Ein­heit­li­ches Rich­ter­ge­setz für Ber­lin und Bran­den­burg

Die Län­der Ber­lin und Bran­den­burg haben einen Staats­ver­trag für ein gleich­lau­ten­des Rich­ter­ge­setz unter­zeich­net. Nach­dem bei­de Län­der bereits für alle Gerichts­zwei­ge außer der ordent­li­chen Gerichts­bar­keit gemein­sa­me Ober­ge­rich­te ein­ge­rich­tet haben, soll nun für die Rich­ter und Staats­an­wäl­te in Ber­lin und Bran­den­burg ein weit­ge­hend ein­heit­li­ches Dienst­recht gel­ten. In Ber­lin arbei­ten der­zeit rund 1.300 Rich­ter und rund 350 Staats­an­wäl­te, in Bran­den­burg sind es etwa 810 Rich­ter und 270 Staats­an­wäl­te.

Ein­heit­li­ches Rich­ter­ge­setz für Ber­lin und Bran­den­burg

Ände­run­gen im Ber­li­ner Rich­ter­ge­setz

Die Neu­re­ge­lung des Ber­li­ner Rich­ter­ge­set­zes betrifft unter ande­rem die Wahl der Rich­ter und deren Beför­de­rung. Die ent­spre­chen­de Ent­schei­dung trifft in Ber­lin nach wie vor der Rich­ter­wahl­aus­schuss. Geän­dert wird aller­dings sei­ne Zusam­men­set­zung ent­spre­chend den Bran­den­bur­ger Rege­lun­gen. Dem Aus­schuss wer­den künf­tig acht Abge­ord­ne­te des Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­hau­ses ange­hö­ren sowie zwei Rich­ter, ein Rechts­an­walt und ein Staats­an­walt als stän­di­ge Mit­glie­der. Hin­zu kommt ein nicht­stän­di­ges Mit­glied aus der jeweils betrof­fe­nen Gerichts­bar­keit. Bis­her war die Mit­glied­schaft der Abge­ord­ne­ten nicht zwin­gend vor­ge­schrie­ben gewe­sen. Das Abge­ord­ne­ten­haus konn­te statt­des­sen auch sach­kun­di­ge Bür­ger in den Rich­ter­wahl­aus­schuss wäh­len.

Das Dienst­ge­richt für Dis­zi­pli­nar­sa­chen ist zukünf­tig nicht mehr beim Land­ge­richt, son­dern beim Ver­wal­tungs­ge­richt ange­sie­delt, da das Dienst­recht stark von ver­wal­tungs­recht­li­chen Grund­sät­zen geprägt ist. Neu ist auch, dass künf­tig einer der ehren­amt­li­chen Rich­ter des Dienst­ge­richts ein Rechts­an­walt sein muss.

Ände­run­gen im Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht

Die Ände­run­gen betref­fen des wei­te­ren auch das Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht: So gibt es künf­tig für bei­de Län­der einen gemein­sa­men Haupt­rich­ter- und Haupt­staats­an­walts­rat als obers­tes Gre­mi­um der Per­so­nal­ver­tre­tung. Neu ist auch, dass die Staats­an­wäl­te hin­sicht­lich ihrer Mit­be­stim­mungs­rech­te in das Rich­ter­ge­setz ein­be­zo­gen wer­den

Gemein­sa­me Gerich­te und Jus­ti­zein­rich­tun­gen in Ber­lin und Bran­den­burg:

In den letz­ten sechs Jah­ren haben die Län­der Ber­lin und Bran­den­burg durch Staats­ver­trä­ge eine Rei­he gemein­sa­mer Gerich­te und Jus­ti­zein­rich­tun­gen geschaf­fen:

  • Gemein­sa­mes Juris­ti­sches Prü­fungs­amt der Län­der Ber­lin und Bran­den­burg:

    Zum 1. Janu­ar 2005 nahm – als ers­te gemein­sa­me Jus­ti­zein­rich­tung – das Gemein­sa­mes Juris­ti­sche Prü­fungs­amt der Län­der Ber­lin und Bran­den­burg sei­ne Arbeit auf. Das Gemein­sa­me Juris­ti­sche Prü­fungs­amt ist sowohl für die juris­ti­schen Staats­prü­fun­gen wie auch für die Aus- und Fort­bil­dung in der Rechts­pfle­ge zustän­dig. Es hat sei­nen Sitz in Ber­lin (Salz­bur­ger Stra­ße 21 – 25).

  • Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg:

    Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg wur­de zum 1. Juli 2005 errich­tet. Es hat sei­nen Sitz in Ber­lin ( Har­den­berg­stra­ße 31).

  • Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg:

    Eben­falls zum 1. Juli 2005 wur­de als gemein­sa­mes Ober­ge­richt das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg mit Sitz in Pots­dam (Förs­t­erweg 2 – 6) errich­tet.

  • Zen­tra­les Mahn­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg:

    Zum 1. Juli 2006 über­nahm das Ber­li­ner Amts­ge­richt Wed­ding die Auf­ga­be als Zen­tra­les Mahn­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg. Zuvor war das Amts­ge­richt Wed­ding, das übri­gens nicht in Ber­lin-Wed­ding, son­dern im benach­bar­ten Ber­lin-Gesund­brun­nen (Brun­nen­platz 1) liegt, bereits seit 1987 das Zen­tra­le Mahn­ge­richt für Ber­lin, zwi­schen­zeit­lich ist das Amts­ge­richt Wed­ding als Euro­päi­sches Mahn­ge­richt Deutsch­land bun­des­weit auch für das Euro­päi­sche Mahn­ver­fah­ren zustän­dig.

  • Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg:

    Zum 1. Janu­ar 2007 trat das Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg an die Stel­le der bis­he­ri­gen Finanz­ge­richt Ber­lin und Bran­den­burg. Das Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat sei­nen Sitz in Cott­bus (Von-Schön-Stra­ße 10).

  • Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg:

    Eben­falls zum 1. Janu­ar 2007 wur­de das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg als gemein­sa­mes Ober­ge­richt für die Arbeits­ge­richts­bar­keit in Ber­lin und Bran­den­burg errich­tet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat sei­nen Sitz in Ber­lin (Mag­de­bur­ger Platz 1).

Dar­über hin­aus soll noch in die­sem Jahr ein gemein­sa­mer Staats­schutz­se­nat der Län­der Ber­lin, Bran­den­burg am Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt ein­ge­rich­tet wer­den. Ledig­lich in der ordent­li­chen Gerichts­bar­keit bestehen mit dem Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richt in Bran­den­burg an der Havel und dem Kam­mer­ge­richt in Ber­lin noch getrenn­te Ober­ge­rich­te der bei­den Län­der.