Der Hob­by­brau­er – und der ermä­ßig­te Bier­steu­er­satz

Fehlt die ent­spre­chen­de Erlaub­nis im Sin­ne des Bier­steu­er­ge­set­zes, kommt der ermä­ßig­te Steu­er­satz bei der Anmel­dung nicht zur Anwen­dung, wenn es sich nicht um Bier aus einer unab­hän­gi­gen Braue­rei han­delt.

Der Hob­by­brau­er – und der ermä­ßig­te Bier­steu­er­satz

Mit die­ser Begrün­dung hat das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Hob­by­brau­ers zurück­ge­wie­sen. Die­ser zeig­te zunächst an, inner­halb der nächs­ten 12 Mona­te in unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den als Hob­by­brau­er Bier für den Eigen­ge­brauch bis zu einer
Men­ge von 2 Hek­to­li­ter (hl) zu brau­en. Sodann teil­te er dem Haupt­zoll­amt mit, ein Neben­ge­wer­be ange­mel­det zu haben, um sei­ne Über­schüs­se ver­kau­fen zu kön­nen. Das Haupt­zoll­amt wies ihn dar­auf hin, dass dies eine Besteue­rung für gewerb­lich her­ge­stell­tes Bier nach dem Regel­steu­er­satz zur Fol­ge habe. Der Klä­ger reich­te eine Steu­er­an­mel­dung ein. Er errech­ne­te aber eine Steu­er zum ermä­ßig­ten Steu­er­satz in Höhe von 26,43 Euro. Das beklag­te Haupt­zoll­amt wand­te den Regel­steu­er­satz an und ermit­tel­te eine Steu­er in Höhe von 47,14 Euro.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg aus­ge­führt, die Bier­steu­er ent­ste­he für das vom Klä­ger als Hob­by­brau­er her­ge­stell­te Bier durch Her­stel­lung ohne Erlaub­nis nach dem Bier­steu­er­ge­setz. Auf das vom Klä­ger zur Ver­steue­rung ange­mel­de­te Bier sei der Regel­steu­er­satz anzu­wen­den. Der ermä­ßig­te Steu­er­satz kom­me nicht zur Anwen­dung, da es sich nicht um Bier aus einer unab­hän­gi­gen Braue­rei hand­le. Die Bier­steu­er­ver­ord­nung defi­nie­re Braue­rei als "jedes Steuer­la­ger, in dem Bier unter Steu­er­aus­set­zung im Brau­ver­fah­ren her­ge­stellt und gela­gert wer­den darf." Ein Steuer­la­ger sei ein „Ort, an oder von dem Bier unter Steu­er­aus­set­zung im Brau­ver­fah­ren oder auf ande­re Wei­se her­ge­stellt, bear­bei­tet oder ver­ar­bei­tet, gela­gert, emp­fan­gen oder ver­sandt wer­den darf“. Bei der Braue­rei des Klä­gers hand­le es sich nicht um ein Steuer­la­ger. Es feh­le die ent­spre­chen­de Erlaub­nis im Sin­ne des Bier­steu­er­ge­set­zes. Auch wenn die Bun­des­zoll­ver­wal­tung den ermä­ßig­ten Steu­er­satz anwen­de, wenn Haus-und Hob­by­brau­er Bier über die Men­ge von 2 hl pro Jahr aus­schließ­lich für den eige­nen Ver­brauch her­stel­len, habe dies kei­ne Aus­wir­kung im Streit­fall. Es feh­le inso­weit an einer Rechts­grund­la­ge für den ermä­ßig­ten Steu­er­satz bei Über­schrei­ten der Höchst­men­ge von 2hl. Nach der EU-Richt­li­nie 92/​83/​EWG (Struk­tur­richt­li­nie) kön­nen die Mit­glied­staa­ten ledig­lich Bier­brau­er von der Steu­er bis zu einer Jah­res­men­ge von 2 hl befrei­en, sofern kein Ver­kauf statt­fin­det. Hier­von habe die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Gebrauch gemacht. Der Klä­ger habe jedoch auch Bier ver­kauft.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 20. Mäez 2018 – 11 K 1344/​17