Die Ver­gü­tung eines anwalt­li­chen Nach­lass­pfle­gers

Die Ver­gü­tung eines anwalt­li­chen Nach­lass­pfle­gers bei einer Pfleg­schaft durch­schnitt­li­chen Schwie­rig­keits­gra­des bemisst sich nach einem Stun­den­satz von 90, 00 €.

Die Ver­gü­tung eines anwalt­li­chen Nach­lass­pfle­gers

Die Höhe des dem Nach­lass­pfle­ger zuste­hen­den Stun­den­sat­zes rich­tet sich – da § 3 VBVG nur beim mit­tel­lo­sen Nach­lass anwend­bar ist – gemäß § 1915 Absatz 1 BGB nach den für die Füh­rung der Pfleg­schafts­ge­schäf­te nutz­ba­ren Fach­kennt­nis­sen des Pfle­gers sowie nach deren Umfang und Schwie­rig­keit. Fes­te Stun­den­sät­ze für die Tätig­keit des Nach­lass­pfle­gers sind weder dem Gesetz zu ent­neh­men noch haben sie sich in der Recht­spre­chung für bestimm­te Auf­ga­ben­kon­stel­la­tio­nen oder Berufs­grup­pen her­aus­ge­bil­det; es wer­den aller­dings – ins­be­son­de­re für anwalt­li­che Nach­lass­pfle­ger – je nach Schwie­rig­keits­gra­des der Ver­wal­tung Stun­den­sät­ze zuge­spro­chen, die deut­lich über den Sät­zen des § 3 VBVG lie­gen. Bei der Beur­tei­lung des Schwie­rig­keits­gra­des einer Pfleg­schaft wer­den unter ande­rem die Struk­tur des Aktiv- und Pas­siv­nach­las­ses, das Auf­tau­chen schwie­ri­ger Rechts­fra­gen im Zusam­men­hang mit der Erben­er­mitt­lung oder Ver­wal­tung, grö­ße­re Haf­tungs­ge­fah­ren bei gro­ßem, dif­fe­ren­ziert ange­leg­tem Ver­mö­gen und die Fra­ge berück­sich­tigt, ob der Erb­las­ser an Unter­neh­men oder Erben­ge­mein­schaf­ten betei­ligt war 1. Auch die Dau­er der Pfleg­schaft und der Aus­maß der damit ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung kön­nen sich auf die Ver­gü­tungs­hö­he aus­wir­ken 2, fer­ner, ob Hilfs­tä­tig­kei­ten von Mit­ar­bei­tern des Nach­lass­pfle­gers mit­ver­gü­tet wer­den 3. Viel­fach wird in neue­ren ober­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen zwi­schen ein­fa­chen, mitt­le­ren und schwie­ri­gen Pfleg­schaf­ten unter­schie­den, wobei für Nach­läs­se mitt­le­ren Schwie­rig­keits­gra­des Sät­ze von 43 € 4, 70 bis 90 € 5, 90 € 6, 100 bis 110 € 7, 110 € 8 ange­setzt wer­den.

Unter Zugrun­de­le­gung der dem Nach­lass­pfle­ger zukom­men­den Auf­ga­ben, der Struk­tur des Nach­las­ses und der Schwie­rig­keit der Abwick­lung ist hier einen Stun­den­satz von net­to 90 € zugrun­de zu legen.

Die beson­de­ren Fach­kennt­nis­se eines Rechts­an­walts waren für die Füh­rung der Nach­lass­pfleg­schaft nur in ver­hält­nis­mä­ßig klei­nen, wirt­schaft­lich nicht beson­ders bedeu­ten­den Teil­be­rei­chen erfor­der­lich, etwa bei der Prü­fung der Berech­ti­gung der Rück­for­de­rung einer pri­va­ten Ren­te durch eine Ver­si­che­rung. Im Übri­gen waren – etwa für Nach­fra­gen bei Ban­ken und dem Grund­buch­amt, die Ein­ho­lung von Grund­buch­aus­zü­gen und die Ent­ge­gen­nah­me von Schrei­ben – anwalt­li­che Fach­kennt­nis­se nicht erfor­der­lich.

