Kein pro­fes­so­ra­ler Titel­miß­brauch

Der als "Lei­chen­plas­ti­na­tor" bekannt gewor­de­ne Prof. Dr. Gun­ter von Hagens wur­de jetzt vom Ober­lan­des­ge­richt Koblenz vom Vor­wurf unbe­rech­tig­ter Titel­füh­rung frei­ge­spro­chen.

Kein pro­fes­so­ra­ler Titel­miß­brauch

Damit hob der 2.Strafsenat des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he jetzt ein anders lau­ten­des Urteil des Land­ge­richts Hei­del­berg aus­ge­spro­chen. Die­ses hat­te den Ange­klag­ten am 28.9.2006 wegen Miss­brauchs von Titeln (§ 132a StGB) in drei Fäl­len ver­warnt und sich eine Ver­ur­tei­lung zu einer Geld­stra­fe vor­be­hal­ten.

Nach Ent­schei­dun­gen des Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums Nord­rhein-West­fa­len vom 15.5.2003 und 5.6.2003 darf Dr. von Hagens sei­nen Namen mit dem Zusatz ?Prof. (VRC)? oder ?Prof. (Dali­an Medi­cal Uni­ver­si­ty)? ver­se­hen.

Grund­la­ge des straf­recht­li­chen Vor­wurfs war nun der Umstand, dass der Ange­klag­te im Novem­ber 2002 ein Poli­zei­pro­to­koll, im März 2003 einen Bespre­chungs­ver­merk und im August 2003 eine Voll­macht für einen Rechts­an­walt mit dem ihm nicht zuste­hen­den Titel "Prof. Dr. Gun­ter von Hagens" – also ohne den Klam­mer­zu­satz – unter­zeich­net haben soll. Nach den Fest­stel­lun­gen der Straf­kam­mer hat­te der Ange­klag­te die jewei­li­gen Unter­schrifts­zei­len, wel­che maschi­nen­schrift­lich von Drit­ten mit dem Namens­zug "Prof. Dr. Gun­ter von Hagens" ver­se­hen wor­den waren, hand­schrift­lich mit "Gun­ther von Hagens" unter­zeich­net.

Der Senat ist in sei­ner Ent­schei­dung auf die Fra­ge, ob der Ange­klag­te, wel­cher 1996 und 1999 von der medi­zi­ni­schen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Dalian/​China zum ?Visi­t­ing Pro­fes­sor? ernannt wor­den war, einen Pro­fes­so­ren­ti­tel füh­ren darf, nicht näher ein­ge­gan­gen, weil schon das ihm vor­ge­wor­fe­ne Ver­hal­ten nicht straf­bar ist.

Ein Füh­ren von Titeln und Bezeich­nun­gen im Sin­ne des § 132a Abs. 1 Nrn. 1 – 3 StGB erfor­de­re näm­lich eine sich gegen­über der Umwelt äußern­de akti­ve Inan­spruch­nah­me des Titels für sich im sozia­len Leben in einer Wei­se, durch wel­che die Inter­es­sen der All­ge­mein­heit tan­giert wer­den. Ein blo­ßes Dul­den der Anre­de durch Drit­te genü­ge hier­für nicht, es sei denn, es wäre plan­mä­ßig dar­auf ange­legt, in der Umge­bung den Anschein der Berech­ti­gung zum Füh­ren der Bezeich­nung zu erwe­cken.

Dies sei vor­lie­gend aber nicht der Fall gewe­sen. Der Ange­klag­te habe sich nicht selbst als Pro­fes­sor bezeich­net, viel­mehr wur­de ihm der Titel jeweils von ande­ren vor­ge­ben, ohne dass er dies nach den Urteils­fest­stel­lun­gen selbst ver­an­lasst oder sich dar­auf beru­fen hät­te. Er selbst habe durch die Unter­zeich­nung mit sei­nem Namen (ohne Titel) in kei­nem der Fäl­le eine Akti­vi­tät ent­fal­tet, in der eine akti­ve und damit kri­mi­nel­les Unrecht wer­den­de Ver­wen­dung des Titels gese­hen wer­den könn­te. Hin­zu kom­me, dass die Urhe­ber der Unter­schrifts­zei­len zu Recht davon aus­ge­gan­gen waren, dass der Ange­klag­te wegen sei­ner Bestel­lung im Aus­land tat­säch­lich Pro­fes­sor und nicht etwa ein Hoch­stap­ler sei. Sein Ver­hal­ten ste­he daher einem nicht straf­ba­ren blo­ßen Dul­den einer fal­schen Anre­de gleich.

Der 2. Straf­se­nat hat vor­lie­gend in der Sache selbst ent­schie­den, auf die Revi­si­on das Urteil des Land­ge­richts Hei­del­berg vom 28.9.2006 auf­ge­ho­ben und den Ange­klag­ten aus Rechts­grün­den frei­ge­spro­chen.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 18.07.2007 – 2 Ss 294/​06