Gold Bul­li­on Secu­ri­ties – und der steu­er­freie Veräußerungsgewinn

Der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung an der Bör­se gehan­del­ter Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen, die einen Anspruch gegen die Emit­ten­tin auf Lie­fe­rung phy­si­schen Gol­des ver­brief­ten und den aktu­el­len Gold­preis abbil­de­ten (z.B. „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“), ist jeden­falls dann nicht nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 i.V.m. Abs. 1 Nr. 7 EStG steu­er­pflich­tig, wenn die Emit­ten­tin ver­pflich­tet ist, das ihr zur Ver­fü­gung gestell­te Kapi­tal nahe­zu voll­stän­dig zum Erwerb von Gold ein­zu­set­zen [1]. Dies gilt auch dann, wenn nach den Emis­si­ons­be­din­gun­gen der Inha­ber bei der Kün­di­gung der Schuld­ver­schrei­bun­gen statt der Lie­fe­rung des ver­brief­ten Gol­des die Aus­zah­lung des Erlö­ses aus dem Ver­kauf des für ihn hin­ter­leg­ten Gol­des ver­lan­gen kann. Auch in die­sem Fall wird pri­mär eine Sach­leis­tung geschul­det [2].

Gold Bul­li­on Secu­ri­ties – und der steu­er­freie Veräußerungsgewinn

Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung von „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“ Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen sind mit­hin ein Jahr nach der Anschaf­fung nicht steu­er­bar. Damit hat der Bun­des­fi­nanz­hof sei­ne Recht­spre­chung fort­ge­setzt, nach der es sich bei der Ver­äu­ße­rung an der Bör­se gehan­del­ter Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen, die einen Anspruch gegen die Emit­ten­tin auf Lie­fe­rung phy­si­schen Gol­des ver­brie­fen und den aktu­el­len Gold­preis abbil­den, nicht um die steu­er­pflich­ti­ge Ver­äu­ße­rung einer Kapi­tal­for­de­rung handelt.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall ver­äu­ßer­te der Anle­ger sei­ne „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“ Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen über ein Jahr nach der Anschaf­fung mit Gewinn. Bei den „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“ han­del­te es sich um durch phy­si­sches Gold besi­cher­te, unbe­fris­te­te Schuld­ver­schrei­bun­gen ohne Ver­zin­sung und ohne End­fäl­lig­keit. Dabei ver­brief­te jede ein­zel­ne „Gold Bul­li­on Secu­ri­ty“ Schuld­ver­schrei­bung einen effek­ti­ven Anspruch auf Gold. Das den Wert­pa­pie­ren zuge­wie­se­ne phy­si­sche Gold wur­de als iden­ti­fi­zier­ba­re Gold­bar­ren hin­ter­legt. Der Inha­ber der Schuld­ver­schrei­bung hat­te das Recht, nach einer jeder­zei­tig mög­li­chen Kün­di­gung die Aus­lie­fe­rung des Gol­des zu ver­lan­gen. Alter­na­tiv hat­te er die Mög­lich­keit, das Gold von der Emit­ten­tin ver­äu­ßern und sich den dabei erziel­ten Ver­äu­ße­rungs­er­lös aus­zah­len zu lassen.

Das Finanz­amt besteu­er­te den erziel­ten Gewinn als Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen. Das Thü­rin­ger Finanz­ge­richt gab der hier­ge­gen erho­be­nen Kla­ge statt und sah den Gewinn als nicht steu­er­bar an [3]. Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te dies nun und wies die Revi­si­on des Finanz­am­tes als unbe­grün­det zurück:

Der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung der „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“ unter­liegt weder der Besteue­rung nach § 20 EStG noch ‑wegen Ablaufs der Jah­res­frist- nach § 22 Nr. 2, § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG.

