Ernst-Wolf­gang Böcken­för­de zum 80. Geburts­tag

Der frei­heit­li­che, säku­la­ri­sier­te Staat lebt von Vor­aus­set­zun­gen, die er selbst nicht garan­tie­ren kann.

Ernst-Wolf­gang Böcken­för­de zum 80. Geburts­tag

Das ist das gro­ße Wag­nis, das er, um der Frei­heit wil­len, ein­ge­gan­gen ist. Als frei­heit­li­cher Staat kann er einer­seits nur bestehen, wenn sich die Frei­heit, die er sei­nen Bür­gern gewährt, von innen her, aus der mora­li­schen Sub­stanz des ein­zel­nen und der Homo­ge­ni­tät der Gesell­schaft, regu­liert.

Ander­seits kann er die­se inne­ren Regu­lie­rungs­kräf­te nicht von sich aus, das heißt, mit den Mit­teln des Rechts­zwan­ges und auto­ri­ta­ti­ven Gebots zu garan­tie­ren ver­su­chen, ohne sei­ne Frei­heit­lich­keit auf­zu­ge­ben und – auf säku­la­ri­sier­ter Ebe­ne – in jenen Tota­li­täts­an­spruch zurück­zu­fal­len, aus dem er in den kon­fes­sio­nel­len Bür­ger­krie­gen her­aus­ge­führt hat.

Ernst-Wolf­gang Böcken­för­de: Staat, Gesell­schaft, Frei­heit. 1976, S. 60.