist 5.

Gemes­sen hier­an sah der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall den Anstif­ter­vor­satz in Bezug auf die jewei­li­gen Haupt­ta­ten trag­fä­hig belegt: Zwar hat das Land­ge­richt fest­ge­stellt, dass der Anstif­ter "von den Ein­zel­hei­ten des Bestell­vor­gangs" kei­ne Kennt­nis hat­te. Dies stellt jedoch unter den hier gege­be­nen Umstän­den den beding­ten Vor­satz im Hin­blick auf die jewei­li­gen Haupt­ta­ten nicht in Fra­ge. Der Anstif­ter wuss­te, dass der Haupt­tä­ter Tickets der Deut­schen Bahn ille­gal bestel­len konn­te und bat ihn jeweils unmit­tel­bar vor der Bestel­lung unter Nen­nung des Abfahrt- und Ziel­bahn­hofs dar­um, ent­spre­chen­de Fahr­kar­ten für ihn zu besor­gen und aus­zu­dru­cken, die er in der Fol­ge auch nutz­te. Bei die­ser Sach­la­ge steht das Feh­len der Kennt­nis über die Ein­zel­hei­ten des Bestell­vor­gangs der Annah­me nicht ent­ge­gen, dass der Anstif­ter den Haupt­tä­ter zu einer bestimm­ten Haupt­tat ange­stif­tet hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. August 2017 – 2 StR 362/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 23.03.2017 – 3 StR 260/​16, NJW 2017, 2134, 2135; Urteil vom 07.05.1996 – 1 StR 168/​96, BGHR StGB § 26 Vor­satz 2[]
  2. BGH, Urteil vom 21.04.1986 – 2 StR 661/​85, BGHSt 34, 63, 66[]
  3. BGH, Urteil vom 07.05.1996 – 1 StR 168/​96, BGHR StGB § 26 Vor­satz 2[]
  4. BGH, aaO, BGHSt 34, 63, 66[]
  5. BGH, Urteil vom 12.01.2005 – 2 StR 229/​04, BGHSt 50, 1, 6 f.; Urteil vom 02.11.1994 – 2 StR 449/​94, BGHSt 40, 304, 306[]