Fest­stel­lung der be­grenz­ten Dienst­fä­hig­keit

Die Fest­stel­lung der be­grenz­ten Dienst­fä­hig­keit setzt die Dienst­un­fä­hig­keit des Be­am­ten vor­aus.

Fest­stel­lung der be­grenz­ten Dienst­fä­hig­keit

Das durch Art. 1 Nr. 3 und Art. 2 Nr. 5 des Ver­sor­gungs­re­form­ge­set­zes vom 29.06.19981 geschaf­fe­ne Rechts­in­sti­tut der begrenz­ten Dienst­fä­hig­keit gemäß § 26a BRRG a.F. ermög­licht es, die ver­blie­be­ne Arbeits­kraft von Beam­ten nutz­bar zu machen, die ihre Dienst­pflich­ten wegen ihres kör­per­li­chen Zustan­des oder aus gesund­heit­li­chen Grün­den auf Dau­er nicht mehr voll erfül­len kön­nen und daher nur teil­dienst­fä­hig sind. Die­se Beam­ten sol­len nach dem Grund­satz „Wei­ter­ver­wen­dung vor Früh­pen­sio­nie­rung“ nicht mehr wegen Dienst­un­fä­hig­keit in den Ruhe­stand ver­setzt, son­dern unter Berück­sich­ti­gung ihres ein­ge­schränk­ten Leis­tungs­ver­mö­gens im akti­ven Dienst gehal­ten wer­den2. Das Rechts­in­sti­tut der begrenz­ten Dienst­fä­hig­keit ist damit Aus­druck des her­ge­brach­ten Grund­sat­zes des Berufs­be­am­ten­tums, dass der Beam­te sei­ne vol­le Arbeits­kraft zur Ver­fü­gung zu stel­len hat und mit Art. 33 Abs. 5 GG ver­ein­bar3.

Nach dem Wort­laut des § 56 Abs. 1 des Nie­der­säch­si­schen Beam­ten­ge­set­zes – NBG – in der maß­geb­li­chen Fas­sung im Zeit­punkt der letz­ten Ver­wal­tungs­ent­schei­dung4 vom 13.10.20055 setzt die begrenz­te Dienst­fä­hig­keit Dienst­un­fä­hig­keit vor­aus. Nach § 54 Abs. 1 NBG ist ein Beam­ter dienst­un­fä­hig, wenn er infol­ge eines kör­per­li­chen Gebre­chens oder wegen Schwä­che sei­ner kör­per­li­chen oder geis­ti­gen Kräf­te zur Erfül­lung sei­ner Dienst­pflich­ten dau­ernd unfä­hig ist. Maß­stab ist dabei das dem Beam­ten zuletzt über­tra­ge­ne Amt im abs­trakt-funk­tio­nel­len Sinn, so dass die Ver­set­zung in den Ruhe­stand vor­aus­setzt, dass bei der Beschäf­ti­gungs­be­hör­de kein Dienst­pos­ten zur Ver­fü­gung steht, der dem sta­tus­recht­li­chen Amt des Beam­ten zuge­ord­net und gesund­heit­lich für ihn geeig­net ist (§ 55 Abs. 4 NBG a.F.)6. Kann der Beam­te unter Bei­be­hal­tung sei­nes Amtes die Dienst­pflich­ten noch wäh­rend min­des­tens der Hälf­te der regel­mä­ßi­gen Arbeits­zeit erfül­len, soll von der Ver­set­zung in den Ruhe­stand abge­se­hen und der Beam­te statt­des­sen für begrenzt dienst­fä­hig erklärt wer­den (§ 56 Abs. 1 NBG a.F.). Mit der Fest­stel­lung der begrenz­ten Dienst­fä­hig­keit wird ein Teil­zeit­sta­tus beson­de­rer Art begrün­det (vgl. § 56 Abs. 2 NBG a.F., § 72a BBesG).

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 30. August 2012 – 2 C 82.10

  1. BGBl I S. 1666, 1667 []
  2. vgl. BT-Drucks 13/​9527, S. 29 []
  3. BVerwG, Urteil vom 28.04.2005 – 2 C 1.04, BVerw­GE 123, 308, 310 = Buch­holz 240 § 72a BBesG Nr. 1 Rn. 10 m.w.N. []
  4. vgl. zur Ruhe­stands­ver­set­zung: BVerwG, Urteil vom 16.10.1997 – 2 C 7.97, BVerw­GE 105, 267, 269 ff. = Buch­holz 232 § 42 BBG Nr. 22 S. 4 f. []
  5. Nds. GVBl S. 296 []
  6. BVerwG, Urteil vom 26.03.2009 – 2 C 73.08, BVerw­GE 133, 297, 300 = Buch­holz 232 § 42 BBG Nr. 25 Rn. 14 f. []