Ein Man­gel des Pfer­des

Stellt sich – trotz Pro­be­ritt – nach dem Kauf ein Pferd als schwie­rig her­aus, kann das zu einem Rück­tritt vom Kauf­ver­trag berech­ti­gen.

Ein Man­gel des Pfer­des

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Rei­te­rin ent­schie­den, die statt eines umgäng­li­chen Pfer­des ein sen­si­bles, schwie­ri­ges Tier erstan­den hat­te. Mit 58 Jah­ren hat­te die Rei­te­rin aus New York mit dem Reit­un­ter­richt begon­nen. Sie such­te ein umgäng­li­ches und leich­trit­ti­ges sowie lek­ti­ons­si­che­res Lehr­pferd, das für sie mit ihren gerin­gen Erfah­run­gen geeig­net sein soll­te. Der Beklag­te aus dem Land­kreis Ems­land stell­te ihr das Pferd "Com­in­go" vor. Nach drei Pro­be­rit­ten wur­de der Kauf besie­gelt. In der Fol­ge stell­te sich her­aus, dass das Pferd nicht so ein­fach zu hand­ha­ben war. Es ließ sich kaum lon­gie­ren und muss­te beim Auf­stei­gen fest­ge­hal­ten wer­den. Die Rei­te­rin erklär­te den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag wegen eines "Sach­man­gels". Das Pferd habe nicht die ver­ein­bar­te Beschaf­fen­heit. Der Ver­käu­fer woll­te von einem Rück­tritt nichts wis­sen. An sich han­de­le es sich bei Com­in­go um ein bra­ves und leicht zu hand­ha­ben­des Pferd.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Par­tei­en eine soge­nann­te Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung getrof­fen hät­ten. Das Pferd habe leicht zu hand­ha­ben sein sol­len. Dies sei aber nicht der Fall. Zeu­gen hät­ten bestä­tigt, dass sich das Tier miss­trau­isch ver­hal­te, sich in der Box nicht grei­fen las­se und ner­vös und unbe­re­chen­bar sei. Einer hin­zu­ge­zo­ge­nen Sach­ver­stän­di­gen gelang es zwar, unter gro­ßer Vor­sicht das Pferd zu lon­gie­ren. Es han­de­le sich aber um ein sehr sen­si­bles Tier, für des­sen Hand­ha­bung beson­de­re Erfah­run­gen not­wen­dig sei­en, so die Sach­ver­stän­di­ge. Es sei für einen Anfän­ger nicht geeig­net.

Trotz der Pro­be­rit­te war nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts nicht davon aus­zu­ge­hen, dass der Rei­te­rin der Man­gel des Pfer­des umfas­send bekannt oder auf­grund gro­ber Fahr­läs­sig­keit nicht bekannt war, was eine Rück­tritts­be­rech­ti­gung aus­ge­schlos­sen hät­te.

Die Rei­te­rin habe dem Ver­käu­fer auch kei­ne Frist zur Nach­er­fül­lung set­zen müs­sen. Eine Nach­er­fül­lung durch Lie­fe­rung eines Ersatz­pfer­des schei­de aus. Denn die Par­tei­en hät­ten sich auf den Ver­kauf die­ses bestimm­ten Pfer­des und nicht auf die Lie­fe­rung eines qua­si "aus­tausch­ba­ren" Pfer­des geei­nigt.

Aus die­sen Grün­den kann die Klä­ge­rin das Pferd an den Ver­käu­fer zurück­ge­ben und erhält im Gegen­zug den Kauf­preis von 55.000,- Euro erstat­tet.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 1. Febru­ar 2018 – 1 U 51/​16