Kei­ne gute Nach­bar­schaft: Fal­ken­zucht und Pilz­zucht

Kann nicht zwei­fels­frei fest­ge­stellt wer­den, dass die Ursa­che einer erhöh­ten Sterb­lich­keits­ra­te bei einer Tier­zucht auf die vom Nach­bar­grund­stück her­über­ge­weh­ten Pilz­spo­ren einer Pilz­farm zurück­zu­füh­ren ist und auch ande­re Grün­de zum Tod der Tie­re geführt haben könn­ten, ist der Pilz­züch­ter für den durch den Tod der Tie­re ent­stan­de­nen Scha­den nicht ersatz­pflich­tig.

Kei­ne gute Nach­bar­schaft: Fal­ken­zucht und Pilz­zucht

So hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­lan­des­ge­richt Cel­le in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Fal­ken­züch­ters ent­schie­den, der für den Tod sei­ner Fal­ken vom Betrei­ber der benach­bar­ten Pilz­zucht Scha­dens­er­satz ver­langt hat. Der Fal­ken­züch­ter aus dem Land­kreis Roten­burg ver­klag­te den Betrei­ber der auf dem Nach­bar­grund­stück ange­sie­del­ten Pilz­zucht­farm sowie die Eigen­tü­mer des angren­zen­den Grund­stücks auf Scha­dens­er­satz in Höhe von gut 3 Mil­lio­nen Euro, weil in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die von der Pilz­zucht aus­ge­hen­den Schim­mel­pilz­spo­ren zu einer erhöh­ten Sterb­lich­keit der Fal­ken geführt haben sol­len. Die Pilz­spo­ren sei­en vom Grund­stück der Pilz­zucht zu den Fal­ken her­über­ge­weht und hät­ten zu Erkran­kung und Tod der emp­find­li­chen Tie­re geführt. Nach­dem sei­ne Kla­ge vor dem Land­ge­richt erfolg­los geblie­ben ist, hat der Fal­ken­züch­ter sein Ziel wei­ter vor dem Ober­lan­des­ge­richt ver­folgt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le ließ es sich nicht bewei­sen, dass von der Pilz­zucht­farm stam­men­de Pilz­spo­ren zum Tod der Fal­ken geführt hat­ten. Die von bei­den Gerich­ten ange­hör­te Sach­ver­stän­di­ge für Tier­me­di­zin, die die Kada­ver zur Fest­stel­lung der Todes­ur­sa­che unter­sucht hat­te, führ­te aus, dass wis­sen­schaft­lich nicht bewie­sen wer­den kön­ne, dass die Erkran­kung und der Tod der Fal­ken auf den Kon­takt der Tie­re mit Pilz­spo­ren zurück­zu­füh­ren sei. Auch nicht durch Pilz­spo­ren aus­ge­lös­te Krank­hei­ten könn­ten zum Tod der Tie­re geführt haben. Dar­über hin­aus müs­se berück­sich­tigt wer­den, dass die Zucht und Hal­tung der Fal­ken in Gefan­gen­schaft einen hohen Belas­tungs­fak­tor dar­stel­le und die Tie­re auch ande­ren Umwelt­be­las­tun­gen aus­ge­setzt sei­en.

Das Ober­lan­des­ge­richt konn­te sich auf der Grund­la­ge die­ses Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens nicht davon über­zeu­gen, dass die Pilz­spo­ren für den Tod der Fal­ken ursäch­lich gewor­den waren. Dies sei jedoch eine Vor­aus­set­zung für die Begrün­dung einer Haf­tung des Betrei­bers der Pilz­zucht­farm. Da nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne, dass auch ande­re Grün­de zum Tod der Fal­ken geführt haben könn­ten, sei der Pilz­züch­ter für den durch den Tod der Fal­ken ent­stan­de­nen Scha­den nicht ersatz­pflich­tig.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 18. Juli 2012 – 4 U 122/​10