Das Haf­tungs­ri­si­ko des Nach­lass­pfle­gers im hier ent­schie­de­nen Fall war eher unter­durch­schnitt­lich. Zwar war ein erheb­li­ches Aktiv­ver­mö­gen von 312.237,42 € zu ver­wal­ten, dem aber nur gerin­ge Ver­bind­lich­kei­ten gegen­über­stan­den. Ange­sichts der Struk­tur des Nach­las­ses, der im Wesent­li­chen in zwei – soweit ersicht­lich – nicht ver­mie­te­ten Immo­bi­li­en und drei nicht spe­ku­la­ti­ven Anla­gen bei einer ein­zi­gen Bank gebun­den war, waren beson­ders haf­tungs­träch­ti­ge Ver­wal­tungs­maß­nah­men nicht ver­an­lasst.

Die Ver­wal­tung des Nach­las­ses hat­te einen allen­falls durch­schnitt­li­chen Schwie­rig­keits­grad. Neben den Bank­gut­ha­ben, die bei einem ein­zel­nen Insti­tut auf Giro- und Spar­kon­ten geführt wur­den, waren ledig­lich Bar­ver­mö­gen, gering­wer­ti­ger Schmuck, zwei Immo­bi­li­en und zwei klei­ne­re For­de­run­gen vor­han­den. Grö­ße­re oder beson­ders schwie­rig zu beur­tei­len­de Ver­bind­lich­kei­ten waren nicht zu erfül­len.

Beson­de­re Schwie­rig­kei­ten im Bereich der Erben­er­mitt­lung bestan­den nicht. Zwar gehör­te die­se auch zum Auf­ga­ben­kreis des Nach­lass­pfle­gers. Ers­te Ermitt­lun­gen zu den Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis­sen der Erb­las­se­rin hat­te aber bereits das Nach­lass­ge­richt ange­stellt. Wei­te­re Nach­for­schun­gen in die­ser Rich­tung hat der Nach­lass­pfle­ger, wie sich aus sei­nem Bericht ergibt, nicht ange­stellt; sei­ne Tätig­keit in die­sem Bereich kon­zen­trier­te sich in ers­ter Linie auf die Suche nach einem mög­li­chen Ori­gi­nal des errich­te­ten Tes­ta­ments.

Die vom Nach­lass­pfle­ger ange­führ­te Recht­spre­chung recht­fer­tigt kei­ne ande­re Beur­tei­lung. Der Beschluss des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts vom 27.09.2010 9 betraf kei­ne Nach­lass­pfleg­schaft mit ver­gleich­ba­rem Schwie­rig­keits­grad. Wie sich aus der Begrün­dung die­ser Ent­schei­dung ergibt, fie­len in den dor­ti­gen Nach­lass Gesell­schafts­an­tei­le einer in Abwick­lung befind­li­chen GmbH sowie ein Betriebs­grund­stück. Dass für eine sol­che Pfleg­schaft erheb­li­che – auch anwalt­li­che – Fach­kennt­nis benö­tigt wer­den, liegt auf der Hand. Ver­gleich­ba­re Auf­ga­ben kamen dem Betei­lig­ten zu 1 hier indes nicht zu. Die Ent­schei­dung des Land­ge­richts Mün­chen I vom 18.07.2002 10 stützt die­se Auf­fas­sung schon des­halb nicht, weil dort nicht Stun­den­sät­ze von 200 – 300 EUR, son­dern von – brut­to – 200 – 300 DM ange­spro­chen sind, unter Berück­sich­ti­gung des dama­li­gen 16%igen Umsatz­steu­er­satz also von 88 bis 132 € net­to; sie lässt zudem Ein­zel­hei­ten zu der Schwie­rig­keit der dort anste­hen­den Ver­wal­tung nicht erken­nen.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 11. März 2015 – 11 Wx 11/​15

  1. OLG Jena NJW-RR 2013, 1229[]
  2. Zim­mer­mann, Nach­lass­pfleg­schaft, 3. Auf­la­ge, Rn. 772[]
  3. Jochum/​Pohl, Nach­lass­pfleg­schaft, 5. Auf­la­ge, Rn. 851 ff.[]
  4. OLG Dres­den ZEV 2007, 526[]
  5. OLG Jena, a. a. O.[]
  6. OLG Schles­wig RPfle­ger 2014, 22 18[]
  7. OLG Cel­le RPfle­ger 2012, 257 10[]
  8. KG Fam­RZ 2012, 818; OLG Hamm FGPrax 2014, 165; OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 17.01.2014 – 3 Wx 130/​13 8; wohl auch OLG Stutt­gart Rpfle­ger 2013, 396[]
  9. OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 27.09.2010 – 6 Wx 2/​10, ZEV 2010, 637[]
  10. LG Mün­chen I, Rpfle­ger 2003, 249[]