Kein Ver­zicht auf die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung

Wer in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung gegen sei­nen Wil­len ver­si­chert ist, muss den­noch Bei­trä­ge ent­rich­ten. Die mit der Gesund­heits­re­form seit 01.04.2007 ein­ge­führ­te Ver­si­che­rungs­pflicht führt in der Regel sogar zu einer rück­wir­ken­den Bei­trags­pflicht. Dar­auf hat das Sozi­al­ge­richt Dres­den in einem aktu­el­len Urteil hin­ge­wie­sen.

Kein Ver­zicht auf die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung

Der 60-jäh­ri­ge Klä­ger aus Dres­den war nicht kran­ken­ver­si­chert. Er lebt ohne jeg­li­chen Lohn oder finan­zi­el­le Unter­stüt­zung. Im April 2007 bat er die AOK PLUS um Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz. Die AOK PLUS begrüß­te ihn dar­auf hin als ihr Mit­glied. Gleich­zei­tig setz­te sie monat­li­che Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge in Höhe von 120 € fest. Dage­gen wand­te sich der Klä­ger: So hohe Bei­trä­ge kön­ne er nicht bezah­len. Lie­ber ver­zich­te er auf die Kran­ken­ver­si­che­rung und gehe nicht zum Arzt.

Das Sozi­al­ge­richt Dres­den hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die Gesund­heits­re­form hat zum 01.04.2007 eine Ver­si­che­rungs­pflicht für alle ein­ge­führt, die kei­nen Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz inne­ha­ben und frü­her über­haupt nicht oder gesetz­lich ver­si­chert waren. Die AOK PLUS war daher ver­pflich­tet, den Klä­ger als Ver­si­cher­ten auf­zu­neh­men. Die gesetz­li­che Ver­si­che­rungs­pflicht führt auto­ma­tisch zu einer Bei­trags­pflicht ab 1. April 2007. Monat­li­che Bei­trä­ge in Höhe von 120 € ent­spra­chen in die­sem Fall dem gesetz­li­chen Min­dest­bei­trag.

Das Urteil des Sozi­al­ge­richts Dres­den bekräf­tigt, dass der Gesetz­ge­ber bewusst eine Viel­zahl von Men­schen in der Lebens­si­tua­ti­on des Klä­gers zwangs­wei­se in die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung geholt hat. Die Bei­trags­pflicht geht damit ein­her. Ein Ver­zicht ist nicht mög­lich. Der Klä­ger müss­te Arbeits­lo­sen­geld II oder Sozi­al­hil­fe bean­tra­gen, um in den Genuss einer kos­ten­lo­sen Kran­ken­ver­si­che­rung zu kom­men.

Sozi­al­ge­richt Dres­den, Urteil vom 23. April 2008 – S 25 KR 653/​07 (nicht rechts­kräf­tig)