Das Finanz­ge­richt ist zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung der „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“ Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen nicht nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 i.V.m. Abs. 1 Nr. 7 EStG steu­er­pflich­tig ist, da die „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“ Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen kei­ne Kapi­tal­for­de­run­gen, son­dern jeweils einen Anspruch gegen die Emit­ten­tin auf Lie­fe­rung phy­si­schen Gol­des ver­brief­ten. Der Umstand, dass sich der Anle­ger auch den Ver­äu­ße­rungs­er­lös aus dem Ver­kauf des Gol­des hät­te aus­zah­len las­sen kön­nen, führt zu kei­ner ande­ren Beurteilung.

Der von dem Anle­ger erziel­te Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung der „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“ Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen in Höhe von 9.248, 97 € führ­te nicht zu steu­er­ba­ren Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen i.S. des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG, da die Schuld­ver­schrei­bun­gen nicht als sons­ti­ge Kapi­tal­for­de­run­gen i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG zu beur­tei­len sind. Unter den Begriff der Kapi­tal­for­de­rung i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG fal­len alle auf eine Geld­leis­tung gerich­te­ten For­de­run­gen, deren Steu­er­bar­keit sich nicht bereits aus einem ande­ren Tat­be­stand i.S. des § 20 Abs. 1 Nrn. 1 bis 6 oder 8 bis 11 EStG ergibt, und zwar ohne Rück­sicht auf die Dau­er der Kapi­tal­über­las­sung oder den Rechts­grund des Anspruchs. Nicht dar­un­ter fal­len jedoch Ansprü­che auf die Lie­fe­rung ande­rer Wirt­schafts­gü­ter, ins­be­son­de­re auf eine Sach­leis­tung gerich­te­te For­de­run­gen [4]. Danach sind die von dem Anle­ger ver­äu­ßer­ten „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“ kei­ne sons­ti­gen Kapi­tal­for­de­run­gen i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG, da sie kei­nen Anspruch auf Geld, son­dern auf eine Sach­leis­tung in Form des hin­ter­leg­ten Gol­des verkörpern.

Eine ande­re Beur­tei­lung ergibt sich auch nicht dar­aus, dass der Anle­ger nach den Emis­si­ons­be­din­gun­gen berech­tigt war, zur Erfül­lung des Lie­fer­an­spruchs statt der Aus­lie­fe­rung des Gol­des die Aus­zah­lung des Erlö­ses aus dem Ver­kauf des Gol­des zu ver­lan­gen. Bei der Ver­äu­ße­rung des Gol­des han­del­te es sich ledig­lich um eine Zusatz­leis­tung zur Sach­leis­tungs­pflicht, da die­se erst nach der Lie­fe­rung des Gol­des zu erfül­len war. Da der Anspruch pri­mär auf die Lie­fe­rung phy­si­schen Gol­des und somit auf eine Sach­leis­tung gerich­tet war, die mit einer Dienst­leis­tung in Form der Ver­äu­ße­rung des Gol­des ver­bun­den war, liegt kei­ne Kapi­tal­for­de­rung vor [5]. Denn ob die Emit­ten­tin die Sach­leis­tung in Gold direkt an den Gläu­bi­ger der Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung oder auf­grund des­sen Wei­sung zum Ver­kauf des Gol­des an einen Drit­ten erbringt, macht bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung kei­nen Unter­schied. In bei­den Fäl­len wird die Emit­ten­tin als Schuld­ne­rin um die Sach­leis­tung ent­rei­chert und der Inha­ber der Schuld­ver­schrei­bung, der das Risi­ko aus der Ver­äu­ße­rung des Gol­des zu tra­gen hat­te, um den wirt­schaft­li­chen Wert der Sach­leis­tung berei­chert. Die „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“ Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen ver­brief­ten danach kei­ne auf eine Geld­leis­tung gerich­te­ten For­de­run­gen, son­dern jeweils einen Anspruch auf eine Sach­leis­tung in Form von Gold.

Zu berück­sich­ti­gen ist auch, dass die Emit­ten­tin nach den Emis­si­ons­be­din­gun­gen nicht berech­tigt war, über das von ihr bei der Aus­ga­be der Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen ein­ge­sam­mel­te Kapi­tal frei zu ver­fü­gen. Sie war ver­pflich­tet, die­ses zur Besi­che­rung der ver­brief­ten Aus­lie­fe­rungs­an­sprü­che in phy­si­sches Gold zu inves­tie­ren. Sie hat­te danach kein eigen­stän­di­ges Kapi­tal­nut­zungs­recht i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG [6].

