Gemein­de­fi­nan­zie­rung in Nord­rhein-West­fa­len

Der Umfang der den nord­rhein-west­fä­li­schen Gemein­den im Finanz­aus­gleich des Gemein­de­fi­nan­zie­rungs­ge­set­zes 2008 1 ins­ge­samt zur Ver­fü­gung gestell­ten Finanz­mit­tel ist nach Ansicht des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs für das Land Nord­rhein-West­fa­len ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Der den Kom­mu­nen nach Art. 79 Satz 2 LV NRW zu gewäh­ren­de Finanz­aus­gleich steht unter dem Vor­be­halt der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit des Lan­des. Die Lan­des­ver­fas­sung ver­langt inso­weit vom Gesetz­ge­ber ledig­lich, dass die Mit­tel für die­sen Finanz­aus­gleich aus einem Haus­halt auf­ge­bracht wer­den, der den Maß­ga­ben der Art. 81 ff. LV NRW ent­spricht und den sons­ti­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Belan­gen Rech­nung trägt. Art. 79 Satz 2 LV NRW gewähr­leis­tet kei­ne abso­lu­te Unter­gren­ze der kom­mu­na­len Finanz­aus­stat­tung, die unab­hän­gig von der Finanz­kraft des Lan­des zu gewäh­ren ist. Die Rege­lun­gen des Gemein­de­fi­nan­zie­rungs­ge­set­zes 2008 zur Berück­sich­ti­gung von Sozi­al­las­ten ver­sto­ßen nicht gegen das inter­kom­mu­na­le Gleich­be­hand­lungs­ge­bot.

Gemein­de­fi­nan­zie­rung in Nord­rhein-West­fa­len

Mit die­ser Begrün­dung blieb jetzt die Ver­fas­sungs­be­schwer­de des Krei­ses Reck­ling­hau­sen und der ihm ange­hö­ren­den Städ­te Marl, Dors­ten, Cas­trop-Rau­xel, Glad­beck, Her­ten, Hal­tern am See, Dat­teln, Oer-Erken­schwick und Waltrop gegen das Gemein­de­fi­nan­zie­rungs­ge­setz 2008 vor dem Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len ohne Erfolg.

Mit ihrer Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat­ten die Beschwer­de­füh­rer im Wesent­li­chen gel­tend gemacht, der im Gemein­de­fi­nan­zie­rungs­ge­setz 2008 gere­gel­te Finanz­aus­gleich rei­che nicht aus, um die Kos­ten für kom­mu­na­le Pflicht- und Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben zu decken. Die Beschwer­de­füh­rer sei­en struk­tu­rell unter­fi­nan­ziert. Der Gesetz­ge­ber habe es ver­säumt, den kon­kre­ten kom­mu­na­len Finanz­be­darf zu ermit­teln und den Finanz­aus­gleich ent­spre­chend anzu­pas­sen. Dies gel­te vor allem für den Bereich der seit Jah­ren ange­stie­ge­nen Kos­ten für Sozi­al­las­ten.

Die Beschwer­de­füh­rer bean­stan­den fer­ner eine Benach­tei­li­gung finanz­schwa­cher Krei­se, deren Gemein­den hohe Son­der­be­dar­fe auf­wie­sen. Hier müss­ten die Gemein­den einen hohen Anteil der ihnen gewähr­ten Mit­tel über die Kreis­um­la­ge wie­der an die Krei­se abfüh­ren. Zugleich redu­zier­ten sich bei hohen Zuwei­sun­gen an die kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den die dem Kreis gewähr­ten Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen.

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof NRW hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­de jedoch zurück­ge­wie­sen: Dem Gesetz­ge­ber ste­he ein wei­ter Gestal­tungs­spiel­raum zu, in wel­cher Art und in wel­chem Umfang er den gemeind­li­chen Anspruch auf ange­mes­se­ne Finanz­aus­stat­tung erfül­le und nach wel­chem Sys­tem er ergän­zend zu sons­ti­gen kom­mu­na­len Ein­nah­men im Wege des Finanz­aus­gleichs Finanz­mit­tel auf die Kom­mu­nen ver­tei­le.

Der Umfang der im Finanz­aus­gleich 2008 ins­ge­samt zur Ver­fü­gung gestell­ten Mit­tel sei ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Der den Kom­mu­nen nach Art. 79 Satz 2 LV NRW zu gewäh­ren­de Finanz­aus­gleich ste­he unter dem Vor­be­halt der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit des Lan­des.

Des­sen Haus­halts­la­ge stel­le sich jedoch wesent­lich ungüns­ti­ger dar als die wei­ter­hin sehr schwie­ri­ge kom­mu­na­le Haus­halts­si­tua­ti­on. Damit schei­de auch eine ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­pflich­tung des Lan­des zur Auf­nah­me von Schul­den im Inter­es­se einer umfang­rei­che­ren kom­mu­na­len Finanz­aus­stat­tung aus. Einer ent­spre­chen­den Ver­pflich­tung stün­den im Übri­gen bereits die ver­fas­sungs­recht­li­chen Gren­zen zusätz­li­cher Kre­dit­auf­nah­me ent­ge­gen.

Mit Blick auf den Finanz­aus­gleich sei das Land auch nicht ver­pflich­tet, sei­ne eige­nen Aus­ga­ben auf even­tu­el­le Ein­spar­po­ten­tia­le zu unter­su­chen und die­se zu rea­li­sie­ren. Art. 79 Satz 2 LV NRW gewähr­leis­te über­dies kei­ne abso­lu­te Unter­gren­ze der kom­mu­na­len Finanz­aus­stat­tung, die unab­hän­gig von der Finanz­kraft des Lan­des zu gewäh­ren sei. Aller­dings blei­be der Gesetz­ge­ber gehal­ten, sich um eine mög­lichst rea­li­täts­na­he Ermitt­lung des Auf­wands zur Erfül­lung kom­mu­na­ler Auf­ga­ben zu bemü­hen; ins­be­son­de­re müs­se er auf erkenn­ba­re Belas­tungs­ver­schie­bun­gen im Bereich kom­mu­na­ler Pflicht­auf­ga­ben reagie­ren.

Die vom Land im Gemein­de­fi­nan­zie­rungs­ge­setz 2008 zur Ver­fü­gung gestell­ten Finanz­mit­tel sei­en auch ver­fas­sungs­kon­form auf die ein­zel­nen Kom­mu­nen ver­teilt wor­den. Ins­be­son­de­re ver­stie­ßen die Rege­lun­gen des Gemein­de­fi­nan­zie­rungs­ge­set­zes 2008 zur Berück­sich­ti­gung von Sozi­al­las­ten nicht gegen das inter­kom­mu­na­le Gleich­be­hand­lungs­ge­bot.

Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 19. Juli 2011 – VerfGH 32/​08

  1. Gesetz zur Rege­lung der Zuwei­sun­gen des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len an die Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de im Haus­halts­jahr 2008 (Gemein­de­fi­nan­zie­rungs­ge­setz – GFG 2008) vom 20.12.2007, GV. NRW. 2007 S. 718 ff.[]