Der tele­fo­ni­sche Hin­weis des Richters

Der Rich­ter darf einem Betei­lig­ten einen recht­li­chen Hin­weis auch münd­lich oder tele­fo­nisch ertei­len bzw. den Sach- und Streit­stand tele­fo­nisch mit einem Betei­lig­ten erör­tern. Der Inhalt eines sol­chen (Tele­fon-)Gesprächs muss aller­dings durch einen Akten­ver­merk doku­men­tiert wer­den. Dar­über hin­aus muss der jewei­li­ge Pro­zess­geg­ner vor Erlass einer Ent­schei­dung in den glei­chen Kennt­nis­stand ver­setzt wer­den, indem auch ihm die rich­ter­li­chen Hin­wei­se mit­ge­teilt wer­den [1].

Der tele­fo­ni­sche Hin­weis des Richters

Rich­ter­li­che Hin­wei­se, die münd­lich oder tele­fo­nisch erteilt wer­den ‑was grund­sätz­lich zuläs­sig ist‑, müs­sen nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum einen voll­stän­dig doku­men­tiert wer­den, so dass sich nach­voll­zieh­bar aus den Akten ergibt, wer wann wem gegen­über wel­chen Hin­weis gege­ben hat. Dar­über hin­aus ist es ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten, den jewei­li­gen Geg­ner vor Erlass einer Ent­schei­dung in den glei­chen Kennt­nis­stand zu ver­set­zen, indem auch ihm die rich­ter­li­chen Hin­wei­se zeit­nah mit­ge­teilt wer­den [2].

Ver­stö­ße des Rich­ters gegen die­se Gebo­te der Neu­tra­li­tät und Par­tei­öf­fent­lich­keit wer­den in der Regel einen Grund für eine Ableh­nung wegen Besorg­nis der Befan­gen­heit (§ 42 ZPO) dar­stel­len [3].

Eine sol­che Ver­fah­rens­füh­rung, bei der es sich nicht um ein ein­ma­li­ges Ver­se­hen han­delt, son­dern die sich über einen lan­gen Zeit­raum erstreckt, wider­spricht grund­le­gen­den pro­zes­sua­len Vor­ga­ben und betei­lig­ten­schüt­zen­den Garan­tien der FGO und des GG.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Mai 2020 – X R 27/​19

Der telefonische Hinweis des Richters
  1. Anschluss an BVerfG, Beschluss vom 30.09.2018 – 1 BvR 1783/​17, NJW 2018, 3631, Rz 24[]
  2. zum Gan­zen BVerfG, Beschluss vom 30.09.2018 – 1 BvR 1783/​17, NJW 2018, 3631, Rz 24; vgl. auch Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs vom 11.04.2013 – I ZB 91/​11, HFR 2014, 266, Rz 23[]
  3. Zöller/​Vollkommer, Zivil­pro­zess­ord­nung, 33. Aufl., § 42 Rz 25, m.w.N.[]