Der nach­träg­li­che Weg­fall der Steu­er­be­güns­ti­gung des Betriebs­ver­mö­gens in der Erb­schafts­steu­er

Der nach­träg­li­che Weg­fall der Steu­er­be­güns­ti­gung des Betriebs­ver­mö­gens gemäß § 13a Abs. 5 Nr. 1 Satz 1 ErbStG tritt unab­hän­gig davon ein, aus wel­chen Grün­den das Betriebs­ver­mö­gen ver­äu­ßert wur­de und ob die Ver­äu­ße­rung frei­wil­lig oder unfrei­wil­lig erfolg­te.

Der nach­träg­li­che Weg­fall der Steu­er­be­güns­ti­gung des Betriebs­ver­mö­gens in der Erb­schafts­steu­er

Hat sich die Betei­li­gung des Gesell­schaf­ters einer Per­so­nen­ge­sell­schaft durch einen nach § 13a Abs. 1 und 2 ErbStG begüns­tig­ten Erwerb erhöht, kön­nen bei einer anschlie­ßen­den Ver­äu­ße­rung von Gesell­schafts­an­tei­len die Steu­er­be­güns­ti­gun­gen nach § 13a Abs. 5 Nr. 1 Satz 1 ErbStG nur inso­weit ent­fal­len, als der Gesell­schaf­ter nach der Ver­äu­ße­rung nicht mehr in Höhe des begüns­tigt erwor­be­nen Gesell­schafts­an­teils betei­ligt ist.

Der Frei­be­trag des § 13a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ErbStG und der ver­min­der­te Wert­an­satz nach des­sen Abs. 2 wer­den u.a. gewährt, wenn inlän­di­sches Betriebs­ver­mö­gen i.S. des § 13a Abs. 4 Nr. 1 ErbStG beim Erwerb von Todes wegen auf den Erwer­ber über­geht. Nach § 13a Abs. 5 Nr. 1 Satz 1 ErbStG fal­len der Frei­be­trag oder Frei­be­trags­an­teil und der ver­min­der­te Wert­an­satz mit Wir­kung für die Ver­gan­gen­heit weg, soweit der Erwer­ber inner­halb von fünf Jah­ren nach dem Erwerb u.a. einen Gewer­be­be­trieb oder einen Teil­be­trieb oder einen Anteil an einer Gesell­schaft i.S. des § 18 Abs. 4 EStG ver­äu­ßert.

Zu einer Ver­äu­ße­rung i.S. des § 13a Abs. 5 Nr. 1 Satz 1 ErbStG zählt jede ent­gelt­li­che Über­tra­gung eines nach § 13a Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 ErbStG begüns­tigt erwor­be­nen Mit­un­ter­neh­mer­an­teils. Der Weg­fall der Steu­er­be­frei­ung tritt unab­hän­gig davon ein, aus wel­chen Grün­den das begüns­tigt erwor­be­ne Betriebs­ver­mö­gen ver­äu­ßert wur­de und ob die Ver­äu­ße­rung frei­wil­lig oder unfrei­wil­lig erfolg­te. Durch § 13a ErbStG soll näm­lich nur erreicht wer­den, dass eine Betriebs­fort­füh­rung durch den Erwer­ber nicht aus Grün­den der Erb­schaft­steu­er­be­las­tung schei­tert1. § 13a Abs. 5 ErbStG ist nicht im Wege einer teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on auf die Fäl­le zu beschrän­ken, in denen die Ver­äu­ße­rung frei­wil­lig erfolgt2. Nichts ande­res gilt für die Ver­äu­ße­rung zur Erfül­lung von Pflicht­teils­an­sprü­chen oder sons­ti­gen Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten. Ande­ren­falls wür­den Erwer­ber von Unter­neh­mens­ver­mö­gen unzu­läs­sig gegen­über sons­ti­gen Erwer­bern begüns­tigt. Dies wäre vom ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­si­gen Dif­fe­ren­zie­rungs­grund „Schutz der Betrie­be” nicht mehr gedeckt3.

Ist der Erwer­ber bereits vor dem nach § 13a Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 ErbStG begüns­tig­ten Erwerb einer Betei­li­gung an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft als Gesell­schaf­ter betei­ligt gewe­sen, geht der erwor­be­ne Anteil in einer ein­heit­li­chen Mit­glied­schaft mit der bis­he­ri­gen Betei­li­gung des Erwer­bers auf4. Es kann dahin­ste­hen, ob danach bei einer Ver­äu­ße­rung von Gesell­schafts­an­tei­len über­haupt noch eine Unter­schei­dung nach ursprüng­li­chen und neu erwor­be­nen Antei­len vor­ge­nom­men wer­den kann. Jeden­falls ist in Bezug auf § 13a Abs. 5 Nr. 1 ErbStG zuguns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen davon aus­zu­ge­hen, dass die Steu­er­be­güns­ti­gun­gen nur inso­weit weg­fal­len kön­nen, als der Gesell­schaf­ter nach der Ver­äu­ße­rung nicht mehr in Höhe des begüns­tigt erwor­be­nen Gesell­schafts­an­teils betei­ligt ist. Dies folgt aus dem Zweck des § 13a Abs. 5 ErbStG, wonach die Nach­be­steue­rung nur das begüns­tigt erwor­be­ne Ver­mö­gen erfas­sen soll5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Febru­ar 2014 – II R 36/​12

  1. BFH, Urteil vom 17.03.2010 – II R 3/​09, BFHE 229, 369, BSt­Bl II 2010, 749
  2. vgl. BFH, Urteil vom 21.03.2007 – II R 19/​06, BFH/​NV 2007, 1321, für den Fall der zwangs­wei­sen Betriebs­auf­ga­be durch Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens; und vom 11.11.2009 – II R 63/​08, BFHE 227, 369, BSt­Bl II 2010, 305, zu Über­ent­nah­men zur Schen­kungsteu­er­til­gung
  3. vgl. BFH, Urteil in BFHE 227, 369, BSt­Bl II 2010, 305
  4. vgl. BFH, Urteil vom 23.02.2010 – II R 42/​08, BFHE 228, 184, BSt­Bl II 2010, 555
  5. gl.A. Jüli­cher in Troll/​Gebel/​Jülicher, ErbStG, § 13a Rz 240; Phil­ipp in Viskorf/​Knobel/​Schuck/​Wälzholz, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, Bewer­tungs­ge­setz, 4. Aufl., § 13a ErbStG Rz 73; Wein­mann in Moench/​Weinmann, § 13a ErbStG Rz 91; Creze­li­us in Der Betrieb 1997, 1586; eben­so die Ansicht der Finanz­ver­wal­tung in R E 13a.6 Abs. 1 Satz 4 der Erb­schaft­steu­er­richt­li­ni­en 2011 für Erwerbs­vor­gän­ge, für die die Steu­er nach dem 2.11.2011 ent­stan­den ist