Gemein­sa­me Ver­an­la­gung – und der Ein­spruch eines Ehe­gat­ten

Nach § 357 Abs. 1 Sät­ze 1 und 2 AO ist der Ein­spruch schrift­lich oder elek­tro­nisch ein­zu­rei­chen oder zur Nie­der­schrift zu erklä­ren; es genügt, wenn aus dem Ein­spruch her­vor­geht, wer ihn ein­ge­legt hat. Aus der Rechts­be­helfs­schrift muss sich aber hin­rei­chend klar erge­ben, wer die Ver­wal­tungs­ent­schei­dung angreift.

Gemein­sa­me Ver­an­la­gung – und der Ein­spruch eines Ehe­gat­ten

Bei Zusam­men­ver­an­la­gung muss fest­ste­hen, wel­cher Ehe­gat­te sich beschwert fühlt und die Nach­prü­fung des Steu­er­be­schei­des begehrt. Ein von dem einen Ehe­gat­ten ein­ge­leg­ter Rechts­be­helf hat nicht ohne Wei­te­res die Wir­kung eines auch von dem ande­ren Ehe­gat­ten ein­ge­leg­ten Rechts­be­helfs. Selbst wenn ange­nom­men wür­de, dass der den Rechts­be­helf ein­le­gen­de Ehe­gat­te bereits auf­grund der gemein­sa­men, von bei­den Ehe­leu­ten unter­schrie­be­nen Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung von dem ande­ren Ehe­gat­ten wirk­sam zur Vor­nah­me aller im Besteue­rungs­ver­fah­ren erfor­der­li­chen Rechts­hand­lun­gen bevoll­mäch­tigt wor­den wäre, so ist für die wirk­sa­me Rechts­be­helfs­ein­le­gung des einen Ehe­gat­ten auch für den ande­ren erfor­der­lich, dass der das Rechts­mit­tel füh­ren­de Ehe­gat­te unmiss­ver­ständ­lich zum Aus­druck bringt, er lege den Rechts­be­helf auch für den ande­ren Ehe­gat­ten ein 1.

Nach Maß­ga­be die­ser Grund­sät­ze hat der Ehe­mann im vor­lie­gen­den Fall erkenn­bar nur für sich allein, nicht auch für die Ehe­frau Ein­spruch ein­ge­legt. Das Ein­spruchs­schrei­ben benennt aus­schließ­lich den Ehe­mann im Brief­kopf; es ist in der Ich-Form gehal­ten und auch nur von dem Ehe­mann unter­schrie­ben. So ver­hält es sich auch mit dem ‑außer­halb der Ein­spruchs­frist- an das Finanz­amt gerich­te­ten Schrei­ben des Ehe­manns vom 15.07.2014. Es bestehen auch sonst kei­ne Anhalts­punk­te, dass der Ehe­mann inner­halb der Ein­spruchs­frist Ein­spruch auch für die Ehe­frau ein­ge­legt hat, womit der ange­foch­te­ne Ein­kom­men­steu­er­be­scheid mit Ablauf der Ein­spruchs­frist gegen­über der Ehe­frau bestands­kräf­tig gewor­den ist.

Eine Kla­ge bei­der Ehe­gat­ten ist somit hin­sicht­lich der Ehe­frau unzu­läs­sig, da die­se das erfor­der­li­che Vor­ver­fah­ren (vgl. § 44 Abs. 1 FGO, §§ 347 ff. AO) nicht durch­ge­führt hat­te. Dies gilt auch, soweit die Ein­spruchs­ent­schei­dung gleich­wohl gegen­über bei­den Ehe­gat­ten ergan­gen ist. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ent­hält der Kla­ge­an­trag jedoch sinn­ge­mäß zugleich den zuläs­si­gen Antrag auf iso­lier­te Auf­he­bung der Ein­spruchs­ent­schei­dung, soweit sie gegen die Ehe­frau ergan­gen ist 2. Inso­weit erweist sich die Kla­ge der Ehe­frau als begrün­det. Die Ehe­frau hat einen Anspruch auf iso­lier­te Auf­he­bung der gegen sie ergan­ge­nen Ein­spruchs­ent­schei­dung, da sie gegen den Ein­kom­men­steu­er­be­scheid 2013 kei­nen Ein­spruch ein­ge­legt hat­te. Die gegen sie gerich­te­te Ein­spruchs­ent­schei­dung vom 20.08.2014 durf­te damit nicht gegen sie erge­hen und war somit rechts­wid­rig 3. Im Übri­gen ist die Kla­ge der Ehe­frau (anders als die des Ehe­man­nes) jedoch unzu­läs­sig, da sie das Vor­ver­fah­ren nicht durch­ge­führt hat­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 13. März 2018 – IX R 16/​17

  1. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 20.12 2012 – III R 59/​12, BFH/​NV 2013, 709, Rz 12, m.w.N.[]
  2. vgl. dazu BFH, Urtei­le vom 20.12 2006 – X R 38/​05, BFHE 216, 297, BSt­Bl II 2007, 823, unter B.I. 4.; vom 13.11.2008 – V R 24/​06 Rz 11; und vom 17.07.2013 – X R 28/​13, BFH/​NV 2014, 351, Rz 8[]
  3. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 26.08.2004 – IV R 68/​02, BFH/​NV 2005, 553, unter I. 1.c[]