Geld­wer­ter Vor­teil bei ver­bil­lig­ter Woh­nungs­über­las­sung

Die ver­bil­lig­te Über­las­sung einer Woh­nung führt zu steu­er­pflich­ti­gem Arbeits­lohn, eben­so die Zah­lung von frei­wi­li­gen Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen durch den Arbeit­ge­ber.

Geld­wer­ter Vor­teil bei ver­bil­lig­ter Woh­nungs­über­las­sung

Eine Akti­en­ge­sell­schaft über­ließ der Wit­we eines frü­he­ren Vor­stands­vor­sit­zen­den eine 231 qm gro­ße Woh­nung für eine Mie­te von monat­lich 200 DM. Zudem gewähr­te die Akti­en­ge­sell­schaft fünf Vor­stands­mit­glie­dern neben einer Pen­si­ons­zu­sa­ge zusätz­lich Zuschüs­se zu einer (frei­wil­li­gen) Ver­si­che­rung in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung bzw. der Rechts­an­walts­ver­sor­gung. Die Zuschüs­se waren auf 50% der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung begrenzt. Die Gesell­schaft behan­del­te die Zuschüs­se als steu­er­frei.

Das Finanz­amt kam im Rah­men einer Lohn­steu­er­au­ßen­prü­fung zu dem Ergeb­nis, der geld­wer­te Vor­teil für die ver­bil­lig­te Woh­nungs­über­las­sung sei in der Höhe der Dif­fe­renz der tat­säch­lich gezahl­ten Mie­te zur orts­üb­li­chen Mie­te anzu­set­zen. Die gezahl­ten Zuschüs­se zu der Ren­ten­ver­si­che­rung sei­en zudem nicht steu­er­frei. Gegen den ent­spre­chen­den Haf­tungs­be­scheid erhob die Akti­en­ge­sell­schaft nach erfolg­lo­sem Ein­spruchs­ver­fah­ren Kla­ge.

Hin­sicht­lich der ver­bil­lig­ten Woh­nungs­über­las­sung gab das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf der Kla­ge teil­wei­se statt, nach­dem das beklag­te Finanz­amt sich bereit erklärt hat­te, den Miet­wert mit 16,03 DM/​qm anzu­set­zen. Hin­sicht­lich der Arbeit­ge­ber­zu­schüs­se zur Ren­ten­ver­si­che­rung gab das Gericht der Kla­ge eben­falls teil­wei­se statt: Bestehe kei­ne gesetz­li­che Ver­pflich­tung für den Arbeit­ge­ber, den Arbeit­ge­ber­an­teil zur gesetz­li­chen Sozi­al­ver­si­che­rung zu zah­len, füh­re die Ent­rich­tung der frei­wil­li­gen Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung durch den Arbeit­ge­ber zu Arbeits­lohn. Denn auf­grund der Zah­lung wer­de dem Arbeit­neh­mer ein Rechts­an­spruch gegen­über der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ein­ge­räumt. Die Annah­me eines geld­wer­ten Vor­teils sei nur dann zu ver­nei­nen, soweit die spä­te­ren Leis­tun­gen auf das Ruhe­ge­halt aus der Pen­si­ons­zu­sa­ge ange­rech­net wür­den. In letz­te­rem Fall ste­he der betrieb­li­che Zweck im Vor­der­grund, durch Zuschüs­se zu den frei­wil­li­gen Bei­trä­gen zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung oder zum Rechts­an­walts­ver­sor­gung­werk eine Min­de­rung der spä­ter zu zah­len­den Leis­tun­gen aus der Pen­si­ons­zu­sa­ge zu errei­chen.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 22. April 2010 – 8 K 3052/​07