Hartz IV und Eigen­heim­zu­la­ge

Arbeits­lo­sen­geld II muss nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts auch dann gewährt wer­den, wenn der Emp­fän­ger eine ihm eben­falls zuste­hen­de Eigen­heim­zu­la­ge nicht zum Lebens­un­ter­halt, son­dern zur unmit­tel­ba­ren Bezah­lung von Hand­wer­kern oder zum Kauf von Bau­ma­te­ri­al ver­wen­det hat.

Hartz IV und Eigen­heim­zu­la­ge

Der beklag­te Grund­si­che­rungs­trä­ger hat­te in dem jetzt vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall dem Klä­ger die Gewäh­rung von Arbeits­lo­sen­geld II ver­sagt, weil er eine ihm gut­ge­schrie­be­ne Eigen­heim­zu­la­ge (5.112 € für 2004 und 2005) zur Bestrei­tung sei­nes Lebens­unterhalts ein­zu­set­zen kön­ne und müs­se. Bei der Eigen­heim­zu­la­ge hand­le es sich jeden­falls dann nicht um "pri­vi­le­gier­tes", zweck­be­stimm­tes Ein­kommen, wenn sie wie im Fal­le des Klä­gers nicht an ein Kre­dit­in­sti­tut oder eine Bau­spar­kas­se abge­treten oder in ähn­li­cher Wei­se in die Finan­zie­rung eines Eigen­hei­mes ein­ge­bun­den und somit frei ver­füg­bar sei.

Dem ist das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­ge­gen getre­ten und hat fest­ge­stellt, dass der Grund­si­che­rungs­trä­ger nicht berech­tigt war, Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen zu ver­sa­gen, weil der Hil­fe­be­dürf­ti­ge die an ihn gezahl­te Eigen­heim­zu­la­ge direkt und ohne vor­he­ri­ge Fremd­finanzierung zur Fer­tig­stel­lung sei­nes Eigen­heims ver­wen­den will. Die Eigen­heim­zu­la­ge ist bei der Berech­nung des Alg II auch dann und inso­weit nicht als Ein­kom­men bedarfs­min­dernd zu be­rücksichtigen, als der Hil­fe­be­dürf­ti­ge die Eigen­heim­zu­la­ge nach­weis­lich zur bau­li­chen Errich­tung einer ange­mes­se­nen Immo­bi­lie in Eigen­ar­beit ver­wen­det oder er damit ent­spre­chen­de Hand­wer­ker­rech­nun­gen bezahlt. Sind die Aus­ga­ben für Eigen­leis­tun­gen (Bau­ma­te­ri­al usw) oder zur Bezah­lung von Hand­wer­ker­rech­nun­gen noch nicht erfolgt, reicht es aus, wenn der Hil­fe­be­dürf­ti­ge (Alg-II-Be­zie­her) eine ent­spre­chen­de Ver­wen­dungs­ab­sicht dar­legt; auch in die­sem Fall ist bei der Eigen­heim­zula­ge von zweck­ge­bun­de­nem Ein­kom­men aus­zu­ge­hen. Die vom 4. Senat getrof­fe­ne Ent­schei­dung bleibt für alle Fäl­le rele­vant, in denen trotz Aus­lau­fens der För­de­rung auch in Zukunft noch Eigen­heimzulagen in gro­ßer Zahl zur Aus­zah­lung gelan­gen wer­den.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 30. Sep­tem­ber 2008 – B 4 AS 19/​07 R