Die Ver­wir­kung im Zei­ten­lauf

Die Ver­wir­kung als Unter­fall der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung wegen der illoy­al ver­spä­te­ten Gel­tend­ma­chung von Rech­ten setzt neben einem Zeit­mo­ment ein Umstands­mo­ment vor­aus. Ein Recht ist ver­wirkt, wenn sich der Schuld­ner wegen der Untä­tig­keit sei­nes Gläu­bi­gers über einen gewis­sen Zeit­raum hin bei objek­ti­ver Beur­tei­lung dar­auf ein­rich­ten darf und ein­ge­rich­tet hat, die­ser wer­de sein Recht nicht mehr gel­tend machen, so dass die ver­spä­te­te Gel­tend­ma­chung gegen Treu und Glau­ben ver­stößt.

Die Ver­wir­kung im Zei­ten­lauf

Zeitund Umstands­mo­ment kön­nen nicht von­ein­an­der unab­hän­gig betrach­tet wer­den, son­dern ste­hen in einer Wech­sel­wir­kung. Je län­ger der Inha­ber des Rechts untä­tig bleibt, des­to mehr wird der Geg­ner in sei­nem Ver­trau­en schutz­wür­dig, das Recht wer­de nicht mehr aus­ge­übt wer­den [1].

Zu dem Zeit­ab­lauf müs­sen beson­de­re, auf dem Ver­hal­ten des Berech­tig­ten beru­hen­de Umstän­de hin­zu­tre­ten, die das Ver­trau­en des Ver­pflich­te­ten recht­fer­ti­gen, der Berech­tig­te wer­de sein Recht nicht mehr gel­tend machen.

Ob eine Ver­wir­kung vor­liegt, rich­tet sich letzt­lich nach den vom Tatrich­ter fest­zu­stel­len­den und zu wür­di­gen­den Umstän­den des Ein­zel­fal­les, ohne dass inso­fern auf Ver­mu­tun­gen zurück­ge­grif­fen wer­den kann [2]. Die Bewer­tung des Tatrich­ters kann in der Revi­si­ons­in­stanz nur dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob sie auf einer trag­fä­hi­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge beruht, alle erheb­li­chen Gesichts­punk­te berück­sich­tigt und nicht gegen Denk­ge­set­ze oder Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt oder von einem fal­schen Wer­tungs­maß­stab aus­geht [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Febru­ar 2020 – XI ZR 25/​19

  1. BGH, Urtei­le vom 10.10.2017 – XI ZR 393/​16, WM 2017, 2247 Rn. 9; und vom 16.10.2018 – XI ZR 45/​18, WM 2018, 2274 Rn. 14; BGH, Beschluss vom 23.01.2018 – XI ZR 298/​17, WM 2018, 614 Rn. 9[]
  2. BGH, Urtei­le vom 12.07.2016 – XI ZR 501/​15, BGHZ 211, 105 Rn. 40 und – XI ZR 564/​15, BGHZ 211, 123 Rn. 37; vom 11.10.2016 – XI ZR 482/​15, BGHZ 212, 207 Rn. 30; vom 14.03.2017 – XI ZR 442/​16, WM 2017, 849 Rn. 27 sowie vom 16.10.2018, aaO; BGH, Beschluss vom 23.01.2018, aaO[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 12.07.2016 – XI ZR 501/​15, aaO, Rn. 18, und – XI ZR 564/​15, aaO, Rn. 43 sowie vom 16.10.2018, aaO; BGH, Beschluss vom 23.01.2018, aaO[]