Die Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Ver­wal­tungs­ge­richs – und sei­ne Gren­zen

Nach § 86 Abs. 1 Satz 1 VwGO obliegt den Tat­sa­chen­ge­rich­ten die Pflicht, jede mög­li­che Auf­klä­rung des ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halts bis zur Gren­ze der Zumut­bar­keit zu ver­su­chen, sofern dies für die Ent­schei­dung des Rechts­streits erfor­der­lich ist 1.

Die Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Ver­wal­tungs­ge­richs – und sei­ne Gren­zen

Dabei ent­schei­det das Tat­sa­chen­ge­richt über die Art der her­an­zu­zie­hen­den Beweis­mit­tel und den Umfang der Beweis­auf­nah­me im Rah­men sei­ner Pflicht zur Sach­ver­halts­er­mitt­lung von Amts wegen nach Ermes­sen. Dies gilt auch für die Ein­ho­lung von Gut­ach­ten oder die Ergän­zung vor­han­de­ner Gut­ach­ten oder Arzt­be­rich­te und selbst dann, wenn eine sol­che Maß­nah­me der Sach­ver­halts­er­mitt­lung von einem Betei­lig­ten ange­regt wor­den ist 2.

Die Auf­klä­rungs­pflicht ver­langt hin­ge­gen nicht, dass ein Tat­sa­chen­ge­richt Ermitt­lun­gen anstellt, die aus sei­ner Sicht unnö­tig sind, weil deren Ergeb­nis nach sei­nem Rechts­stand­punkt für den Aus­gang des Rechts­streits uner­heb­lich ist 3.

Die gericht­li­che Auf­klä­rungs­pflicht ist ver­letzt, wenn sich das Gericht auf ein ein­ge­hol­tes Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten stützt, das objek­tiv unge­eig­net ist, ihm die für die rich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung not­wen­di­gen sach­li­chen Grund­la­gen zu ver­mit­teln. Dies ist im All­ge­mei­nen der Fall, wenn das vor­lie­gen­de Gut­ach­ten auch für den Nicht­sach­kun­di­gen erkenn­ba­re Män­gel auf­weist, etwa nicht auf dem all­ge­mein aner­kann­ten Stand der Wis­sen­schaft beruht, von unzu­tref­fen­den tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen aus­geht, unlös­ba­re inhalt­li­che Wider­sprü­che ent­hält oder Anlass zu Zwei­feln an der Sach­kun­de oder Unpar­tei­lich­keit des Sach­ver­stän­di­gen gibt. Die Ver­pflich­tung zur Ergän­zung des vor­lie­gen­den Gut­ach­tens folgt nicht schon dar­aus, dass ein Betei­lig­ter die­ses als Erkennt­nis­quel­le für unzu­rei­chend hält 4.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 27. April 2016 – 2 B 23.15

  1. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 06.02.1985 – 8 C 15.84, BVerw­GE 71, 38, 41; und vom 06.10.1987 – 9 C 12.87, Buch­holz 310 § 98 VwGO Nr. 31 S. 1[]
  2. BVerwG, Urteil vom 06.10.1987 – 9 C 12.87, Buch­holz 310 § 98 VwGO Nr. 31 S. 2; Beschluss vom 30.06.2010 – 2 B 72.09[]
  3. stRspr, vgl. BVerwG, Urteil vom 14.01.1998 – 11 C 11.96, BVerw­GE 106, 115, 119 und Beschluss vom 11.02.2016 – 2 B 51.14 13[]
  4. stRspr, vgl. BVerwG, Urteil vom 06.02.1985 – 8 C 15.84, BVerw­GE 71, 38, 45; Beschluss vom 29.05.2009 – 2 B 3.09, Buch­holz 235.1 § 58 BDG Nr. 5 Rn. 7[]