Ein­sicht in "UFO-Unter­la­gen"

Das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz, IFG, ist auch auf Aus­ar­bei­tun­gen des Wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes des Deut­schen Bun­des­ta­ges anzu­wen­den, so dass dies­be­züg­lich ein Anspruch auf Zugang zu amt­li­chen Infor­ma­tio­nen besteht.

Ein­sicht in "UFO-Unter­la­gen"

Zu die­sem Ergeb­nis ist das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in einem Fall gelangt, in dem der Klä­ger gemäß dem IFG begehrt hat­te, ihm Ein­blick in die im Novem­ber 2009 vom Wis­sen­schaft­li­chen Dienst des Deut­schen Bun­des­ta­ges erstell­te Aus­ar­bei­tung „Die Suche nach außer­ir­di­schem Leben und die Umset­zung der VN-Reso­lu­ti­on A/​33/​426 zur Beob­ach­tung uniden­ti­fi­zier­ter Flug­ob­jek­te und extra­ter­res­tri­schen Lebens­for­men“ zu geben. Der Deut­sche Bun­des­tag hat­te die­ses Ersu­chen mit der Begrün­dung abge­lehnt, das IFG sei auf den Deut­schen Bun­des­tag nur anwend­bar, soweit er öffent­lich-recht­li­che Ver­wal­tungs­auf­ga­ben wahr­neh­me. Die Zuar­beit der Wis­sen­schaft­li­chen Diens­te sei der Man­dats­aus­übung der Abge­ord­ne­ten zuzu­rech­nen und daher als Wahr­neh­mung par­la­men­ta­ri­scher Ange­le­gen­hei­ten vom Infor­ma­ti­ons­zu­gang aus­ge­nom­men. Im Übri­gen gel­te für die Arbei­ten des Wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes der Schutz geis­ti­gen Eigen­tums.

Ande­rer Ansicht ist hier das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin. Es hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Die Auf­ga­be des Par­la­men­tes bestehe im Wesent­li­chen in der Gesetz­ge­bung und der Kon­trol­le der Regie­rung. Dazu gehö­re nicht die Arbeit des Wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes des Bun­des­ta­ges, da die­ser ledig­lich Fra­gen der Abge­ord­ne­ten beant­wor­te und Gut­ach­ten erstel­le. Die­se Ver­mitt­lung von Infor­ma­ti­on und Wis­sen bil­de die Grund­la­ge für die par­la­men­ta­ri­sche Arbeit der Abge­ord­ne­ten, sei aber nicht selbst par­la­men­ta­ri­sche Arbeit.

Eine Ver­let­zung des Schut­zes geis­ti­gen Eigen­tums sei selbst dann nicht zu befürch­ten, wenn man davon aus­ge­he, dass es sich bei der Aus­ar­bei­tung um ein „Werk“ im Sin­ne des Urhe­ber­rechts han­de­le. Der Bun­des­tag als Inha­ber des Urhe­ber­rechts sei in sei­nem Erst­ver­öf­fent­li­chungs­recht nicht betrof­fen, weil nur der Klä­ger Ein­blick erhal­te, nicht jedoch die All­ge­mein­heit. In sei­nem Ver­brei­tungs­recht sei der Bun­des­tag nicht betrof­fen, weil der Klä­ger nicht die Absicht habe, die Aus­ar­bei­tung in den Ver­kehr zu brin­gen, son­dern sie ledig­lich lesen wol­le.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 1. Dezem­ber 2011 – VG 2 K 91.11