Kei­ne deut­sche Hil­fe für Pira­ten

Ein soma­li­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger, der in Kenia im sog. Pira­ten­pro­zess vor Gericht steht, hat gegen­über der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land weder Anspruch auf Über­nah­me der Kos­ten eines deut­schen Ver­tei­di­gers noch auf sons­ti­gen kon­su­la­ri­schen oder diplo­ma­ti­schen Bei­stand. Dies ergibt sich aus einem Beschluss des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin, mit dem ein ent­spre­chen­der Eil­an­trag des Man­nes zurück­ge­wie­sen wor­den ist.

Kei­ne deut­sche Hil­fe für Pira­ten

Der Antrag­stel­ler war im März 2009 als mut­maß­li­cher See­räu­ber von der Besat­zung der deut­schen Fre­gat­te Rhein­land-Pfalz auf­ge­grif­fen und nach Kenia über­stellt wor­den. Grund­la­ge hier­für ist der Brief­wech­sel zwi­schen der Euro­päi­schen Uni­on und der Regie­rung Keni­as über die Bedin­gun­gen und Moda­li­tä­ten für die Über­ga­be von Per­so­nen, die see­räu­be­ri­scher Hand­lun­gen ver­däch­tigt wer­den und von den EU-geführ­ten See­streit­kräf­ten (EUNAVFOR) in Haft genom­men wur­den. Hier­in hat sich Kenia ver­pflich­tet, die im Rah­men des Brief­wech­sels über­ge­be­nen Per­so­nen human und im Ein­klang mit inter­na­tio­na­len Men­schen­rechts­ver­pflich­tun­gen sowie unter Wah­rung des Rechts auf ein fai­res Ver­fah­ren zu behan­deln.

Nach Über­zeu­gung der Ber­li­ner Ver­wal­tungs­rich­ter resul­tie­ren aus die­sem völ­ker­recht­li­chen Brief­wech­sel schon kei­ne sub­jek­ti­ven Ansprü­che ein­zel­ner Per­so­nen. Im Übri­gen bestün­den die­se Rech­te allen­falls gegen­über Kenia selbst, da das Straf­ver­fah­ren gera­de nicht von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land geführt wer­de. Ande­res fol­ge auch nicht aus der Tat­sa­che, dass deut­sche Streit­kräf­te den Antrag­stel­ler nach Auf­brin­gung sei­nes Boo­tes an Kenia über­stellt hät­ten. Dies füh­re kei­nes­falls zur Kos­ten­tra­gungs­pflicht deut­scher Stel­len, zumal der Antrag­stel­ler in Kenia bereits durch einen Ver­tei­di­ger ver­tre­ten wer­de. Ohne­hin habe der Antrag­stel­ler nicht glaub­haft gemacht, dass sein deut­scher Bevoll­mäch­tig­ter ihn über­haupt in Kenia vor dem Chief Magistrate´s Court in Mom­ba­sa, für den er kei­ne Anwalts­zu­las­sung habe, wer­de ver­tre­ten kön­nen.

Auf kon­su­la­ri­schen Schutz kön­ne sich der Antrag­stel­ler schon des­halb nicht beru­fen, weil die­ser regel­mä­ßig nur deut­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen zuteil wer­den kön­ne. Dem Antrag­stel­ler ste­he schließ­lich (eben­so wenig wie sei­nem deut­schen Bevoll­mäch­tig­ten) auch kein Anspruch auf diplo­ma­ti­schen Schutz zur Sei­te, da der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hier­bei ein wei­tes außen­po­li­ti­sches Ermes­sen zukom­me. Die­ses habe sie hier in recht­lich ein­wand­frei­er Wei­se durch ihre Mit­wir­kung an dem genann­ten Brief­wech­sel aus­ge­übt.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 24. April 2009 – VG 34 L 130.09