Der Anspruch des Anle­gers auf die Lie­fe­rung von Gold wird auch nicht dadurch zu einem Anspruch auf Geld, dass er nach den Emis­si­ons­be­din­gun­gen die Mög­lich­keit hat­te, die „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“ Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen am Sekun­där­markt zu ver­äu­ßern. Die Ver­äu­ße­rung begrün­det ledig­lich ein wei­te­res Rechts­ver­hält­nis, das unab­hän­gig vom schuld­recht­li­chen Lie­fe­rungs­an­spruch, der Gegen­stand der Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen ist, zu beur­tei­len ist [6].

Der Ver­äu­ße­rungs­ge­winn unter­liegt auch nicht der Besteue­rung nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. b EStG. Unab­hän­gig davon, dass die Vor­schrift nach der Anwen­dungs­re­ge­lung in § 52a Abs. 10 Satz 3 EStG im vor­lie­gen­den Fall nicht anwend­bar ist, da der Anle­ger die Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen im Jahr 2008 und somit vor dem 01.01.2009 erwor­ben hat, han­delt es sich bei den „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“ Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen nicht um ein als Ter­min­ge­schäft aus­ge­stal­te­tes Finanz­in­stru­ment [7].

Im Ergeb­nis ist der Ver­kauf der „Gold Bul­li­on Secu­ri­ties“ Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen wie ein unmit­tel­ba­rer Erwerb und unmit­tel­ba­rer Ver­kauf phy­si­schen Gol­des zu beur­tei­len. Dass der Anle­ger nicht Eigen­tü­mer des Gol­des war, son­dern nur einen schuld­recht­li­chen Lie­fer­an­spruch besaß, ändert dar­an nichts. Der BFH beur­teilt die­se Gold­ge­schäf­te auch nach der Ein­füh­rung der Abgel­tungs­teu­er als pri­va­te Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te i.S. von § 22 Nr. 2, § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG [8]. Im Streit­fall ist die inso­weit maß­geb­li­che Jah­res­frist zwi­schen Anschaf­fung und Ver­äu­ße­rung über­schrit­ten, so dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine Besteue­rung nach § 22 Nr. 2, § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG nicht erfüllt sind.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Juni 2020 – VIII R 7/​17

Gold Bullion Securities - und der steuerfreie Veräußerungsgewinn
  1. Anschluss an BFH, Urteil vom 12.05.2015 – VIII R 35/​14, BFHE 250, 71, BStBl II 2015, 834[]
  2. ent­ge­gen BMF, Schrei­ben vom 18.01.2016 – IV C 1‑S 2252/08/10004:017, BStBl I 2016, 85, Rz 57[]
  3. Thü­rin­ger Finanz­ge­richt , Urteil vom 27.06.2017 – 2 K 60/​16, EFG 2018, 110[]
  4. s. hier­zu die BFH, Urtei­le in BFHE 250, 75, BStBl II 2015, 835; in BFH/​NV 2015, 1559, und in BFHE 250, 71, BStBl II 2015, 834; s.a. BFH, Urteil vom 06.02.2018 – IX R 33/​17, BFHE 260, 485, BStBl II 2018, 525[]
  5. ande­rer Ansicht: BMF, Schrei­ben vom 18.01.2016 – IV C 1‑S 2252/08/10004:017, BStBl I 2016, 85, Rz 57[]
  6. s. hier­zu die BFH, Urtei­le in BFHE 250, 75, BStBl II 2015, 835, und in BFHE 250, 71, BStBl II 2015, 834[][]
  7. s. hier­zu BFH, Urteil in BFHE 250, 75, BStBl II 2015, 835[]
  8. BFH, Urtei­le in BFHE 250, 75, BStBl II 2015, 835; in BFH/​NV 2015, 1559, und in BFHE 250, 71, BStBl II 2015, 834; BFH, Urteil in BFHE 260, 485, BStBl II 2018, 525[]